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| 17:20 Uhr

315 Jahre Altsorgefeld
Geburtstagsfest mit Wiedersehen und Erinnerungen

 Wie ein verwunschenes Dornröschenschloss sieht das Forsthaus am Rande von Altsorgefeld heute aus. Hier wuchsen Albert, Luise und Waltraud (2.-4.v.l.) als Kinder des Försters Gustav Grose auf.
Wie ein verwunschenes Dornröschenschloss sieht das Forsthaus am Rande von Altsorgefeld heute aus. Hier wuchsen Albert, Luise und Waltraud (2.-4.v.l.) als Kinder des Försters Gustav Grose auf. FOTO: Birgit Keilbach
Altsorgefeld. In Altsorgefeld trafen sich ehemalige Einwohner und viele frühere Ausflügler. Von Birgit Keilbach

Sein 315-jähriges Bestehen hat Altsorgefeld am Wochenende gefeiert. Zum Geburstagsfest am Sonntag vervielfachte sich die Einwohnerzahl in dem 15-Seelen-Dorf. Unter den mehreren hundert Gästen waren viele Kemlitzer, denn diesmal fand das jährliche Dorffest im vier Kilometer entfernten Ortsteil statt.

Am 29. Dezember 1959 habe die damalige Kemlitzer Gemeindevertretung den Beschluss gefasst, Altsorgefeld als Ortsteil aufzunehmen, blickte Ortsvorsteher und Ortschronist Fred Tzschoppe in die Historie. Mit dem Geburtstagsfest lehne man sich zwar weit aus dem Fenster. „Doch es geht auch darum, dass die kleinen Orte nicht in Vergessenheit geraten“, sagte er. Dass es 1704 bereits den Ort Sorgfeld gegeben habe, gehe aus einer Abhandlung von Hans Rodrian über „Die Rochauer Pechhütte“ im Heimatblatt des Kreises Schweinitz „Unser Elsterland“ hervor. „Darin hat er für das Jahr 1704 als einen der ersten Einwohner von Sorgfeld einen Martin Wagner benannt“, erläuterte Fred Tzschoppe.

Viele Gäste aus Schöna-Kolpien

Auffallend waren die zahlreichen Besucher aus Schöna-Kolpien. Das hat einen Grund. „In den 1930er Jahren sind etliche Familien nach Schöna-Kolpien umgezogen“, weiß Peter Chargé. Er wohnte bis 1956 mit Mutter und Großmutter im Doppeldorf. „Mein Großvater Paul Hollmich stammte aus Altsorgefeld. Einmal im Jahr fuhren wir mit dem Fahrrad hin. Dann fand in der Gaststätte ein Familientreffen statt. Und ich habe mit den Kindern vom Dorf gespielt“, erinnert sich Peter Chargé.

An die Kutschfahrten des Vaters nach Altsorgefeld kann sich auch Willi Riebisch noch gut erinnern. „Immer, wenn die Tante aus Berlin kam, sind wir von Schöna-Kolpien aus zur Gaststätte gefahren. Es gab Kaffee und Kuchen und daneben einen Spielplatz. Für uns Kinder war das immer etwas Besonderes“, erzählt Willi Riebisch.

Auf der Suche nach dem Konsum

Willi Pflanze war gleichfalls aus Schöna-Kolpien gekommen und machte sich bei der Tour durchs geschmückte Dorf auf die Suche nach dem ehemaligen Konsum. „Er befand sich in einem Teil des Wohnhauses der Sattlerei Sallmann und hatte nur zweimal in der Woche offen“, erinnert er sich. Während seiner Lehrzeit bei einer Elektrofirma habe er 1966/67 in Altsorgefeld gearbeitet, auch im etwas außerhalb gelegenen Forsthaus.

Hier wuchsen Luise, Albert und Waltraud als Kinder des Försters Gustav Grose auf. 1945 sei die Familie aus Schlesien nach Altsorgefeld gekommen, blickt Albert Grose zurück. In der Jugend sei er mit anderen Jungs Motorrad gefahren, in der „Alten Elbe“, heute ein Naturlehrpfad im Landschaftsschutzgebiet Rochau-Kolpiener Heide. „Ich finde es toll, dass sie so ein großes Fest auf die Beine gestellt haben und so viele Leute gekommen sind“, freute sich die älteste Schwester Luise.

Das vernachlässigte Forsthaus

Viele der Besucher pilgerten mit dem Trio und ihren Ehepartnern zum Forsthaus. Dass es so vernachlässigt wurde und schon fast zugewachsen ist, stimmt die Försterkinder traurig. Denn das Haus hat auch eine spannende Geschichte. Ursprünglicher Besitzer von Haus und Wald sei ein rheinischer Industrieller namens Overbeck gewesen, wie Albert Grose berichtet. In der Weltwirtschaftskrise musste Overbeck aber verkaufen. Erworben habe Haus und Wald der jüdische Fahrzeug- und Waffenfabrikant Simson aus Suhl, der 1933 nach Amerika auswanderte. Försterhaus und Wald seien Preußischer Staatsforst geworden, nach Kriegsende Volkseigentum. „Nach 1990 bekamen die Nachfahren von Simson Wald und Gebäude zurück, verkauften es aber an einen Schweizer Hotelier“, blickt Albert Grose in die Geschichte. Seitdem liege das Forsthaus im Dornröschenschlaf.

Prächtig entwickelt hat sich hingegen die alte Eiche daneben, die vermutlich aus der Entstehungszeit des Dorfes stammt. Sie fand am Sonntag viele Bewunderer.