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| 14:56 Uhr

Kultur im Knast
„Musik hinter Gittern“ durchbricht Gefängnis-Alltag in Duben

 Viel Beifall bekamen die Musiker. Ohne Zugabe ging es auch beim 22. Konzert von „Musik hinter Gittern“ in der Justizvollzugsanstalt Luckau-Duben nicht ab. Nicolle Cassel (l.) ist die neue Projektleiterin der Reihe.
Viel Beifall bekamen die Musiker. Ohne Zugabe ging es auch beim 22. Konzert von „Musik hinter Gittern“ in der Justizvollzugsanstalt Luckau-Duben nicht ab. Nicolle Cassel (l.) ist die neue Projektleiterin der Reihe. FOTO: Andreas Staindl
Luckau/Duben. Konzert findet nach unerwartetem Tod des Organisators unter neuer Führung statt. Gefangene und Instrumentalisten waren von dem Abend sehr berührt. Von Andreas Staindl

Für manche ging eine Ära zu Ende, für andere war es ein erstes Mal. Die 22. Auflage von „Musik hinter Gittern“ in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Luckau-Duben war außergewöhnlich. Zum ersten Mal begrüßte nicht Hartmut Zimmermann, sondern die Sopranistin Nicolle Cassel die Gäste am Freitagabend. Zimmermann war am 20. Januar völlig unerwartet an einem Herzinfarkt gestorben. Er wurde an diesem Tag 79 Jahre alt. Mit seinem Tod geht eine Ära zu Ende.

Hartmut Zimmermann organisierte viele Jahre lang Konzerterlebnisse für Hundertausende Besucher. „Musik am Nachmittag“ war sein Projekt. „Musik hinter Gittern“ ist ein Teil davon. Die Internationale Stiftung zur Förderung von Kultur und Zivilisation in München ist der Träger der Konzerte. Hartmut Zimmermann war Mitglied der Stiftungsleitung. Ziel der Stiftung ist es, allen Menschen klassische Musik näher zu bringen – auch Inhaftierten in Gefängnissen.

Seit März 2008 war Hartmut Zimmermann mit Musikern zwei Mal jährlich in der JVA in Luckau-Duben zu Gast. Er organisierte und moderierte, spielte oft auch Trompete im Orchester. „Dass er verstorben ist, ist eine sehr traurige Nachricht“, sagt der Anstaltsleiter Hanns-Christian Hoff.

Nicolle Cassel tritt in seine Fußstapfen. Der Sängerin, in Magdeburg geboren, wurde von der Stiftungsleitung die Projektleitung übertragen: „Ich werde mich bemühen, ,Musik hinter Gittern’ im Sinn von Hartmut Zimmermann weiterzuführen. Er hat unheimlich viel Energie und Herzblut in die Konzerte investiert. Wir haben ihm viel zu verdanken.“

Das erste Stück des Abends war dann auch dem Verstobenen gewidmet. Die Musiker spielten sein Lieblingsstück. Gäste von draußen und weibliche Gefangene hörten zu. Etwa eine Stunde lang wurde auf der Bühne gesungen und musiziert – und für manche der Inhaftierten war das ein ganz neues Erlebnis.

„Da waren richtig interessante Stücke dabei“, sagt Stephanie T.. „Richtig super fand ich, dass die Sängerin so viele Emotionen gezeigt hat.“ Für die 29-jährige Strafgefangene war die Veranstaltung eine Premiere: „Ich hatte zuvor noch nie ein klassisches Konzert besucht, auch keine Berührung mit klassischer Musik. Jetzt muss ich sagen, dass Klassik durchaus etwas Schönes ist. Ich bin froh, dass ich dabei sein durfte.“

Sally L. (24) war dankbar für den „schönen Abend. Ich müsste sonst allein in meiner Zelle sitzen, würde lesen, fernsehen oder schon schlafen.“ Für die Strafgefangene war das Konzert ebenso eine „schöne Abwechslung“ wie für Xenia I. (23). Für sie bot die Veranstaltung zudem „Ablenkung vom Alltag hier im Gefängnis. Man kommt mal auf andere Gedanken, das ist sehr angenehm.“

Dass eine Veranstaltung so spät am Abend stattfindet, ist eine Ausnahme, wie Antje Traue, Leiterin des Bildungs- und Freizeitbereichs, sagt: „Eigentlich ist jetzt schon Einschluss, sitzen die Gefangenen längst in ihren Zellen. Die Teilnahme am Konzert ist deshalb schon etwas Besonderes.“

Zu den Besonderheiten gehört traditionell auch das Buffet zum Abschluss. Die Fachwerkstatt Gastgewerbe in der JVA unter Leitung des Küchenchefs Helmut Hummel hatte auch diesmal leckere Speisen zubereitet, zudem den Raum ansprechend gestaltet. Für die gefangenen Azubis gab es dafür viel Beifall von den Gästen.

Die Musiker erhielten von den Azubis im Gastgewerbe ein kleines Stückchen „Beethoven“, in Zucker gegossen. Schon zuvor wurden ihnen gebastelte Frühlingsgrüße von gefangenen Frauen der Lernwerkstatt als Anerkennung für ihren exzellenten Auftritt überreicht.