| 02:46 Uhr

Als Uhrmacher im Takt der Zeit

Werner Hennig hat ein Faible für antike Uhren, Sohn Mario kennt sich neben Zeitmessern auch mit besonderen Eheringen aus.
Werner Hennig hat ein Faible für antike Uhren, Sohn Mario kennt sich neben Zeitmessern auch mit besonderen Eheringen aus. FOTO: be
Luckau. Wie aus Martin Luther, dem Sohn eines Mansfelder Bergwerksbesitzers, der große Reformator wurde, ist am Montag in Luckau zu erleben. In Spielszenen in der Altstadt blicken Luther und Weggefährten auf die Anfänge zurück. Carmen Berg

Senior Werner Hennig (78) weiß, er hatte Glück. Denn manch etabliertes Geschäft in der Altstadt musste mangels Nachfolger aufgeben. "Ich bin dankbar, dass mein Sohn in den Betrieb eingestiegen ist", sagt er. So finden mehr als 100 Jahre Tradition ihre Fortsetzung, die mit Gustav Hennig 1903 in Berlin-Tegel begann. Dessen Sohn Walter wurde ebenfalls Uhrmachermeister und ließ sich 1933 in Dahme nieder, als dort ein Geschäft frei wurde. In der Flämingstadt erblickte Werner Hennig 1938 das Licht der Welt, hineingeboren in ungewisse Zeiten.

Werner Hennigs Vater musste als junger Meister in den Krieg ziehen und im Geschäft später wieder von vorn beginnen. "Damals stand keinem der Sinn nach Uhren oder Schmuck", erinnert sich sein Sohn, der in der Jugend gern Musiker geworden wäre. Die Uhren waren eine Liebe auf den zweiten Blick, gibt er zu. Doch Werner Hennig blieb der Familientradition treu. 1952 begann er seine Lehre an einer renommierten Uhrmacherschule in Berlin. "Neue Uhren gab es kaum, alles wurde repariert", erzählt er. Die Mangelwirtschaft hatte auch ihre gute Seite. "Ich habe das Handwerk noch richtig gelernt", so der Senior. Mit dem Meisterbrief in der Tasche übernahm er 1963 die Werkstatt mit Laden von Alfred Jander am Luckauer Markt. "Das war ein guter Uhrmacher, und Janders hatten keine Kinder. Sie haben mich wie einen Sohn aufgenommen", blickt er zurück.

Je kniffliger die Aufgabe, desto mehr mag es Werner Hennig. Noch mit 78 Jahren ist er täglich in der Werkstatt. Nicht nur die Zeitmesser seiner Kundschaft, auch manche Turmuhr in der Region hat er über die Jahre auf Vordermann gebracht. Antike Uhren sind bis heute seine Leidenschaft.

Krabbelbox in der Werkstatt

Mario Hennig, geboren 1970, wuchs in diesen Alltag aus Fleiß und Präzision hinein. "Ich hatte meine Krabbelbox neben Vaters Werkstisch", schmunzelt er. Zu DDR-Zeiten arbeiteten bis zu vier Leute in Hennigs Werkstatt, die dennoch wegen der enormen Nachfrage mit dem Reparieren kaum nachkamen. Mario Hennig ging nach dem Schulabschluss beim Vater in die Lehre und beendete sie im Februar 1989. Wenige Monate arbeitete er im elterlichen Unternehmen, dann kam die Wende. "Ich habe das als Chance gesehen, denn ich war ja ohnehin noch im Lernprozess", sagt er.

So ging der junge Uhrmacher in die alten Bundesländer nach Krefeld. Der Obermeister der Innung Nordrhein-Westfalen nahm ihn unter seine Fittiche. Ein Jahr wollte er bleiben, daraus wurden sechs. Er machte seinen Meister und bildete sich anschließend bei einem Familienunternehmen in der Schweiz weiter, das Grundwerke für hochwertige Markenuhren herstellt. 2001 übernahm er den elterlichen Betrieb. Sein Fach beherrschen und zugleich im Takt der Zeit mitgehen - so beschreibt er das Erfolgsrezept des Familienunternehmens.

Hier verlagerte sich nach der Wende der Schwerpunkt vom Handwerk immer mehr zum Handel mit dazugehörigem Serviceteil. "Die Leute wollten Neues kaufen. Jeder hatte Nachholebedarf", sagt Mario Hennig. Es sei eine Phase der Schnelllebigkeit gewesen, doch inzwischen gehe der Trend wieder zu Qualität und Markenbewusstsein, stellt er fest.

Seit 2006 setzt Mario Hennig vorrangig auf edlen Echtschmuck von Pandora. Zwei Mal wurden Hennigs hier schon als Geschäft mit dem höchsten Pro-Kopf-Umsatz in Deutschland ausgezeichnet.

Eine weitere Spezialität bei Hennigs in Luckau sind Eheringe. Neben einem umfangreichen Standardsortiment werden Paare fündig, die für ihren großen Tag das ganz Besondere suchen. Platin, Palladium, handgewickeltes Carbon ersetzen zunehmend Gold und Silber. Eingraviert werden nicht nur das Hochzeitsdatum, die Namen, sondern auch Schatzis Fingerabdruck oder die EKG-Kurven der Partner, wie unlängst gewünscht für eine Eheschließung unter dem Thema "zwei Herzen, ein Takt."

Für die Präzisionsarbeiten hat Mario Hennig hochwertige Technik angeschafft. Seinen Kundenkreis hat er weit über Luckau hinaus bis nach Berlin, Dresden oder Frankfurt.

Beratung bleibt wichtig

Am Computer können die Kunden ihren Ring selbst kreieren. Doch Online-Händler im üblichen Sinne will Mario Hennig nicht sein. "Wer für Hochwertiges Geld ausgibt, soll sich gut beraten fühlen", sagt er. Für solche Gespräche nimmt er sich viel Zeit. Handwerkskunst sei aber auch bei den Uhren wieder stärker gefragt, ein Hamburger beispielsweise schicke seine mechanische Markenuhr regelmäßig zur Wartung nach Luckau, erzählt der Geschäftsmann.

So hat er die Brücke geschlagen zwischen Tradition und Moderne. Sein Vater Werner sagt: "Als älterer Mensch hätte ich für manche Entscheidung nicht mehr den Mut gehabt. Deshalb macht es mich froh, das zu sehen."

Mehr zum Einzelhandel

in der Region, Interviews, Studien und Grafiken: www.lr-online.de/

ichkauferegional

Reden Sie mit!

Leserbriefe@lr-online.de

Facebook-Gruppe

"Ich kaufe regional - in der Lausitz, Elbe-Elster und Seenland".

Telefon: 0355 - 481555