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| 15:42 Uhr

Zeitzeugen
Als Leibwächter an Honeckers Seite

Bernd Brückner plaudert in der Schlossruine aus seiner Zeit als Leibwächter des ersten Mannes im Staate. 13 Jahre war er an Honeckers Seite.
Bernd Brückner plaudert in der Schlossruine aus seiner Zeit als Leibwächter des ersten Mannes im Staate. 13 Jahre war er an Honeckers Seite. FOTO: LR / Carmen Berg
Dahme. Bernd Brückner erzählt in Dahme vor vollem Haus aus 13 Jahren mit dem Ersten Mann der DDR. Von Carme Berg

Als Schulkind hat der Leipziger Gerrit Crummenerl zu DDR-Zeiten oft an der Straße stehen und winken müssen, wenn die Partei- und Staatsführung unterwegs zur Messe war. „Schon damals war ich von den Fahrzeugen fasziniert, vor allem vom Citroen, in dem Honecker saß“, erinnert er sich. Zur Jahrtausendwende bot sich dem Oldtimerfan und einigen Freunden Gelegenheit, Karossen aus Honeckers Fuhrpark zu erwerben. Drei davon, neben zwei Volvos auch den Citroen, haben sie am Sonntag vor der Dahmer Schlossruine geparkt.  Interessiert kommen Besucher des Antik- und Trödelmarktes  herüber, der am Denkmaltag auf dem Areal Tradition hat. Wer mag, darf auch mal Probe sitzen. Keine Frage: die Autos wecken Neugier auf mehr aus dem inneren Führungszirkel der früheren DDR.

Die Bänke in der Schlossruine sind voll besetzt, als Bernd Brückner aus seiner Zeit mit Honecker erzählt. 13 Jahre bis zur Wende war er Leibwächter des ersten Mannes im Staate, begleitete ihn auf Dienstreisen in rund 40 Länder der Erde, stieg aufs Fahrrad, wenn Honecker eine Radtour machte, zog sich die Badehose an, wenn sein Dienstherrr im Meer schwamm. Kein Job wie jeder andere, aber einer, wie es ihn in jedem Land gibt. Über sein Leben „An Honeckers Seite“ hat Bernd Brückner 2014 ein Buch geschrieben. Sein bebilderter Vortrag in Dahme greift einige Begebenheiten daraus auf, angereichert mit Neuem. Zudem ermuntert er die Zuhörer, zu fragen, was sie wissen möchten. Die machen erst zögerlich, dann mutiger davon Gebrauch.

Durchs Schlüsselloch seiner Schutzpersonen lässt der ehemalige Leibwächter die Zuhörer nicht schauen. Brückner hält sich an die in seinem Job gebotene Diskretion. Dennoch werden nach der Veranstaltung viele Besucher wie Gabi und Joachim Rose sagen: „Es war interessant, und einiges war dabei, was wir so nicht erwartet hätten.“

Insbesondere die als herzlos wahrgenommene Margot Honecker regt offenbar die Phantasie an. Es stimme nicht, dass sie zum Friseur nach Westberlin gegangen sei, sagt der Personenschützer. Im Gegenteil sei  sie diejenige gewesen, die das Ladenkombinat in Wandlitz mit Westwaren für Ostgeld abgelehnt habe und eines nie sein wollte: First Lady. Wohl deshalb konnte sie nicht gut mit der charmanten und glamourösen Raissa Gorbatschowa.

Viele Bilder hat Bernd Brückner von Auslandsreisen mit seinem Chef mitgebracht, wo das Personal Wiener Würstchen aß, während es sich die Herren bei Banketten gut gehen ließen.  Und er vermittelt Eindrücke von der anspruchsvollen Ausbildung der Personenschützer, sei es an der Waffe, im Fahren oder fürs Eingreifen bei gesundheitlichen Notfällen.

Letzteres Training hatte gute Gründe. Durften doch die führenden Genossen nicht in normalen Ambulanzen, sondern nur im Regierungskrankenhaus behandelt werden. Einen Funktionär, der weitab auf seiner Datsche erkrankte, habe diese Weisung das Leben gekostet, erzählt Bernd Brückner.

Nach der Wende sei er beruflich nicht mehr gefragt gewesen, so beantwortet er eine Frage aus dem Publikum. „Ich hatte mich als Busfahrer beworben, doch es hieß, mit einem, der bei Honecker war, wollten die Kollegen nicht zusammen sein.“ Dabei seien viele von ihnen vorher selbst im Staats- und Parteiapparat tätig gewesen - auch das ist ein Streiflicht der Geschichte.

Der Leipziger Gerrit Crummenerl ist fasziniert von Oldtimern. Zu seinen Schätzen gehört der Citroen, in dem Honecker unterwegs war.
Der Leipziger Gerrit Crummenerl ist fasziniert von Oldtimern. Zu seinen Schätzen gehört der Citroen, in dem Honecker unterwegs war. FOTO: LR / Carmen Berg