Trotz dieser hohen Zahl wird das Aus für das Abi in Dahme nicht rückgängig gemacht, hatte Schulleiter Benno Muskulus bereits während der Sitzung des Dahmer Amtsausschusses am Donnerstagabend in Görsdorf klar gestellt.

Viele, und doch zu wenig
60 Abi-Anmeldungen vor den Sommerferien gelten als magische Mindestgrenze für eine eigenständige Abiturstufe. Bei Befragungen vorab hätten etwa 50 Schüler signalisiert, in Dahme bleiben zu wollen, sagte der Schulleiter. Andere hätten sich für Oberstufenzentren oder Gymnasien entschieden. Zudem falle Dahme auf die Füße, dass für das laufende Schuljahr eine Kooperation mit dem Gymnasium Jüterbog nicht genehmigt worden war und somit keine neue elfte Klasse eröffnet werden konnte, so der Schulleiter. Um die Abiturstufe wiederzubekommen, sei per Gesetz eine Neueinrichtung erforderlich. „Dafür hätten wir ausreichende Abiturientenzahlen für die nächsten vier bis fünf Jahre nachweisen müssen. Die jetzigen zehnten Klassen aber sind der letzte starke Jahrgang“ , so Benno Muskulus.
Nach den Sommerferien wird es wegen rückläufiger Schülerzahlen erstmals auch keine siebenten Klassen an der Dahmer Schule geben. Dann werden in der Bildungseinrichtung laut Schulleiter insgesamt nur noch 225 Schüler unterrichtet, 167 weniger als in diesem Schuljahr. Statt bisher 37 Lehrern würden noch 21 in der Dahmer Einrichtung tätig sein, fügte der Schulleiter an.
Trotz fehlender Siebent klässler, so Muskulus, sei es das Ziel der Schule, den begonnenen Ganztagsbetrieb an drei Tagen in der Woche fortzusetzen. Möglich sei das aber nur, wenn sich 40 Prozent der Schüler in der Sekundarstufe I und damit 80 Jungen und Mädchen dafür anmelden. „Wir sind zuversichtlich, das zu schaffen“ , sagte er. Zugleich legte der Schulleiter den Finger auf die Wunde: Im übernächsten Schuljahr seien zwingend wieder siebente Klassen nötig, sonst stehe die Schule vor dem Aus.
„Das wäre nicht nur für die Schule, sondern für das gesamte Dahmer Land bitter“ , erklärte Amtsdirektor Frank Pätzig (parteilos). Sofort mit Beginn des Schuljahres 2006/2007 sollten sich deshalb Verwaltung und neues Lehrerkollegium zusammensetzen und festlegen, was für die Werbung von Siebentklässlern getan werden müsse, so der Verwaltungschef. Es bleibe dafür nicht viel Zeit, denn im März des Jahres 2007 erfolgten die Anmeldungen.
Benno Muskulus appellierte an die Öffentlichkeit, die Bildungseinrichtung bei der Suche nach überzeugenden Überlebenskonzepten nicht allein zu lassen. „Insbesondere brauchen wir die Hilfe von Betrieben aus der Stadt und dem Umland“ , sagte er.

Gesetzesänderung gefordert
Einig war sich der Amtsausschuss in der Auffassung, Brandenburg betreibe eine Schulpolitik, die den Bedingungen auf dem flachen Land nicht gerecht werde. Mehrheitlich folgte das Gremium einem Antrag von Werner Müller (Linkspar-
tei.PDS), sich an den Bildungsausschuss und den Petitionsausschuss des Landtages zu wenden mit der Forderung, eine zeitweilige Einzügigkeit von Jahrgangsstufen im ländlichen Bereich per Gesetz zu ermöglichen. Reagiere Potsdam nicht, sagte Manfred Radan (SPD), dann gebe es auf mehr als 50 Kilometern Entfernung zwischen Luckau und Jüterbog bald keine weiterführende Schule mehr. „Früher waren es mal acht“ , so Radan.