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Albanische Pflegekräfte fürs DRK

Not macht bekanntlich erfinderisch: Ab dem kommenden Jahr könnten albanische Pflegekräfte die DRK-Mitarbeiter in Luckau unterstützen.
Not macht bekanntlich erfinderisch: Ab dem kommenden Jahr könnten albanische Pflegekräfte die DRK-Mitarbeiter in Luckau unterstützen. FOTO: Foto-Zahn
Luckau. Es klingt abenteuerlich: Vier Brandenburger DRK-Verbände lassen in Albanien Pflegefachkräfte ausbilden, um sie künftig unter anderem in Luckau, Lieberose und Baruth einzusetzen. Daniel Friedrich

Auf der Suche nach Fachkräften gehen Lausitzer Arbeitgeber mitunter ungewöhnliche Wege. Auf Rückkehrbörsen werden einstige Brandenburger zum Zurückkommen animiert, manche Firmen werben in Flüchtlingsunterkünften für ihre freien Arbeitsstellen. Der DRK-Kreisverband Fläming-Spreewald ist nun in Albanien nach Pflegefachkräften fündig geworden. 19 Bachelor-Absolventen aus dem Pflegebereich sollen im Frühjahr 2018 nach Brandenburg kommen und den Fachkräftebedarf zumindest punktuell stillen.

"In Albanien werden Pflegekräfte über Bedarf ausgebildet und finden aufgrund der Bevölkerungsstruktur oftmals keinen Job", berichtet Ailine Lehmann, die das Vorhaben für den DRK-Kreisverband Fläming-Spreewald begleitet. Zudem würden viele ältere Menschen von ihren Familien gepflegt. Freilich anders verhält es sich in Brandenburg. Laut einer Studie des Statistikamtes steigt die Zahl der pflegebedürftigen Brandenburger bis zum Jahr 2030 auf 162 000 (2015: 110 000). Unter stabilen Bedingungen prognostizieren die Statistiker für 2030 einen Pflegepersonalbedarf von 54 000 Beschäftigten, 2015 waren es noch 33 000 Pfleger. Gleichzeitig fällt es den Pflegedienstlern vor allem in ländlichen Regionen immer schwerer, ausreichend Personal zu finden. Ohne Unterstützung "von außen" könnte also gerade die Lausitz mit ihren langen Fahrtwegen auf einen Pflegenotstand zusteuern.

Wie Ailine Lehmann erklärt, absolvieren die albanischen Studenten derzeit einen 18-monatigen Kurs, der sie auf die deutschen Standards, die Pflegegesetze und die Sprache vorbereitet. "Nach Beendigung der Schulung werden sie im April nächsten Jahres nach Brandenburg kommen. Sechs Fachkräfte werden dann in unserem Verbandsgebiet eingesetzt." Das Gebiet des Kreisverbandes Fläming-Spreewald erstreckt sich von Luckau bis an die südliche Berliner Stadtgrenze.

Zuständig für die Ausbildung in Albanien und deren Anerkennung in Deutschland ist ein Fortbildungsinstitut der Dekra. Es hat mit dem DRK einen Kooperationsvertrag geschlossen, indem unter anderem festgelegt ist, dass es für mögliche Abbrecher innerhalb des ersten Praxisjahres Ersatzkandidaten gibt. Dafür wird der Vorbereitungskurs vom DRK vorfinanziert. Vorgesehen ist, die Albaner in Zukunft hauptsächlich in der stationären Altenpflege einzusetzen. Sie würden dort genau die Fachkraft-Stellen ausüben, für die nicht mehr genügend Einheimische gefunden werden. "Somit nehmen sie niemandem die Arbeit weg", betont Ailine Lehmann. Gezahlt werde nach Tarifvertrag.

Bis die Albaner im nächsten Jahr in Deutschland ankommen, muss das DRK noch zahlreiche Vorbereitungen treffen. So kümmert sich der Kreisverband um arbeitsortsnahe Wohnungen, gegebenenfalls Kitaplätze und Arbeitsangebote für den Partner. Zudem ist geplant, auch die deutschen Pflegekräfte auf ihre neuen Kollegen einzustimmen und sie über die Besonderheiten des Landes zu informieren. Umso mehr verspricht sich Ailine Lehmann von dem Pilotprojekt: "Wir stecken viel Energie in das Vorhaben und wollen es den neuen Fachkräften hier so angenehm wie möglich bereiten. Unsere Hoffnung ist, dass sich für den Schritt, nach Deutschland zu gehen, Menschen entscheiden, die das tatsächlich auch wollen."

Zum Thema:
In dem Land auf der Balkanhalbinsel leben 2,7 Millionen Einwohner. Die Bevölkerungsverteilung unterscheidet sich wesentlich von der in Deutschland: So sind die 15- bis 35-jährigen Albaner besonders stark vertreten, während die Generation der über 65-Jährigen nur rund 10 Prozent der albanischen Bevölkerung ausmacht. Der Altersdurchschnitt liegt bei 34 Jahren (Deutschland: 44 Jahre).