Von Andreas Staindl

Wer schon immer wissen wollte, wie sich die Kirche vor rund 500 Jahren erneuert, wie Martin Luther die Reformation in Deutschland angestoßen und vorangetrieben hatte, der hat interessante Hinweise am Reformationstag in Luckau erhalten. Und das nicht im stillen Kämmerlein, sondern in aller Öffentlichkeit.

Anschaulich, lustig, unterhaltsam, immer aber mit geschichtlichem Hintergrund. Thomas Worms bot den Zuschauern den roten Faden. Der Luckauer hat die Historie der Ereignisse der damaligen Zeit aufgearbeitet und nahm sie gedanklich mit auf die Reise. Die begann in Luckau und führte später nach Rumänien.

Die Erneuerungsbewegung der Kirche, das wurde deutlich, war nicht nur auf Deutschland beschränkt. Das Reformationsspiel ist längst Tradition in der Berstestadt. Es findet an verschiedenen Standorten im Stadtzentrum statt. Die einzelnen Szenen machen die Reformation im Kleinen und Großen nachvollziehbar. Sie werden von Mitgliedern von Kirchengemeinden, der TheaterLoge und weiteren Bürgern gespielt.

Das Reformationsspiel am Donnerstagvormittag war anders. Anders deshalb, weil auch Gäste aus Kronstadt in Siebenbürgen in Rumänien dabei waren. Und – auch das war etwas Besonderes – Gehörlose der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Dass diese erst dem Gottesdienst und anschließend dem Reformationsspiel im Stadtgebiet gedanklich folgen konnten, haben sie auch Britta Rostalsky zu verdanken. Die Pfarrerin im Dahmer Land übersetzte das Gesagte und Gespielte für die gehörlosen Gäste. Sie war nicht die Einzige aus dem Nachbarkreis Teltow-Fläming.

Ohnehin lockt das Reformationsspiel unter freiem Himmel zunehmend mehr Leute auch aus anderen Orten. Gäste aus dem Unterspreewald und aus Lübben beispielsweise sind dabei gewesen. Insgesamt dürften mehrere Hundert Teilnehmer die Veranstaltung verfolgt haben. Die hatte mit einem Gottesdienst in der Nikolaikirche begonnen. Sängerinnen und Sänger aus Luckau und Kronstadt haben gemeinsam in einem Chor gesungen. Die Predigt, auch die hatte natürlich die Reformation im Mittelpunkt, hielten Luckaus Pfarrer Martin Meyer und der Stadtpfarrer Christian Pleyer aus Kronstadt. Dieses Wechselspiel kam gut an, wie mehrfach von Teilnehmern zu hören war.

Auch das szenische Spiel selbst hat die Zuschauer in den Bann gezogen. Frei nach Luthers Worten „hier spiele ich und kann nicht anders....“ wurden Ausschnitte der Reformationsgeschichte nachgespielt. Die Akteure schlüpften dabei in die Rollen historischer Persönlichkeiten, aber auch einfacher Bürger im 16. Jahrhundert in Luckau. Martin Luther, Philipp Melanchthon und Johannes Bugenhagen wirkten jedoch nicht nur in der Berstestadt. Die drei großen Reformatoren waren maßgeblich auch an der Reformation in Kronstadt beteiligt. Wie es hier und dort zuging, das wurde durch die einzelnen Szenen deutlich gemacht.

Unter die Darsteller hatte sich auch ein prominenter Gast gemischt. Cord Meier-Klodt, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Rumänien, schlüpfte in die Rolle des früheren Bürgermeisters in Luckau. Der Diplomat wohnt inzwischen in der Berstestadt.

Das szenische Spiel unter freiem Himmel entführte nicht nur in die Geschichte der Reformation, es sorgte auch für Aufmerksamkeit. Für Aufmerksamkeit deshalb, weil mehrere Hundert Leute rund zwei Stunden lang mehrmals ihren Standort an öffentlichen Plätzen wechselten, um dort immer wieder in die Historie einzutauchen.

Von der Nikolaikirche ging es zum Rathaus, von dort weiter zum Mönchhof, zur Kulturkirche und am Ende schließlich zum Schlossberg. Dort endete das Reformationsspiel anno 2019 in Luckau. Akteure und Zuschauer wurden mit warmen Speisen und Getränken belohnt.

Und die Darsteller zusätzlich mit anerkennenden Worten der zahlreichen Besucher, die am Reformationstag trotz der niedrigen Temperaturen um den Gefrierpunkt interessiert mit in die Geschichte der Reformation von vor 500 Jahren eingetaucht sind.