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Syrischer Comedian und You Tube-Star Firas Alshater
Angst und Hass mit Humor begegnen

Unterhaltsam brachte Firas Alshater (r.)  in der Luckauer Kulturkirche deutsche und syrische Befindlichkeiten nahe, auch anhand der Fragen von Susanne Herms vom Verein "Mensch Luckau" .
Unterhaltsam brachte Firas Alshater (r.) in der Luckauer Kulturkirche deutsche und syrische Befindlichkeiten nahe, auch anhand der Fragen von Susanne Herms vom Verein "Mensch Luckau" . FOTO: Birgit Keilbach / Keilbach Birgit
Luckau. Firas Alshater bringt Deutsche und Syrer gleichermaßen zum Lachen. Tausende auf seinem You Tube-Kanal „Zukar“, was übersetzt „Zucker“ bedeutet; am Freitagabend in der Luckauer Kulturkirche. Von Birgit Keilbach

Unter den rund 90 Zuhörern sitzen auch viele geflüchtete Syrer. Eingeladen hatte der Verein „Mensch Luckau“. Mit Ausschnitten aus seinen Videos und seinem Buch bringt der syrische Filmemacher, Comedian und Autor in knapp zwei Stunden nahe, was er selbst erlebt hat – einst blühende und heute zerbombte Städte in seinem Heimatland, Gefängnis und Folter in Syrien. „Ich erzähle im Buch meine eigene Geschichte und die vieler Menschen, die Syrien verlassen, aber ich wollte keine tragische Geschichte schreiben, sondern eher etwas Schwarzhumoriges“, sagt Firas Alshater. Er habe in Syrien immer Angst gehabt, dass er verhaftet wird, wenn er seine Meinung sagt. „In Deutschland kann man das, ohne dass man verhaftet wird“. Wenn die Demokratie mit Meinungsfreiheit und freien Wahlen auch in Syrien Einzug gehalten habe, dann werde er dorthin zurückkehren, antwortet er auf die Frage eines Landsmannes.

Doch bis dahin wird noch viel Zeit vergehen. „Ich will einfach mein Leben weiterleben“, sagt Firas Alshater. So geht er der Frage nach, wer die Deutschen sind, beleuchtet augenzwinkernd verschiedenste deutsche Selbstverständlichkeiten, die für einen Neuankömmling völlig ungewöhnlich sind. Beispielsweise Post. „In Syrien gibt es keine Post.“ Sein erster Brief enthielt die Steuernummer. Auch so etwas gebe es in seiner Heimat nicht. Er geht auch der Frage nach, wo die AfD die meisten Stimmen geholt hat und warum. Die Antwort: „Sie haben Angst vor Flüchtlingen.“ Ein Video dazu hat er bereits gedreht, um Berührungsängste zu überwinden. Und das wörtlich. Er lässt die Menschen einem Kleinkind die Hand geben, im nächsten Schritt sich selbst umarmen. „Wenn ich Hass mit Humor bekämpfe, kriege ich wenigstens ein Lächeln“, begründet er seine Herangehensweise. Oder fröhliches Lachen, wie am Freitagabend in der Kulturkirche.