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| 17:09 Uhr

Naturpark Niederlausitzer Landrücken
Artenvielfalt rückt in den Fokus

Kammmolche zählen zu den schützenswerten Tierarten in FFH-Gebieten des Naturparks Niederlausitzer Landrücken. Naturwächterin Monika Gierach erfasst die Zahl der Tiere am Krötenzaun und trägt sie mit vielen weiteren Amphibien danach sicher über die Bundesstraße.
Kammmolche zählen zu den schützenswerten Tierarten in FFH-Gebieten des Naturparks Niederlausitzer Landrücken. Naturwächterin Monika Gierach erfasst die Zahl der Tiere am Krötenzaun und trägt sie mit vielen weiteren Amphibien danach sicher über die Bundesstraße. FOTO: Birgit Keilbach
Fürstlich Drehna. FFH-Gebiete im Naturpark Niederlausitzer Landrücken werden genau unter die Lupe genommen Von Birgit Keilbach

Im Naturpark Niederlausitzer Landrücken gibt es insgesamt 28 Fauna-Flora-Habitat-Gebiete (FFH), häufig bereits als Naturschutzgebiet ausgewiesen. „Diese Areale bieten EU-weit seltenen und schützenswerten Pflanzengemeinschaften und Tieren gute Lebensbedingungen“, erläutert Udo List, Leiter der Naturparkverwaltung.

Ein Beispiel für eine dieser Pflanzengemeinschaften, als Lebensraumtyp bezeichnet, sind alte bodensaure Eichenwälder auf Sandebenen. Diese sind unter anderem in der Rochauer Heide und im Lugkteichgebiet bei Sonnewalde zu finden. Stiel- und Traubeneichen gelten als Leitarten, Rotbuche, Birke, Kiefer, verschiedene Sträucher, Kräuter und Gräser als deren typische Begleiter. „In der Gesamtheit bieten sie verschiedenen schützenswerten Tierarten den optimalen Lebensraum für ihre Entwicklung. Dazu zählen unter anderem Käferarten wie der Eremit und der Hirschkäfer, aber auch die Mops- und die Bechsteinfledermaus“, zeigt Udo List die Zusammenhänge auf.

Zahlreiche weitere dieser speziellen Lebensräume für den Erhalt der Artenvielfalt haben die Naturparkverwaltung und das Landesumweltamt von 1998 bis 2004 an die Europäische Union gemeldet. Denn die FFH- und auch die Vogelschutzgebiete gehören zum für alle Mitgliedsländer verpflichtenden EU-Programm „Natura 2000“, mit dem die biologische Vielfalt als Lebensgrundlage der Menschen erhalten bleiben soll. Europaweit werden alle Flächen mit diesem Fauna-Flora-Habitat-Status untersucht und beurteilt, ob ein guter Erhaltungszustand gegeben ist oder ob Maßnahmen für den Erhalt sowie die weitere Entwicklung notwendig sind. Der Fachbegriff dafür lautet FFH-Managementplanung.

Im Naturpark Niederlausitzer Landrücken beginnt jetzt die Planung für 25 Gebiete. „Dafür benötigen wir die Mitwirkung von Eigentümern und Nutzern, zum Beispiel Waldbesitzern, Landwirten, Teichwirten, aber auch Behörden, Gemeinden und Verbänden“, informiert der Naturparkchef. Alle werden am öffentlichen Prozess der Managementplanung beteiligt.

Ein erster Schritt ist die Untersuchung des aktuellen Zustandes der ausgewiesenen Gebiete durch Experten verschiedener Fachbüros. In den alten bodensauren Eichenwäldern zum Beispiel werden die begleitende Vegetation kartiert, der Totholzanteil bestimmt sowie die Baumartenzusammensetzung beurteilt. „Daraus ergibt sich ein differenziertes Bild des Erhaltungszustandes: ist dieser gut, mittel oder schlecht? Die beauftragten Fachleute erarbeiten dann Vorschläge, die mit den Nutzern, bei Wald häufig gleichzeitig die Eigentümer, abgestimmt werden“, beschreibt Udo List die Vorgehensweise. Das Ganze ist ein Prozess, der sich über zwei Jahre erstrecken wird. In den Bergbaufolgelandschaften habe dieser bereits begonnen. Die anderen FFH-Gebiete folgen entsprechend der Planung. „Die Informationen darüber, wann und wo die Kartierung konkret stattfindet, veröffentlichen wir in den Amtsblättern“, kündigt Udo List an.

Der Erhalt der Artenvielfalt sei auch ein wesentlicher Faktor für die Waldgesundheit, ergänzt Daniel Witt, der die Managementplanung in der Naturparkverwaltung koordiniert. Das ökologische Gleichgewicht habe auch wesentlichen Einfluss darauf, dass Schadinsekten im Zaum gehalten werden könnten, zum Beispiel durch Spechte und Fledermäuse. „Je mehr Arten in einem Wald vorkommen, um so widerstandsfähiger ist er gegenüber Klimafaktoren und Schädlingsbefall“, nennt Daniel Witt einen wichtigen Aspekt.

Die FFH-Managementplanung ergänze den bereits vorhandenen Pflege- und Entwicklungsplan des Naturparks, der auch mit Unterstützung von EU-, Landes- und Drittmitteln umgesetzt wird. So konnten in der Vergangenheit bereits Kleingewässer wiederbelebt und Moore renaturiert werden. Gegenwärtig laufe ein Antrag zur Verbesserung der Wasserhaltung in der Mittelteichgruppe der Calauer Schweiz, nennt Udo List ein weiteres aktuelles Vorhaben.