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Angst in der Bahnhofstraße

Golßen. Hört sich gut an: Weniger Fahrzeugverkehr und damit weniger Lärm und andere Beeinträchtigungen. Genau das passiert schon jetzt auf der Bahnhofstraße in Golßen Hintergrund ist, dass die Landesstraße L 711 zwischen Golßen und Altgolßen wegen der Schließung des Bahnübergangs für den Kraftfahrzeugverkehr eine neue Trassenführung hat. Andreas Staindl

Und doch haben Anwohner Angst. Sie befürchten, finanziell beteiligt zu werden, wenn die Straße saniert werden muss. Nicht jetzt, aber in einigen Jahren. Wann genau das ist, hängt auch vom Umfang und der Qualität der Bauarbeiten ab, die der Landesbetrieb Straßenwesen in Auftrag geben will. Erste Gespräche des Landesbetriebs mit Golßens Bürgermeister Hartmut Laubisch (SPD) befeuern die Befürchtungen. Wilfried Franke wollte deshalb wissen: "Sanieren? Teilsanieren. Oder im jetzigen Zustand übernehmen? Was ist mit der Bahnhofstraße geplant?" Die Straße soll laut Bürgermeister Laubisch in drei Varianten auf drei Abschnitten saniert werden. Das Land will die Kosten möglichst niedrig halten und habe einige Abschnitte der Straße als weniger schlecht eingestuft als andere Bereiche.

"Aber nur, weil die größten Löcher zuvor notdürftig zugemacht wurden", sagt Hartmut Quiel. "Das ist Betrug, einfach nur traurig." Der Anwohner machte seinem Ärger darüber während der Stadtverordnetenversammlung kürzlich Luft. Anwohner Thomas Kuntze ist generell "dagegen, dass die Straße in drei unterschiedlichen Varianten saniert wird". Er wünscht sich, "dass die Stadtverordneten so entscheiden, als würden sie in der Bahnhofstraße wohnen". Die Stadtväter haben tatsächlich ein Mitspracherecht, wie der Bürgermeister sagt. "Doch an der Übernahme der Landesstraße in kommunalen Besitz können wir nichts ändern."

Diese Übernahme folgt der Sanierung an, die im Sommer 2018 ansteht. Die Bahnhofstraße hat ihre überregionale Bedeutung verloren, bleibt aber Haupterschließungsstraße, wie Hartmut Laubisch sagt. Als reine Anliegerstraße, die sie nicht werden soll, würden ihm zufolge die Anwohner mit bis zu 90 Prozent an einer späteren Komplettsanierung beteiligt.

Damit diese so spät wie möglich erforderlich ist, drängt auch die Stadt Golßen auf eine vollständige Sanierung durch den Landesbetrieb. Spätestens im November dieses Jahres sollen die Stadtverordneten das weitere Vorgehen beschließen. Hartmut Quiel befürchtet, "dass das Projekt längst vorangetrieben wird. Es wurden ja schon Markierungen auf der Bahnhofstraße angebracht." Er wünscht sich zudem eine Tonnagebegrenzung, damit Lkw künftig nicht mehr die Bahnhofstraße nutzen. Sein Argument: "Ohne Lkw-Verkehr würde die Straße länger halten." Wie Hartmut Laubisch sagt, kann die Stadt eine Tonnagebegrenzung für ihre kommunalen Straßen festlegen. Noch ist das Land Brandenburg Baulastträger der Bahnhofstraße in Golßen. Die Diskussion über die Zukunft der Trasse jedoch ist längst eröffnet.