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Angst vor möglicher Verbandsteilung

Müllabfuhr im Spreewald: Die Grundgebühr steigt.
Müllabfuhr im Spreewald: Die Grundgebühr steigt. FOTO: fotolia
Lübben/Luckau. An der Frankfurter Straße 45 geht die Angst um. Von dort aus wird im bald 25. Jahr der Kommunale Abfallentsorgungsverband Niederlausitz (KAEV) verwaltet. Er soll aufgelöst und in den größeren nördlichen und südlichen Entsorger-Nachbarn aufgehen. Ingvil Schirling

Seit drei Wochen und zwei Tagen wissen die Mitarbeiter von den Plänen. Geht es nach den jetzigen Vorstellungen, so wird der nördliche Teil des KAEV, jetzt in Dahme-Spreewald, ab 2017 zum Südbrandenburgischen Abfallzweckverband (SBAZV) gehören. Der südliche Teil im Oberspreewald-Lausitz-Kreis würde dem Abfallentsorgungsverband Schwarze Elster (AEV) zugeschlagen.

Das wollen die Mitarbeiter nicht so einfach hinnehmen. "Wir stellen uns nicht gegen das Vorhaben. Wir wollen aber einbezogen werden und dazu beitragen, Alternativen zu finden", sagt Roswitha Jurrack. Mit dem Personalratsvorsitzenden Andreas Groß hat sie am Mittwoch die Abgeordneten des Kreistags Dahme-Spreewalds auf die Sorgen der Mitarbeiter aufmerksam gemacht.

Drei Hauptargumente bewegen sie, allen voran die Existenzängste der Mitarbeiter. Beim geplanten Beitritt der KAEV-Gebiete zu den nördlichen und südlichen Nachbarn sollen die bestehenden Beschäftigungsverhältnisse zwar "unter Wahrung des arbeitsrechtlichen Besitzstandes fortgesetzt" werden, geht aus den aktuellen Informationen hervor. Doch was, wenn diese Beschäftigungsgarantien nur ein Jahr lang Bestand haben, fragt sich Andreas Groß. Dazu kommt, dass mehr als die Hälfte der Mitarbeiter des KAEV Niederlausitz über 50 Jahre alt sind. Was ist, wenn sie ihren Job nur dann behalten, wenn sie künftig von Lübben nach Ludwigsfelde pendeln? "Davor haben die meisten Beschäftigten Angst", sagt Groß. Und nach 20 Jahren beim KAEV sei es nicht ganz einfach, einen neuen Job zu finden.

Zweites großes Argument ist die anstehende Kreisgebietsreform. Im Sinne der Einwohner warnt Roswitha Jurrack davor, mehrmals an die Entsorgungsstrukturen heranzugehen, weil nach der Kreisreform vielleicht nachgebessert werden muss. "Wir wissen doch noch gar nicht, wie der Landkreis 2017 aussehen wird", sagt sie.

Dritter Punkt: Die Frage der Alternative. "Der KAEV ist ein wirtschaftlich gesunder Verband", argumentiert Andreas Groß. "Wir haben keine Kredite, brauchten keine Bürgschaften, sind ein solides Unternehmen. Es ist schwer zu verstehen, warum nicht auch kleine Verbände eine Daseinsberechtigung haben sollten."

Genau an diesem Punkt scheiden sich die Geister vermutlich am meisten. Hauptargument für die Beitritte zu den nördlichen und südlichen Nachbarn ist, dass diese deutlich größer sind. Damit wird aus Sicht der Befürworter der Idee langfristig eine Stabilität, vielleicht sogar eine Senkung der Gebühren erreicht. Die Dahme-Spreewälder dürfen sich auf einheitliche Gebühren einstellen - bisher zahlen die Einwohner von Süd-Dahme-Spreewald mehr als die im nördlichen Teil, die zum SBAZV gehören. Dort blieb auch der 14-tägige Entsorgungsrhythmus für die Gelbe Tonne erhalten. Der Trend, dass die KAEV-Nutzer mehr bezahlen als die Einwohner im Gebiet der größeren Nachbarverbände, wird sich aus der Sicht der Befürworter eher verstärken.

Im Kreistag zeigte sich Carl-Heinz Klinkmüller (CDU) als zuständiger Dezernent jetzt schon überzeugt von den Plänen. Zugesagt wurde, die KAEV-Mitarbeiter in der Entwicklung und bei den einzelnen Schritten mitzunehmen. Dafür sind Roswitha Jurrack und Andreas Groß dankbar und wollen die Möglichkeiten nutzen.

"Der KAEV besteht 2016 seit genau 25 Jahren", sagt Roswitha Jurrack. "Da hängt für viele Mitarbeiter eine Menge Herzblut dran."

Zum Thema:
Als nächster Schritt steht die politische Willensbildung in den zuständigen Gremien an. Auch dabei wollen die KAEV-Mitarbeiter auf sich aufmerksam machen. 36 Männer und Frauen organisieren die Abfallentsorgung im KAEV-Gebiet. Dazu gehören auch die drei Abfallannahmestellen in Lübben/Ratsvorwerk, Luckau/Wittmannsdorf und Vetschau/Göritz. Sie sollen erhalten bleiben. Der KAEV entsorgt für 85 000 Einwohner, der SBAZV für 273 000 und der AEV für 185 000 Menschen den Abfall.