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| 17:13 Uhr

Süßes Start-Up
Süße Leckereien aus Zauche

Konditormeisterin Luise Draht entwickelt in ihrer Backstube in Zauche neue Tortenrezepte und ausgefallene Dekorationen. Bis vor wenigen Jahren war für die junge Mutter allerdings Selbstständigkeit kein Thema.
Konditormeisterin Luise Draht entwickelt in ihrer Backstube in Zauche neue Tortenrezepte und ausgefallene Dekorationen. Bis vor wenigen Jahren war für die junge Mutter allerdings Selbstständigkeit kein Thema. FOTO: privat / Draht
Zauche. 28-jährige Luise Draht macht sich mit „Zuckerstübchen“ auf dem Dorf selbstständig. Dabei hatte die Konditormeisterin eigentlich einen ganz anderen Plan. Von Anja Brautschek

Große, schwarze Knopfaugen blicken von der Kaffeetafel. Das Fell ist dick und flauschig. Die kleinen Bienen scheinen beinahe abzuheben. Der Teddybär sieht nicht nur süß aus, sondern ist es auch. Denn gefertigt ist er aus Buttercreme, Kuchenteig und Fondant. Gebacken, zurechtgeschnitten und dekoriert wurde diese besondere Motivtorte von Luise Draht. Die 28-Jährige Konditormeisterin hat sich erst im Juni mit einer eigenen Backstube im beschaulichen Zauche (Gemeinde Kasel-Golzig) selbstständig gemacht. Seitdem steht der Backofen kaum still.

Dabei hätte die Konditormeisterin bis vor einigen Jahren nicht an eine eigenen Konditorei gedacht. Ihr Ziel war es, Berufsschullehrerin zu werden. Ihr ganzer beruflicher Werdegang war darauf ausgelegt. Nach der Konditorausbildung schloss Luise Draht den Meister an und absolvierte anschließend noch eine zweite Ausbildung als Köchin. Mit nur wenigen Tagen Pause reihte sie eine Erfahrung an die andere. Nach den Ausbildungen war der Wissensdurst von Lusie aber noch immer nicht gestillt. Deshalb nutzte sie die Chance für ein Auslandsstipendium. In London lernte sie zusätzlich neue Backtechniken und Rezepte kennen. „Ohne die Rahmenbedingungen hier in Zauche hätte ich mich aber nie in die Selbstständigkeit getraut“, sagt Lusie Draht.

Beim Tortendekorieren sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt.
Beim Tortendekorieren sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. FOTO: privat / Draht

Ihr Partner ist selbst Konditormeister und kennt die Branche. Die Schwiegereltern, ebenfalls selbstständig, helfen mit Rat und Tat und passen bei Bedarf auf die einjährige Tochter auf.

Im vergangenen Jahr hat die Familie auf dem Grundstück der Schwiegereltern in Zauche ein leerstehendes Nebengebäude als Backstube ausgebaut. Am 30. Juni war es soweit: das „Zuckerstübchen“ eröffnete. Die Nachfrage ist seitdem groß. Fast jedes Wochenende steht sie in der Backstube und bereitet Hochzeitstorten, Geburtstagstorten oder einzigartige Motive für besondere Anlässe vor. Auch ein Großauftrag mit mehreren Torten und Gebäckstücken für eine Hochzeit hat sie bereits umgesetzt. „Mit so einer Resonanz habe ich nicht gerechnet“, sagt sie. Darüber hinaus arbeitet sie für drei Tage in der Woche noch in einer anderen Backstube in Berlin.

Vor allem die Kreativität reizt sie an einer eigenen Konditorei. Als Angestellte richte man sich häufig nach wiederkehrenden Rezepten. „In meiner Konditorei kann ich mich geschmacklich so richtig austoben. Außerdem kann ich den Kunden beraten. Das hat mir in anderen Jobs gefehlt“, sagt Lusie Draht. Die junge Konditormeisterin steckt voller Ideen und feilt ständig an neuen Rezepten. Auch ausgefallene Gewürze oder Texturen scheut sie nicht. Nicht immer kommt das jedoch beim Kunden gut an. Cupcakes mit Ingwergeschmack blieben ein Ladenhüter. „Dabei fand ich die selbst total lecker. Aber den Geschmack der Kunden habe ich damit wohl nicht getroffen“, sagt sie. Klassiker wie Nougat-Füllungen und Schoko-Kirsch-Aromen hingegen sind bei Jung und Alt gefragt.

Auch ausgefallene Torten wie dieser Einhornkuchen bäckt Lusie Draht – allerdings nur auf Bestellung. Ein Café gibt es noch nicht.
Auch ausgefallene Torten wie dieser Einhornkuchen bäckt Lusie Draht – allerdings nur auf Bestellung. Ein Café gibt es noch nicht. FOTO: privat / Draht

Sowohl bei Zutaten als auch Dekorationen achtet die Konditorin auf die Qualität. Ihre Torten verziert sie deshalb nur mit Essbarem – ob Perlen, Glitzer, Einhorn oder Gold. Selbst Blumen hat sie dafür im Garten angepflanzt. „Die Blüten müssen natürlich unbehandelt sein. Im Handel ist das aber je nach Sorte schwer zu bekommen“, erklärt Lusie Draht. Familie und Freunde hielten die junge Mutter zunächst für verrückt, als sie ihre Idee von einer eigenen Konditorei auf dem Land teilte. Sie selbst hat viele Jahre in Heidelberg und Berlin gewohnt. Doch mit der Familiengründung stand für das junge Paar die Rückkehr aufs Dorf fest. Das Konzept geht bislang auf. Eine günstige Miete der Backstube und das Wohnen bei den Schwiegereltern hat ihr den Einstieg in die Selbständigkeit erleichtert. Bislang fertigt die Konditorin Torten, Kuchen. Törtchen und Macarons allerdings nur auf Bestellung. Ein Café gibt es nicht. „Das ist noch mein großer Traum. Doch das ist noch nicht realisierbar. Ich arbeite in meiner eigenen Konditorei nur im Nebenerwerb“, sagt sie. Ihrer Firma will sie nun Zeit geben und hofft auf ein langsames, aber stetiges Wachstum. Dann steht einem künftigen Café in Zauche vielleicht bald nichts mehr im Wege.