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| 15:46 Uhr

Geschichte erlebbar
Als Luckau „Hauptstadt der Niederlausitz“ war

 Vinzenz Czech vermittelte in seinem Vortrag zahlreiche interessante Details aus Luckaus Stadtgeschichte.
Vinzenz Czech vermittelte in seinem Vortrag zahlreiche interessante Details aus Luckaus Stadtgeschichte. FOTO: Birgit Keilbach
Luckau. Vortrag in der Kulturkirche bot detaillierte Einblicke in spannendes Kapitel der Stadtgeschichte.

Bis heute sind die Luckauer stolz darauf, dass ihr Städtchen mit dem gut erhaltenen historischen Kern einst eine „Hauptstadt der Niederlausitz“ war. Wie kam es dazu, und welche historischen Hintergründe belegen dies? Darüber gab Dr. Vinzenz Czech von der Universität Potsdam in der Kulturkirche in einem Vortrag Auskunft. Rund 50 Interessierte waren der Einladung des Luckauer Heimatvereins gefolgt und erfuhren zahlreiche Details über die Stadtgeschichte zwischen 1500 bis zum Beginn des Dreißigjährigen Krieges 1618.

So zählte Luckau zu Beginn des 16. Jahrhunderts wie Guben, Lübben und Calau zu jenen Städten, die dem Böhmischen König direkt unterstanden. Von Vladislav II. hatte die Stadt 1492 das königliche Recht erhalten „mit rotem Wachs zu siegeln“. Das bedeutete, dass die Stadt ihre Briefe und Schriftstücke mit einem rotem Siegel versehen durfte, wie Vinzenz Czech erläuterte.

Der böhmische König habe damit die besondere Stellung der Stadt hervorgehoben, indem er sie als Hauptstadt des Markgrafentums Niederlausitz bezeichnete. Allerdings war der Begriff Hauptstadt zu dieser Zeit als groß, bedeutend und wichtig gemeint, nicht im Sinne eines administrativen Zentrums. „Luckau war kein Herrschaftsmittelpunkt, aber ohne Zweifel eine bedeutende Stadt.“

Was also machte Luckau so bedeutsam? Die Geschicke der Stadt lenkte ein zwölfköpfiger Stadtrat, der jährlich neu gewählt wurde. Allerdings besetzten diese Posten ausschließlich Mitglieder von Ratsfamilien. „Das war eine relativ kleine Elite städtischer Familien, die das Recht hatten, in den Rat gewählt zu werden“, ordnete Vinzenz Czech ein. Ablesbar sei das an den Namen der Bürgermeister, die wiederholt in den Schriftstücken auftauchen. Es gab eine Art Rotation unter den berechtigten Familien.

Des Weiteren hatte Luckau die vollständige Gerichtshoheit über ihre Einwohner, ein Ausdruck von Souveränität. „Vorher gab es ein allgemeines Richteramt, das über Generationen in den gleichen Familien vererbt wurde.“ Allerdings war dann der Stadtrat alleiniger Gerichtsherr, mit dem schon beschriebenen begrenzten Kreis. Die Richter wurden aus dessen Mitte gewählt, und ihnen zur Seite standen sechs Schöffen. Dieses Gremium hatte im 16. Jahrhundert eine Bedeutung über Luckau hinaus erlangt. „Viele andere Städte der Niederlausitz wandten sich ans Luckauer Schöffengremium mit der Bitte um Einschätzung bestimmter rechtlicher Sachverhalte.“ Die Qualität der Rechtssprechung in Luckau sei offenbar sehr anerkannt gewesen. Einen Gerichtshof habe es in Luckau allerdings nicht gegeben, die Schöffen gaben nur Rat, sprachen keine Urteile. Die Bedeutung Luckaus erwuchs zudem aus der Wirtschaftskraft zur damaligen Zeit. Luckau hatte einige Rechte und Privilegien. „Das Niederlassungsrecht bedeutete, dass Kaufleute auf der Durchreise in Luckau anhalten und ihre Waren hier anbieten mussten.“ Auch einen Konkurrenzausschluss gab es damals schon. Denn innerhalb eines bestimmten Umkreises durften sich keine Handwerker ansiedeln, und es durfte auch kein fremdes Bier gebraut werden. Darüber hinaus fanden mehrmals jährlich Jahrmärkte in der Stadt statt.

Bäcker, Fleischer, Tuchmacher und Schuhmacher stellten die vier Hauptgewerke in der Stadt dar. Aber auch Töpfer waren hier außerhalb der Stadtmauern angesiedelt, noch heute am Zusatz Töpferende zur Sandoer Vorstadt erkennbar.

Nachweisbar wuchsen die Stadtfinanzen während des 16. Jahrhunderts kontinuierlich. Wer hierherkam, musste das Geleitrecht bezahlen, Gäste ein Städtegeld entrichten, Wiegegebühren wurden beim Kornverkauf erhoben. Eine gute Einnahmesituation bescherte der Stadt auch die hohe Zahl an Ratsdörfern. 19 Dörfer in der Umgebung unterstanden der Stadt direkt. Von ihnen wurden Abgaben erhoben, was den Stadtfinanzen direkt sowie indirekt zugutekam, denn über das städtische Kornamt wurde Getreide aus den Dörfern verkauft.

„Vor Beginn des Dreißigjährigen Krieges hatte Luckau eine konsolidierte feste Stellung, begünstigt durch eine leichte Zunahme der Einwohner und auch eine lange Friedensperiode“, resümierte Vinzenz Czech.