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| 15:10 Uhr

Grüne Berufe
Gut Kemlitz lockt kleine Forscher

Bei Siegfried Wellermann vom Jagdverband Spree-Neiße/Cottbus dürfen die Grundschüler aus Goleßen Felle streicheln und erfahren zum Beispiel auch, wie kleine Rehkitze in Getreidefeldern vor dem Mähwerk geschützt werden können.
Bei Siegfried Wellermann vom Jagdverband Spree-Neiße/Cottbus dürfen die Grundschüler aus Goleßen Felle streicheln und erfahren zum Beispiel auch, wie kleine Rehkitze in Getreidefeldern vor dem Mähwerk geschützt werden können. FOTO: LR / Carmen Berg
Kemlitz . Beim Aktionstag von Landaktiv machen sich Schüler schlau im grünen Bereich. Von Carmen Berg

„Geht ganz schön schwer“, sagt Celina. Die Golßener Schülerin hat Getreidekörner in eine Kaffeemühle gefüllt, die zu Mehl werden sollen. Auf Gut Kemlitz verfolgen die Kinder am Stand des Bauernverbandes Südbrandenburg den Weg vom Korn zum Brot. Lilly, die neben Celina an der Mühle dreht, findet das spannend. „Ich wollte schon immer gern wissen, wie das Essen gemacht wird, das wir kaufen“,erzählt sie.

Das zu erkunden, haben die Jungen und Mädchen am Donnerstagvormittag reichlich Gelegenheit. Sechstklässler aus Dahme, Golßen und Walddrehna machen mit beim Forschertag der Initiative Landaktiv unter dem Thema „Alles im grünen Bereich“. gefolgt. Laut Projektleiterin Sabine Rudert gibt es den Aktionstag seit 2011, jeweils an anderen Orten im Land. Der diesjährige Gastgeber, das Reha-Gut der Arbeiterwohlfahrt Kemlitz, bewirtschaftet knapp 1000 Hektar und hat 800 Rinder zu versorgen. In einem Schälbetrieb werden Kartoffeln küchenfertig aufbereitet.

Geschäftsführer Heiko Terno fährt mit einer Gruppe aufs Feld, wo die Jungen und Mädchen Knollen aus der Erde hacken und die Sorten kennenlernen. Die Kinder sehen aber auch, was lange Trockenheit mit den Pflanzen macht.

Unterdessen sind andere Schüler an weiteren neun Stationen unterwegs, die von Betrieben, Vereinen und weiteren Akteuren aus den Landkreisen Teltow-Fläming, Dahme-Spreewald, Oberspreewald-Lausitz und dem Land Brandenburg gestaltet werden. Sie erkunden die Milchviehanlage des Gutes oder fahren ein paar Runden auf einem hochmodernen Traktor der Hohenseefelder Firma Bartling mit. Bei Naturwächter Ulf Bollack machen sie Bekanntschaft mit den Tieren und Pflanzen des Jahres, bei Sabine Rudert dreht sich alles um Kräuter und das, was man daraus machen kann. Öl und Essig beispielsweise. Senf- und Pfefferkörner, Basilikum und Thymian, aber auch Blüten hat Sophia von der Dahmer Grundschule hineingetan. „Das sind tolle Rezepte zum Nachmachen“, sagt sie.

Bei Siegfried Wallermann vom Jagdverband Spree-Neiße/Cottbus streicheln Golßener Mädels begeistert Wildfelle. Und sie wissen bereits, dass kleine Rehkitze von ihren Müttern oft in Getreidefeldern abgelegt werden, wo sie von den Mähwerken bedroht sind. Die Felder mit einer Drohne abzusuchen, schlagen sie vor. „Es geht aber auch ganz klassich, wie ich es mache, mit meinem Hund“, erklärt der Waidmann.

Den Blick für die Natur und für die Arbeit der Bauern zu sensibilisieren, ist ein Anliegen des Aktionstages. „Vielleicht entdeckt manch einer ja auch seine Lust auf einen grünen Beruf“, sagt Carmen Lorenz, Geschäftsführerin des Bauernverbandes Südbrandenburg.

Gut Kemlitz hat einen Azubi im dritten Lehrjahr, der sich zum Facharbeiter mit Abitur ausbilden lässt. Ein weiterer Lehrling kommt im September. Das Interesse an landwirtschaftlichen Berufen wachse wieder, auch bei Schülern aus der Stadt, sagt Heiko Terno, zugleich Vizepräsident des Landesbauernverbandes. „Das Problem: es fehlt Bewerbern oft an den nötigen Qualitäten.“ Ein Bauer heute habe mehrere Computer auf dem Trecker, müsse abends mit dem USB-Stick seine Daten eigeben. Gut Kemlitz gibt Schülern Gelegenheit, bei Praktika und Ferienjobs in den Betrieb zu schnuppern. Auch ihr neuer Lehrling habe das gemacht, sagt der Chef.

Celina, Ronja und Lilly (v.l.) von der Grundschule Golßen probieren am Stand des Bauernverbandes Südbrandenburg aus, wie aus Getreidekörnern Mehl entsteht.
Celina, Ronja und Lilly (v.l.) von der Grundschule Golßen probieren am Stand des Bauernverbandes Südbrandenburg aus, wie aus Getreidekörnern Mehl entsteht. FOTO: LR / Carmen Berg