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| 01:02 Uhr

„Als Rentner nur vor der Glotze – man würde verrückt“

Schöna.. „Schaut doch mal bei Siegfried Zenker vorbei. Er gehört zu den ganz Aktiven im Dorf und engagiert sich in vielen Vereinen“ , erreichte die RUNDSCHAU-Redaktion ein Leservorschlag von Roland Seitz. Bei Zenkers zeugten viele Blumengrüße und Präsente noch von der großen Gratulantenschar jüngst zum 70. Geburtstag des Hausherrn. Foto: Foto-ZahnVon Carmen Berg

Jagdterrier Arco, ein Blaublüter mit Stammbaum, begrüßt jeden, der den Klingelknopf des Bauernhauses drückt. Früher habe es den Dorfladen beherbergt, erzählt Siegfried Zenker. Mit seinen geschickten Händen hat der Maurer daraus ein warmes, behagliches Zuhause gemacht. Weder seine Wiege noch die seiner Frau Rosemarie (65) hat in Schöna gestanden. Beide verschlug es nach dem Krieg mit den Eltern ins Dorf. Hier fanden sie sich, zogen ihre Kinder Kerstin und Uwe groß, gingen ihrer Arbeit nach: Er auf dem Bau, sie 30 Jahre lang als Erzieherin im Dorfkindergarten.

Liebe zur Natur
Zu tun gab es also genug, dennoch haben sich beide immer schon über den eigenen Gartenzaun hinaus gekümmert. Zu Siegfried Zenkers Hobbys gehören die Jagd und die Musik. Er sei mehr Heger als Jäger und keiner, der „den Finger gleich am Abzug hat“ , sagt seine Frau. Wenn Zeit sei, dann begleite sie ihn, denn sie liebe wie ihr Mann die Stille und die Natur.
Als 18-Jähriger wurde Siegfried Zenker Feuerwehrmann. „Heute bin ich Ehrenmitglied, wir haben viele tüchtige junge Leute, die im aktiven Dienst nachgerückt sind“ , freut sich der Senior. Im Spielmannszug der Feuerwehr spielte er die Querflöte. Als sich das Orchester auflöste, entstand Mitte der 60er-Jahre im Dorf ein Fanfarenzug. Siegfried Zenker hatte Jahrzehnte lang die Leitung. Die gab er inzwischen in jüngere Hände, aber das Spielen macht ihm noch immer Freude. „Ich bin jetzt der einzige, der noch von der Gründung an dabei ist“ , erzählt er. Für Auftritte bei den Dorffesten und Fackelzügen im gesamten Umland wird einmal wöchentlich fleißig geübt.
Den Jägerfreunden blieb das musikalische Talent ihres Mitstreiters nicht lange verborgen. Sie wünschten sich eine Jagdhorn-Bläsergruppe. 1977 war es so weit. Siegfried Zenker scharte einige Musiker aus dem Fanfarenzug um sich. „Wir hatten ja Leute, die schon Blasinstrumente beherrschten, da war die Umstellung nicht so schwer“ , erinnert er sich. Mit seinen Bläsern sorgt er zu den Schönaer Christkindl-Märkten für festliche Stimmung, und sie geben den Ton an, wenn der Schützenkönig nach alter Tradition von zu Hause abgeholt wird.
Als sich der Schützenverein nach der Wende wieder neu gründete, war Siegfried Zenker mit von der Partie. Zu seinem 70. ist er Ehrenmitglied geworden. Schützenkönig war er bisher nicht, aber das komme sicher noch, schmunzelt er. Immerhin hat er mit den Jagdhorn-Bläsern Sohn Uwe schon das Königs-Geleit geben können. „Ihr seid mehr unterwegs als zu Hause“ , stellt Uwe über seine Eltern fest.

Mit Herz für die Senioren
Mutter Rosemarie singt im Frauenchor von Schöna-Kolpien/Körba, mit dem sie heute bei der Grünen Woche einen Auftritt hat. Und sie gestaltet im Dorfclub die vielen Feste und Höhepunkte mit. Besonders am Herzen liegt ihr die Seniorenarbeit. Auch bei den reiferen Jahrgängen ist in Schöna-Kolpien eine Menge los. Fastnacht, Frühlingsfest, Winzerfest, Weihnachtsfeier, Ausflüge und Zusammenkünfte stehen im Kalender. Im Winter trifft sich Rosemarie Zenker noch mit Nachbarinnen in der Spinnte. „Viele Frauen sind allein. Sie freuen sich, aus ihren vier Wänden zu kommen“ , weiß die Organisatorin. Als einziges Mitglied aus den Landgemeinden arbeitet sie zudem im Seniorenbeirat des Amtes Dahme mit.
Man müsse in Bewegung bleiben, sind sich beide Zenkers einig. So geht Vater Zenker jeden Tag eine gute Stunde mit seinem Arco durch Wald und Flur, Mutter Zenker fährt einmal wöchentlich mit anderen Frauen nach Dahme ins Bewegungsbad. „Und dann haben wir noch unseren Garten“ , erzählen die Eheleute. „Als Rentner nur vor der Glotze - man würde verrückt“ , sind sie sich einig.

In Schöna „nichts Besonderes“
Die Zenkers sehen sich durchaus nicht als etwas Besonderes an. „In Schöna-Kolpien gibt es viele Leute, die etwas machen. Welches Dorf hat so viele Vereine wie wir?“ , sagt Siegfried Zenker. Auch die Jugend stehe da nicht abseits. „Die Jugendlichen haben im vorigen Jahr das Dorffest organisiert und auch die letzte Silvesterfeier. Das ist doch toll“ , findet er. Rosemarie Zenker erzählt von den Christkindl-Märkten, die die Dorfleute jährlich mit „Mann und Maus“ auf die Beine stellen, um Gelder für die Sanierung der Kirche einzusammeln. „Da packt wirklich jeder zu.“
Oft würden sie gefragt, wie es komme, dass die Schöna-Kolpiener noch so eine intakte Gemeinschaft seien. Siegfried Zenker kann es sich nur so erklären: „Das kann eigentlich nur an den Menschen liegen...“