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| 18:14 Uhr

Amt Dahme: Feuerwehren mit größtem Einsatzgebiet in Brandenburg
Munition im Wald bringt Wehren an ihre Grenzen

 Thomas Niendorf(l.)  aus Niebendorf-Heinsdorf erhält von Amtsdirektor David kaluza die Ernnenungsurkunde zum Zweiten Stellvertreter des Amtswehrführers. Er folgt Nico Richter aus Dahme nach, der die Funktion aus beruflichen Gründen aufgegeben hatte.
Thomas Niendorf(l.)  aus Niebendorf-Heinsdorf erhält von Amtsdirektor David kaluza die Ernnenungsurkunde zum Zweiten Stellvertreter des Amtswehrführers. Er folgt Nico Richter aus Dahme nach, der die Funktion aus beruflichen Gründen aufgegeben hatte. FOTO: LR / Carmen Berg
Amt Dahme: Munition im Wald bringt Wehren an ihre Grenzen. In diesem Jahr insgesamt bereits mehr als 100 Einsätze im Amt Dahme. Die Risiken werden weiter steigen.

Bereits 104-mal sind die Feuerwehren des Amtes Dahme in diesem Jahr ausgerückt. Ihr Einsatzgebiet ist das größte Amt in Brandenburg – eine Herausforderung für die 650 Aktiven in 25 Ortswehren, so der stellvertretende Amtswehrführer Nico Rudolph vor dem Amtsausschuss. Mit 73 Einsätzen hatte die technische Hilfeleistung den Löwenanteil gegenüber 31 Bränden. Doch seien vor allem bei Waldbränden viele Kameraden über einen langen Zeitraum im Einsatz so wie erst jüngst beim Waldbrand bei Altsorgefeld, sagte Nico Rudolph.

Amtswehrführer Karsten Schmidt ließ diesen Härtetest für Menschen und Material noch einmal Revue passieren und würdigte das Zusammenspiel von Feuerwehren aus dem Amt Dahme und Nachbarregionen, Hubschrauberbesatzungen, Landwirten, die mit Löschwasser halfen sowie dem DRK und Privatleuten, die für die Verpflegung sorgten.

Dass sich das Brandgebiet auf Munitions- und von chemischen Kampfstoffen belasteten  Verdachtsflächen befand, machte den Einsatz schwierig. Bei der Munition habe sich der Verdacht bestätigt. „In den vier Tagen, in denen wir vor Ort waren, wurden 14 Detonationen gezählt“, so Karsten Schmidt. Gelöscht werden konnte deshalb nur von außen sowie aus der Luft. Ob die Munition Brandauslöser war, sei spekulativ, sagte er auf Nachfrage des Rosenthaler Ortsvorstehers André Weigt. Wohl aber geht Karsten Schmidt davon aus, dass es sicherlich weitere Brände auf Militär­flächen geben wird. „Die Munition drückt über die Jahre nach oben“, so der Amtswehrführer.

Für Amtsdirektor David Kaluza ist es das größte Problem, „dass niemand hundertprozentig weiß, wo was im Boden liegt. Es gebe zwar alte Unterlagen aus der NS-Zeit, aber aus späterer Zeit kaum. Deshalb sei jeder Hinweis Ortskundiger aus den Dörfern wichtig.

Kein Verständnis habe er für die Entscheidung des Jüterboger Bürgermeisters, beim großen Waldbrand in Treuenbrietzen den eigenen Rettungskräften ein Betretungsverbot auszusprechen, während andere – so auch die Dahmenser – dort löschten. In Dahme werde bei solchen Entscheidungen der Einsatzleitung vor Ort vertraut, erklärte der Amtsdirektor.

Ob es möglich sei, die Munitionsberäumung zu forcieren, wollte André Weigt wissen. David Kaluza ist skeptisch. Er sieht Bund und Land in der Pflicht. Die Beräumung sei ein gesamtdeutsches Thema. „Gemacht werden muss es. Die Frage ist: Wer stemmt das finanziell.“ Eingang findet die Problematik jedoch in der Risiko-Gefahrenbedarfsanalyse für das Amt, die gegenwärtig überarbeitet wird, ergänzte Karsten Schmidt.

Wertschätzung für die ehrenamtlichen Einsatzkräfte soll ein neues Landesgesetz mit sperrigem Namen zum Ausdruck bringen,  das Verwaltungsmitarbeiter André Jurk kurz als Retter-Prämie zusammenfasst. Zum Beispiel werden bei langjähriger aktiver Arbeit in den Wehren 500 Euro Prämie zu Jubiläen gezahlt. Zudem gibt es bei 40 Stunden ehrenamtlicher aktiver Dienstzeit jährlich einen Zuschuss von 200 Euro zum Aufwandsersatz. David Kaluza kritisierte den hohen bürokratischen Aufwand bei der Nachweisführung. Außerdem dauere die Bearbeitung lange, denn es seien brandenburgweit nur vier Mitarbeiter dafür zuständig, sagte er. „Ob die 200 Euro Personalzuwachs für die Wehren bringen, bleibt abzuwarten“, so André Jurk.