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| 02:55 Uhr

Amt Golßener Land: Abschied im doppelten Sinn

Nach 20 bewegenden und fordernden Amtsjahren blickt Ursula Schadow auf einen Ruhestand mit Freiräumen und freudvollen Aufgaben.
Nach 20 bewegenden und fordernden Amtsjahren blickt Ursula Schadow auf einen Ruhestand mit Freiräumen und freudvollen Aufgaben. FOTO: Birgit Keilbach/bkh1
Golßen. 20 Jahre lang hat Ursula Schadow (CDU) die Geschicke des Amtes Golßener Land geleitet. Voller Dankbarkeit und ohne Wehmut blickt sie auf eine bewegende Zeit voller Herausforderungen zurück. Auch die letzte ist erfolgreich gemeistert: Ab Januar gehören alle Kommunen des Golßener Landes zum neuen Amt Unterspreewald. Birgit Keilbach / bkh1

"Ich hatte in den 20 Jahren ein tolles Team an meiner Seite. Deshalb sage ich allen ein großes Dankeschön, den Mitarbeitern in der Verwaltung, den Ehrenamtlern in den Gemeinden und vor allem meiner Familie", sagt Ursula Schadow. Ohne deren Rückhalt wäre manches für sie nicht möglich gewesen. Neben ihrer besten Freundin Carola Hartfelder habe ihr auch ihre Mutter Kraft zugesprochen, als es darum ging, ihren beruflichen Weg nochmals zu ändern.

Damals hatte sie gerade ein Fernstudium als Lehrerin für politische Bildung am Gymnasium aufgenommen, "und mein Kind kam in die Schule. Da war die Entscheidung nicht leicht." Erst am letzten Tag der Frist habe sie ihre Bewerbung für das Amt abgegeben. Am 26. Oktober 1992 wurde sie dann zur Amtsdirektorin für das Amt Golßener Land berufen. Rückblickend sagt sie heute: "Ich habe die Entscheidung nie bereut."

Die Anfangsjahre kosteten besonders viel Kraft. Das neu gebildete Amt musste erst einmal "laufen lernen". In der Verwaltung waren alle gefordert, sich mit den neuen Gesetzen und Vorschriften zu befassen und mussten erneut die Schulbank drücken. Berater aus dem Partnerkreis Meschede in Nordrhein-Westfalen waren da willkommen. "Von ihrer Erfahrung haben wir sehr profitiert", so Ursula Schadow. Auch die ehrenamtlichen Kommunalvertreter in den Gemeinden und die Bürger mussten in diesen Prozess eingebunden werden. Als schwierig erwies es sich beispielsweise, ihnen zu vermitteln, wie ein kommunaler Haushalt funktioniert und warum für Straßenbau und andere Vorhaben plötzlich die Bürger zur Kasse gebeten wurden. Neue Strukturen entstanden. Der Landkreis Dahme-Spreewald wurde gegründet, ebenso der Trink- und Abwasserzweckverband (TAZV) Luckau, die Stadt- und Überlandwerke Luckau-Lübbenau. "Es war nie langweilig, denn es gab ständig Veränderungen", resümiert die scheidende Amtsdirektorin.

Einige hatte sie sich selbst auf eine Liste von Zielen gesetzt:

Straßen ausbauen, bessere Bedingungen in den Kitas schaffen und mit Fördermitteln Dinge voran bringen, die der Allgemeinheit nützen. Arbeitsplätze für die Menschen zählten dazu. Rund 250 sind im Gewerbegebiet am Klinkenberg entstanden. Rund fünf Prozent Arbeitslosigkeit hat das Gebiet des Amtes heute. Dafür gelte auch den Unternehmen Dank, die sich für einen Standort im Amtsgebiet entschieden, sagt Ursula Schadow.

Manches treibt sie noch um, wie die nach 22 Jahren deutscher Einheit noch immer nicht geklärte Situation für Grundstücke, auf denen Restitutionsansprüche der Familie zu Solms liegen. Auch der hoch verschuldete TAZV "hat mir viele schlaflose Nächte bereitet", gesteht die Amtsdirektorin. Sie hoffe, dass in fünf bis sieben Jahren die Probleme überwunden sind. Mit dem neuen Amt Unterspreewald sieht sie die Kommunalverwaltung für die Zukunft gut aufgestellt.

Für ihren Ruhestand hat sie schon Pläne - aber auch eine klare Intention: "Ich werde ehrenamtlich nur das tun, was mir Freude macht." Mitwirkung bei den Lesepatenschaften der Senioren für die Grundschulkinder in Golßen gehören dazu und Kochkurse für junge Leute. Ein Englischkurs steht auf der eigenen Lern-Agenda. Vor allem aber Zeit für die Familie und ein gutes Buch. "Ja, und einfach mal mit meinem Mann spontan verreisen", darauf freut sich die künftig ohne Termindruck und Verpflichtungen lebende Ursula Schadow.