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Auf dem Weg in ein neues Leben

Rasoul Amirabadi Faharani mit Dr. Majid Reza und Pflegedienstleiterin Martina Haufe im OP-Trakt.
Rasoul Amirabadi Faharani mit Dr. Majid Reza und Pflegedienstleiterin Martina Haufe im OP-Trakt. FOTO: be
Luckau. Rasoul Amirabadi Faharani wirkt glücklich, wenn er über seine neue Arbeit spricht. Im Bundesfreiwilligendienst hilft der 38-jährige Flüchtling aus dem Iran im OP-Trakt des Luckauer Evangelischen Krankenhauses beim Umbetten der Patienten vor und nach Operationen. "Ich bin froh, dass ich endlich etwas tun kann", sagt er. Carmen Berg

Seit eineinhalb Jahren lebt der Iraner in Deutschland. In seiner Heimat war er zum christlichen Glauben konvertiert und musste deshalb um sein Leben fürchten. So sei ihm nur die Flucht geblieben, erzählt er. Mit seiner Frau, den beiden Töchtern und dem erst zwei Monate alten Sohn bekam Rasoul Amirabadi Faharani Obdach in Zützen, in einem der Wohnblöcke für Flüchtlinge. Zwar sei die Wohnung schön, belastend aber sei das Nichtstun gewesen. "Meine Tochter hat mich gefragt, warum ich ständig zu Hause bin", erinnert sich der junge Familienvater und sagt: "Ich wollte aktiv sein, wollte unbedingt arbeiten, anderen Menschen helfen."

Im Iran leitete er zwölf Jahre als Schuhmacher eine Werkstatt mit 20 Mitarbeitern. Ein Beruf, der aber hierzulande kaum gebraucht wird. Über ein Projekt der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) und der Agentur für Arbeit zur Berufsorientierung für Migranten entstand der Kontakt zum Luckauer Krankenhaus. Das Haus gehört zum Unternehmensverbund des Evangelischen Diakonissenhauses Berlin-Teltow-Lehnin.

Als Raoul Amirabadi Faharani gefragt wurde, ob er dort Bundesfreiwilliger (Bufdi) werden wolle, zögerte er nicht. Seit April ist er im OP-Bereich vorrangig als Umbetter im Einsatz: Er legt mit Hand an, wenn Patienten in den Operationssaal gebracht werden oder ihn nach dem Eingriff wieder verlassen. Auch kümmert er sich um Aufgaben wie die Desinfektion und Reinigung. Der 38-Jährige gehört dabei zu einem kleinen, wenig wechselnden Team. "Der enge Kollegenkontakt hilft, die Sprachkenntnisse zu erweitern", erklärt Pflegedienstleiterin Martina Haufe die Auswahl des Einsatzortes.

Lust geweckt aufs Bleiben

Manch einer, der als Freiwilliger ins Luckauer Krankenhaus kam, hat dort schon seinen Traumjob entdeckt und im Anschluss eine Ausbildung begonnen. Auch Rasoul Amirabadi Faharani könnte sich vorstellen, Krankenpfleger oder OP-Assistent zu werden, wie er sagt. Wenngleich es bis dahin sicherlich noch viele Hürden zu nehmen gibt, sieht Martina Haufe durchaus Chancen. "Er ist sehr aufgeschlossen, pünktlich, zuverlässig und sensibel im Umgang mit Menschen."

Dr. Majid Reza, Oberarzt auf der Urologie und ebenfalls Iraner, hat den 38-Jährigen unter seine Fittiche genommen. "Er strahlt so viel positive Energie aus", sagt Dr. Reza über seinen Schützling und schiebt mit Schmunzeln nach: "Rasoul hat nach kurzer Zeit schon fast mehr Freunde und Bekannte als ich nach meinen 30 Jahren."

Durch sein Engagement in der Kirchengemeinde lernte er schon viele Dörfer rund um Golßen kennen, wo am Sonntag wechselnd die Gottesdienste stattfinden. "Ich helfe, die Kirche herzurichten oder die Straße zu putzen", sagt er. Sein Wissen aus dem deutschen Bibelkurs hat er für zwei afghanische Familien übersetzt. "Sie sind Christen geworden, haben sich taufen lassen", freut sich der junge Iraner.

Noch wartet der auf einen Bescheid der Ausländerbehörde, ob er in Deutschland bleiben darf.

Gern würde er mit seiner Familie in Luckau leben, zusammen mit deutschen Nachbarn. In Zützen, auf dem Land, seien die Flüchtlinge meist unter sich. "Man kommt kaum raus, besonders an den Wochenenden ist es schwierig, wenn die Busse nicht fahren", bedauert er. Sein nächstes Etappenziel ist der deutsche Führerschein.

Beide Seiten profitieren

"Ich kenne viele Flüchtlinge, die aktiv sein wollen und zu Hause sitzen müssen. Langeweile schürt Unruhe", sagt Majid Reza, der sich im Willkommensbündnis "Mensch Luckau" engagiert. Dabei profitieren, wenn es anders läuft, beide Seiten: "Für das Krankenhaus ist Raoul Faharani eine große Hilfe, und für uns ist es schön, wenn wir ihn unterstützen können, in der neuen Heimat Fuß zu fassen", sagt Pflegedienstleiterin Martina Haufe.

Zum Thema:
Seit dem 1. September hat Raoul Amirabadi Faharani sechs deutsche Mitstreiter im Bundesfreiwilligendienst sowie im Freiwilligen Sozialen Jahr bekommen. Viele nutzen die Zeit zur Berufsorientierung, sagt Pflegedienstleiterin Martina Haufe. Wer sich für einen freiwilligen Einsatz oder eine Ausbildung im Krankenhaus interessiert, kann sich jederzeit an die Pflegedienstleiterin wenden. Mail: martina.haufe@diakonissenhaus.de