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| 17:37 Uhr

Insektensterben
Das Summen verschwindet

Eine Hummel sammelt Pollen auf einer Blüte. Wir brauchen Insekten. Ohne sie gäbe es kein Obst und kein Gemüse.
Eine Hummel sammelt Pollen auf einer Blüte. Wir brauchen Insekten. Ohne sie gäbe es kein Obst und kein Gemüse. FOTO: Sven Hoppe / dpa
Luckau. Auch im Raum Luckau gibt es immer weniger Insekten. Blühwiesen, Hecken und etwas wild wachsende Flächen im Garten dienen als wichtiger Lebensraum. Von Anja Brautschek

Sie sind klein, unscheinbar und dennoch sehr wichtig für das Ökosystem: Insekten. Doch die Lebewesen sind bedroht. Eine Langzeitstudie des Entomologischen Vereins Krefeld in Naturschutzgebieten hat ergeben, dass die Biomasse von Insekten seit 1989 um mehr als 75 Prozent geschrumpft ist. Die Studie bezog auch zwei Standorte in der Lieberoser Heide ein. Ein ähnliches Bild zeichnet sich auch in Luckau und Umgebung ab.

„Besonders an den Windschutzscheiben wird der Rückgang sichtbar“, erklärt Fred Niepraschk vom Biologischen Arbeitskreis „Alwin Arndt“ in Luckau. Wo früher bereits nach kurzen Strecken die Scheiben verdreckt waren mit toten Insekten, findet man heutzutage wesentlich weniger.

Seit Jahren beobachtet er gemeinsam mit anderen die Insektenwelt von Luckau – auch die dramatischen Entwicklungen in der Region. „Vor allem Blütenbestäuber wie Schmetterlinge, Bienen und Schwebfliegen sind betroffen“, sagt Helmut Donath. Er hat insbesondere das Feld der Hummeln unter Beobachtung. Von 27 Arten, die bis in die 1970er-Jahre in Luckau ansässig waren, kann er heute nur noch 17 finden. Arten wie die Wald-, Gras-, Sand- oder die Große Erdhummel sind nach seinen Forschungen erst in den vergangenen zwei Jahren verschwunden. Ein ähnliches Bild zeichne sich bei den Tagfaltern ab.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Der Klimawandel und die zunehmende Verstädterung verschlechtern die Lebensbedingungen der Insekten. Vor allem die Landwirtschaft bedrohe den wichtigen Lebensraum, sagen Naturexperten. „Felder reichen fast bis zur Straße und sind oft ohne Erosionsschutz“, sagt Fred Niepraschk. Viele heimische Insektenarten leben jedoch auf einem kleinen Gebiet. Durch Großflächen werden sie häufig isoliert. „Ein paar Hecken zwischen den Feldern würde dieses Problem lösen“, erklärt er. Durch den Einsatz von Pestiziden werden Insekten zusätzlich getötet oder Nahrungsgrundlagen zerstört.

Die Folgen für Mensch und Natur sind verheerend. Ohne Insekten verlieren auch Vögel und andere Tiere ihre Nahrungsgrundlage. Pflanzen können nicht mehr ausreichend bestäubt werden. Deshalb versuchen auch hiesige Landwirte, einen Beitrag zum Naturschutz zu leisten. Brandenburgweit werden rund 100 Hektar Land für das Blühstreifenprojekt des Landesbauernverbandes genutzt.

Auch das Greening soll den Lebensraum von Insekten schützen. Dabei werden Monokulturen verhindert und eine ganzjährige Bodenbedeckung durch unterschiedliche Fruchtfolgen erreicht. Stillgelegte Flächen bieten zusätzliche Rückzugsorte. „Brandenburg hat einen Spitzenplatz bei Brachflächen“, sagt Borjana Dinewa-Zelt vom Bauernverband Südbrandenburg. Allein im Landkreis Dahme-Spree seien es rund 1374 Hektar.

Um jedoch den enormen Rückgang aufzuhalten, sei ein Umdenken in der Landwirtschaft erforderlich, so Werner Kratz, Privatdozent für Ökotoxologie und 2. Vorsitzender des Nabu Brandenburg. „Gute landwirtschaftliche Praxis mit integriertem Pflanzenschutz muss verbindlich eingeführt werden. Dialogprozesse wie zwischen Imkern und Landwirten sollten intensiviert werden“, sagt er. Eine nachhaltige Nutzung der Ackerflächen kann den Lebensraum für heimische Arten verbessern. Mit weniger Pestiziden und Dünger sowie der Anpflanzung von Hecken und Blühstreifen würde der Rückgang aufgehalten. Dazu muss auch die Förderpolitik verändert werden.

Selbst Hobbygärtner und Grundstücksbesitzer können mit kleinen Mitteln Lebensraum für Insekten schaffen. Natürlicher Dünger schützt die Umwelt und versorgt den Boden zugleich mit Nährstoffen. Auch wild wachsende Flächen bieten Nahrung und Schutz für Insekten und andere Lebewesen. „Insekten sind Organismen, die sich schnell reproduzieren. Solange sie noch nicht ausgestorben sind, lässt sich das Sterben aufhalten“, sagt Manuela Brecht, Naturschutzreferentin des Nabu Brandenburg.