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| 17:28 Uhr

Flächendeckende Breitbandversorgung
Antennen gegen weiße Flecken

Luckau. Modellprojekt „Moro digital“ ist nach zwei Jahren Forschungszeit erfolgreich abgeschlossen. Nun wollen Planer die Umsetzung in der Region Luckau angehen. Von Anja Brautschek

Schnelles Internet auf dem Dorf, in der Schule oder selbst auf dem Acker. Das klingt vor allem in der hiesigen ländlichen Region noch nach Zukunftsmusik. Doch für Hubertus von Manstein, Projektleiter von „Moro digital“ sind diese Gedankengänge gar nicht so abwegig.

„Unsere Erkenntnisse aus diesem Projekt könnten politische Wirklichkeit werden“, erklärt er am Donnerstag vor der Stadtverordnetenversammlung. Vor rund zwei Jahren startete das Forschungsprojekt. Dafür wurde Luckau-Calau als eine von sechs Modellregionen ausgewählt. Dort wurde erforscht, wie eine flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet geschaffen werden kann. Nun konnte das Projekt erfolgreich abgeschlossen werden. Das Pilotprojekt habe bewiesen, dass mit alternativen Techniken eine schnelle und stabile Breitbandversorgung möglich ist.

Sein Vorschlag ist es daher, in Luckau dafür ein Kompetenzzentrum aufzubauen. Damit wäre die Region ein Vorreiter in Brandenburg. Die Voraussetzung dafür sollen mit „Luckau.digital“ geschaffen werden. Ziel des Projekts ist es, die vorhandenen Mobilfunknetze für den flächendeckenden Ausbau von Breitbandinfrastrukturen zu nutzen. Mit dieser Technologie könnten weiße Flecken geschlossen werden. Denn für abgelegene Höfe, kleine Dörfer oder einzelne Firmensitze, ist eine Verlegung von Glasfaserkabeln häufig unwirtschaftlich. Der Ausbau der Mobilfunknetze könnte bei dieser Problematik Abhilfe schaffen. In Schlabendorf wurde zu Testzwecken dafür bereits ein Mobilfunkmast errichtet. Bislang profitieren von dieser Technologie allerdings nur fünf Schlabendorfer. Sie können mit einer stabilen Geschwindigkeit von mehr als 50 Mbit/s im Internet surfen. „Ich würde gern mehr machen“, sagt Hubertus von Manstein.

Aus seiner Sicht könnten die Infrastrukturen dafür mit vergleichsweise geringem Aufwand aufgebaut werden. Notwendig sind dafür Antennen, die auf höheren Gebäuden in der Ortsmitte aufgestellt werden und auf die Mobilfunknetze zugreifen. „Das können Kirchtürme, Feuerwehrtürme oder alte Herrenhäuser sein“, nennt er Beispiele. Allerdings muss ein Anschluss mit Glasfaserkabel am Gebäude anliegen. Dafür könnten jedoch bereits gezogene Kabel genutzt werden. „Nur wenige Kilometer von Luckau entfernt verläuft ein Glasfaserkabel, das wir nutzen könnten. Dann würden die Kosten nur etwa ein Viertel von einem herkömmlichen Festnetzanschluss mit Glasfaser betragen“, rechnet Hubertus von Manstein vor. Gleichzeitig ist für den Nutzer nur noch ein Vertrag notwendig, mit dem er alle Kommunikationsmöglichkeiten – Mobilfunk, Festnetzanschluss, Internet – nutzen kann.

Um das zu realisieren, wird noch bis April eine Bedarfsanalyse in der Region durchgeführt. Internetnutzer können anonym die Geschwindigkeit des vorhandenen Internetanschlusses testen, und der Firma mitteilen, wie zufrieden sie damit sind. Auf Basis dieser Daten soll ein bedarfsorientiertes Breitbandnetz aufgebaut werden. Danach könnten Kooperationspartner, Kommunen und Betreiber mit der Umsetzung beginnen. „Bis zum Jahresende könnten wir die ersten Haushalte anschließen“, sagt Hubertus von Manstein. Wird der Zeitplan eingehalten und das Projekt nach diesem Konzept realisiert, so könnte im Landkreis Dahme-Spreewald schneller als gedacht eine flächendeckende Internetanbindung mit Hochleistungsgeschwindigkeit realisiert werden.