Dem närrischen Frohsinn frönen in der fünften Jahreszeit auch die Dahmenser. 1997 begann in der Flämingstadt die heutige Faschingstradition, in der es kein Prinzenpaar und keinen Elferrat gibt. Den traditionellen Auftakt bildet hier der Einzug von zwei historischen Figuren der Stadtgeschichte, des 1888 ermordeten Nachtwächters Hermann Schmidt und der Frau Böhr, die 1666 den großen Stadtbrand verursachte. Sie übernehmen ab dem 11.11. jedes Jahres das närrische Zepter in der Stadt. „Wir wollten etwas anderes machen als all die anderen Vereine und haben uns damals für die zwei Stadt-Originale als tragende Figuren des Faschings entschieden“, erzählt Gerhard Nowaczyk. Gemeinsam mit Wolfram Rohr, der die Idee dazu hatte, und Monika Lehmann, die schon seit 1983 mit den Zempermiezen auf Tour geht, hob er den Dahmer Fasching vor mehr als zwanzig Jahren aus der Taufe. Gerhard Nowaczyk brachte seine Erfahrungen vom Luckauer Noppernfasching und auch die ersten Dekorationsmaterialien mit ein.

Nachtwächter Schmidt nimmt Lokalpolitik aufs Korn

Seit Beginn verkörpert er die Figur des Nachtwächters Schmidt im klassischen Kostüm mit Spieß, Laterne und Glocke. Die Frau Böhr an seiner Seite trägt eine klassische Flämingtracht. In diese schlüpfte anfangs Heidi Thieme, ab 1999 Rosemarie Ohmenzetter und ab 2014 Monika Petras. Weil Letztere erkrankt war, begleitete in diesem Jahr Rosemarie Ohmenzetter nochmals den Nachtwächter. „Ich habe mich nach der langen Pause richtig darauf gefreut, vor allem auf den Walzer mit dem Nachtwächter“, erzählt sie. Die 80-Jährige gehört noch immer zu den aktiven Zempermiezen, die von Anfang an den Fasching mitgestalten. Jedes Jahr am Donnerstag vor Rosenmontag, also an Weiberfastnacht, zieht das lustige Völkchen bunt kostümiert und gut gelaunt durch Dahme. „Wir sind eine lustige Truppe und ich merke, wie wir den Leuten Freude bringen. Zempern und Fasching lassen sich für mich nicht voneinander trennen“, sagt Rosemarie Ohmenzetter. Monika Lehmann hält die organisatorischen Fäden der Zempermiezen und auch des Dahmer Faschings in der Hand. Gerhard Nowaczyk spießt in seiner jährlichen Nachtwächter-Büttenrede nicht nur die Dahmer Aufreger der Saison auf. Er stellte viele Jahre lang auch das Programm zusammen und moderierte dieses mit unterschiedlichen Akteuren. Eine davon ist Petra Gommlich, die 1999 zur Interessengemeinschaft Fasching fand. Die Rietdorferin weiß gleichfalls treffliche Büttenreden zu halten und unterhält die Faschingsgäste bestens „mit Herz und Schnauze“.

Mit „Partypeople on stage“ ist eine neue Formation dabei

Schritt für Schritt wuchs das Programm, beginnend mit dem Traditionsspielmannszug des TSV Empor Dahme, den Zempermiezen und Silkes Tanzgruppe, die heute als „Flämingda(h)men und Herren“ auftreten. Später kamen das Männerballett sowie mit Mary und Roos (Marianne Meier und Rosi Fritzsch) ein Gesangsduo mit pointenreichen Texteinfällen dazu. Zwischenzeitlich sorgten einige Sänger des Dahmer Männerchores als „Zwerge“ für Stimmung. Die Tanzgruppe des Autohauses Hoffmann bereichert den Dahmer Fasching seit einigen Jahren und als neueste Formation setzen die „Partypeople on stage“, eine Gruppe junger Leute aus Dahme und dem Umland, weitere Akzente.

„Für uns alle stehen der Spaß und die Freude daran im Vordergrund, dass wir den Leuten einen Fasching bieten können, der auch gerne angenommen wird“, sagt Petra Gommlich. Dafür studieren die Akteure nicht nur unterhaltsame Programme ein. Sie verwandeln den Veranstaltungsort – die Dahmer Sportwelt – stets von einer nüchternen Sporthalle in einen liebevoll dekorierten Tempel des närrischen Frohsinns. Unter dem Dach der Interessengemeinschaft stimmen sich die einzelnen Gruppen vor dem Höhepunkt im Februar ab. Finanziert wird das närrische Treiben an einem Samstagabend sowie dem darauf folgenden Sonntag für die Rentner ausschließlich durch die Eintrittsgelder. „Dafür bezahlen auch alle Mitwirkenden den Eintritt für den Fasching“, betont Petra Gommlich.

Bildergalerie „Dahme Helau“ wechselseitig mit einem Tusch tönte es immer wieder am Samstagabend aus der Sportwelt in Dahme/Mark. Eingeladen hatte die Interessengemeinschaft „Fasching“ der Stadt. Nachdem die Dahmer Spielleute den geselligen Reigen eröffneten, dynamische Tanzeinlagen der Tanzschule Hoffman für Abwechslung sorgten und nach jeder Menge Schunkelrunden, machte sich der Nachtwächter Schmidt bereit für seine Büttenrede.