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| 16:10 Uhr

Dorffest
Drei Jubiläums-Tage in Gebersdorf

Vielfältig stellten die Gebersdorfer die Traditionen ihres Dorfes im großen Festumzug dar.
Vielfältig stellten die Gebersdorfer die Traditionen ihres Dorfes im großen Festumzug dar. FOTO: Birgit Keilbach
Gebersdorf. Festumzug am Samstag bildete einen der Höhepunkte der Feste zum 650-jährigen Bestehen des Dorfes. Von Birgit Keilbach

Fast ein ganzes Dorf auf den Beinen haben die Besucher am Samstag in Gebersdorf erlebt. Der große Festumzug zum 650-jährigen Jubiläum der Ersterwähnung des Dahmer Ortsteiles zeigte ein lebendiges Bild der Geschichte, dargestellt von zahlreichen Gebersdorfern selbst. Sie hatten in Häusern und Scheunen gekramt und für den Umzug alte Kleider, Arbeitssachen sowie historische Trachten übergestreift, in Handwagen oder auf Hängern Gerätschaften platziert und so manch historische Zugmaschine davor gespannt. Einblicke ins Mittelalter bot die Theatergruppe Ardanwen, die Flämingda(h)men und Herren aus Dahme zeigten die typische Tracht. Bis in die Moderne reichte die Fahrzeugparade im letzten Teil des Umzuges.

Auch die frisch geflochtene Erntekrone präsentierten sie mit Stolz. „13 Leute haben sie am letzten Sonntag geflochten, einige von ihnen waren schon bei der Erntekrone zum 625-jährigen Jubiläum dabei und brachten ihre Erfahrungen ein“, sagt Hans-Georg Nerlich. Der Ortsvorsteher führte den Zug an, präsentierte eine Kopie der Ersterwähnung. Diese findet sich im Lehnbuch des Erzbischofs Albrecht III. Der Bischof habe darin der Herrin Ermingard von Dahme als Mitgift zehn Schock kleiner Münze aus „Gewersdorf“ bestätigt – „also eine Geldrente von den bäuerlichen Abgaben“, informierte Moderator Uwe Hensel die zahlreichen Zuschauer an der Dorfstraße. Sie erfuhren außerdem, dass der Kleisthof – das Vorwerk etwas außerhalb der Ortschaft, einst eine Schäferei gewesen war, betrieben von einer Familie Kleist, die 1736 das Rittergut übernahm. Die Friedenseiche hinter dem Moderatorenstand zählt inzwischen 146 Jahre. „Gepflanzt wurde sie zum Ende des deutsch-französischen Krieges“, vermittelte Uwe Hensel weiter über die Lautsprecher; ebenso, dass das älteste Haus 221 Jahre alt ist, der Familie Schliebner gehörte und jetzt vom neuen Eigentümer wieder hergerichtet wird.

„Ich bin hier geboren und zur Schule gegangen. Vier Klassen in einem Raum mit einem Lehrer, – und wir haben trotzdem etwas gelernt“, erzählte die Luckauerin Marianne Schulze. Die Geschichte sei sehr interessant und mit liebevoll gestalteten Bildern dargestellt worden. „Sie haben sich sehr viel Mühe gegeben“, zollte sie den Gebersdorfern Anerkennung. Unter ihnen war auch Schornsteinfegermeister Frank Bosdorf, der mit Kollegen im Umzug auf die lange Tradition und die Bedeutung dieses Handwerks aufmerksam machte. „Es ist bis heute wichtig für die Sicherheit des Hauses“, so der Gebersdorfer.

Einen „Puppenwagen“ zog Joachim Puppe mit seinem historischen Traktor. Viele der einst genutzten Gerätschaften aus Haushalt und Feldwirtschaft hatte die Familie dafür zusammengestellt. Ehefrau Ilona, Tochter Kathrin und Enkelin Lilly präsentierten die selbst erlebte Historie einer Bauernwirtschaft als lebendige „Puppen“.

Drei Tage lang feierten die Gebersdorfer ihr Jubiläum, gestalteten am Freitag einen Festgottesdienst, boten am Samstag neben dem Umzug viel Unterhaltsames auf der Wiese am Dorfgemeinschaftshaus. Am Abend unterhielten die „Gebersdorfer Irrlichter“, und am Sonntag brachten die Einwohner den Besuchern den Kleisthof näher. „Auf einem Beamer zeigen wir abends auch Bilder und verschiedene Videos des Ortschronisten“, das vom 625-jährigen Jubiläum haben wir als Anregung für unser jetziges Jubiläum genutzt“, sagt der Ortsvorsteher. Ein 15-köpfiges Festkommitee habe das Jubiläumsfest seit dem Frühjahr 2017 vorbereitet. „Möglich wurde es dank vieler Sponsoren, und auch die Stadt Dahme hat uns dabei unterstützt“, betont Hans-Georg Nerlich.