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| 17:33 Uhr

Gerechter?
Gerechter? Wohnung statt Zähler

Der Trink- und Abwasserzweckverband erarbeitet ein neues Gebührenmodell. Es soll im Juni der Verbandsversammlung vorgestellt werden.
Der Trink- und Abwasserzweckverband erarbeitet ein neues Gebührenmodell. Es soll im Juni der Verbandsversammlung vorgestellt werden. FOTO: PhotoSG - stock.adobe.com / PhotoSG / fotolia
Luckau. Arbeitsgruppe stellt Vorschlag für Berechnung der Abwasser-Grundgebühr vor. Von Carmen-Sylvia Berg

Beim Luckauer Trink- und Abwasserzweckverband (TAZV) geht es wieder einmal um Geld und Gerechtigkeit. Im Fokus stehen die monatlichen festen Grundgebühren, die Kunden des Verbandes neben den Verbrauchsgebühren zahlen. Monatlich schlagen fürs Trinkwasser 11,86 Euro und fürs Abwasser 20 Euro Grundgebühr zu Buche. Sie werden pro Hauszähler erhoben, wogegen sich Widerstand regt. Ein Kunde, der allein in einem Einfamilienhaus wohnt, zahlt knapp 400 Euro im Jahr – Dasselbe wie ein Block mit mehreren Mietparteien.

Vor einem Jahr beauftragte die TAZV-Verbandsversammlung eine Arbeitsgruppe, nach einem gerechteren Modell zu suchen. Im Kern ging es darum, eine Berechnungsumstellung von Hauszählern auf Wohneinheiten zu prüfen. Laut TAZV-Verbandsvorsteher Stefan Ladewig liegt ein Zwischenergebnis auf dem Tisch, das der Verbandsversammlung Ende Juni vorgestellt werden soll. „Die Mitgliedsgemeinden müssen entscheiden, ob daran weiter gearbeitet wird“, so der Verbandsvorsteher.

Bei gleichbleibenden Gesamteinnahmen des Verbandes aus Grund- und Mengengebühren könnten sich Verschiebungen nur innerhalb der beiden Komponenten ergeben, erklärt Stefan Ladewig. Je nach Wichtung, würden bestimmte Kundengruppen stärker oder weniger stark profitieren. Die Arbeitsgruppe schlägt für Privatkunden ein Mischmodell vor, bei dem sowohl Grund-, als auch Mengengebühr moderat sinken würden, die Grundgebühr dann allerdings pro Wohnung zu entrichten wäre.

Einer ersten Modellrechnung zufolge könnte bei dieser Lösung die Grundgebühr fürs Trinkwasser von 151 Euro auf 132 Euro im Jahr fallen, der Mengenpreis würde sich von 1,90 Euro auf 1,65 Euro je Kubikmeter verringern. Beim Abwasser würden sich 240 Euro im Jahr auf 202 Euro reduzieren, die allerdings dann ebenfalls pro Wohnung statt pro Haus zu bezahlen sind. Die Mengengebühr würde statt durchschnittlich 4,80 Euro 4,72 Euro je Kubikmeter betragen.

Das Gewerbe würde nach wie vor pro Zähler veranschlagt. Ein Urteil des Bundesgerichtshofes aus dem vergangenen Jahr eröffnet Stefan Ladewig zufolge diese Möglichkeit, wobei eine nachvollziehbare Vergleichbarkeit von Geschäfts- und Privatkunden gewährleistet sein muss, erklärt er.

Was zunächst einfach klingt, hat im Detail Tücken. Was zählt als Wohnung? Wie soll mit leer stehenden Wohnungen oder Ferienwohnungen in Mehrfamilienhäusern umgegangen werden?, zählt der Verbandsvorsteher Fragen auf, die in Satzungen klar definiert werden müssten. Zudem würden bei der Umstellung des Modells auf den Verband Kosten in „sicherlich guter fünfstelliger Höhe“ für die nötige Datenerhebung und -pflege sowie für die Neu-Kalkulation zukommen.

Die Arbeitsgruppe werde der Verbandsversammlung keine abschließende Empehlung zum Mischmodell geben, sagt der Verbandsvorsteher. Zwar sei eine Mehrheit der Meinung, man sei dem politischen Ziel nach mehr Gerechtigkeit schon ein gutes Stück näher gekommen, darauf lasse sich aufbauen. Andere Stimmen sagen aber auch, der Effekt sei zu gering für den vergleichsweise hohen Aufwand. Es wird also spannend bleiben.

Konsens besteht, dass Qualität vor Tempo gehen soll. So wird eine Umstellung, wenn sie gewollt wird, wohl erst 2020 kommen.