“Von meiner vierköpfigen Familie hatten nach der Wende drei keine Arbeit mehr„, blickt Ingrid Koschnick, erste Chefin des ASE, 20 Jahre zurück. Der Anfang sei damals schwer gewesen, da die zugesicherte finanzielle Unterstützung lange auf sich warten ließ. “Damals hat mein Mann Günter das Holz herangeschafft, damit ich mit meiner Mitarbeiterin Karin Giersch unsere beiden ersten Räume warm bekommen konnte. Möbel haben wir uns selbst organisiert„, erinnert sich die 74-Jährige.

Obwohl der Raum bei der Feierstunde am Frauentag von eben diesen dominiert ist, haben die Gratulanten keine Blumensträuße im Gepäck. Luckaus Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos) sichert ebenso wie Dahme-Spreewalds Sozialdezernent Carsten Saß (CDU) weitere finanzielle Unterstützung durch Stadt und Landkreis zu. Es sei wichtig, dass sich Menschen im ASE schon seit 20 Jahren um die Belange der Erwerbslosen kümmere, hob Lehmann hervor. “Nicht jeder hat die Kraft und den Mut, sich nach dem verlorenen Job mit dem Arbeitsmarkt auseinanderzusetzen„, so der Bürgermeister.

Durch die Unterstützung zahlreicher Ehrenamtlicher sei in den vergangenen Jahren viel für die Menschen in und um Luckau erreicht worden, ergänzt Saß. “Doch auf Luckau kommen neue Aufgaben neben der Erwerbslosigkeit zu„, sagt der Sozialdezernent. Viele Projekte würden bereits helfen. Doch mit dem demografischen Wandel werde sich auch das Tätigkeitsfeld der Helfer im Arbeitslosenservice ändern.

In gemeinsamen Gesprächen an der Kaffeetafel blicken die Helfer vom ASE in die Zukunft. “Tafel, Kleiderbörse und Schuldnerberatung sollten keine Dauerlösung sein„, nennt Inga-Karina Ackermann, Vorsitzende des ASE-Landesverbandes Brandenburg, aktuelle Projekte in Luckau. “Die Arbeit sollte sich lohnen und ohne Unterstützung vom Staat auskommen.„ Dass die Zeiten etwas besser geworden sind, erkenne man bereits jetzt, sagt Kornelia Götze. “Bei uns melden sich nicht nur Hilfebedürftige, sondern auch immer mehr Helfer, die ihre Freizeit nach der Arbeit für andere opfern„, erklärt die 54-Jährige Luckauerin.

Ute Hoehne (54) kennt das Haus an der Luckauer Hauptstraße schon seit elf Jahren. Die 54-Jährige ist Langzeitarbeitslose und aufgrund von Krankheit schon seit 20 Jahren auf der Suche nach einer festen Arbeitsstelle. “Damals habe ich im Rahmen einer Maßnahme vom Arbeitsamt in der Kleiderkammer angefangen„, erinnert sich die 54-Jährige. Als diese im Sommer 2003 schließlich vorbei war, habe die Luckauerin ehrenamtlich weiter gemacht. “Jeder kann helfen„, sagt Ute Hoehne. “Im Arbeitslosenservice habe ich viele Freunde kennengelernt. Alleine zu Hause würde ich doch verrückt werden.„

Zum Thema:

Der Arbeitslosenservice Luckau führt Menschen mit Unterstützungsbedarf und Freiwillige zusammen. Infos unter Telefon 03544 6362, E-Mail: ase-luckau@alv-brandenburg.de
Für 20 Jahre Tätigkeit im ASE wurden ausgezeichnet: Ingrid und Gabriela Koschnick und Andreas Hauptmann (alle aus Luckau).