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22 Häuser fielen dem Tagebau zum Opfer

Presenchen.. 1986 kam der Tagebau Schlabendorf Süd. Die 22 Häuser in Presenchen mussten abgerissen werden, die 51 Bewohner sind umgesiedelt worden. Eints war der Reisende nach Presenchen über Schlabendorf gekommen. Gudrun Driesen

In dessen Nähe war der zum ersten Mal 1606 urkundlich erwähnte Ort zu finden. In der in Zeilenform angelegten Siedlung sprachen die Bewohner sorbisch und deutsch. Der sorbische Name Brazynka oder auch altsorbisch Brezinka bedeutet "das kleine Birkenwäldchen".
Schon um 850 ist das Gebiet von den Lusizi bewohnt worden. Die Niederlausitz war das Siedlungsgebiet dieses slawischen Stammes. Zeugnis dieser Besiedlung um Presenchen gab der slawische Burgwall „Borchelt“ südlich vom Dorf. Die Burganlage entstand auf einer Talsandinsel im sumpfigen Gebiet. Bei Ausgrabungen sind aus Feuerstein hergestellte Arbeitsgeräte gefunden worden.
Im Laufe der Zeit entstanden typische Flurnamen in der Region. Das waren neben dem Borchelt die Borcheltberge, der Hayn und Hagen. Und bei den Bezeichnungen wie Mordwall, Paddenpfuhl und Froschteich wussten die Bewohner auch gleich, welche örtliche Bestimmung gemeint war. Zur Geschichte des Ortes ist in der Chronik zu lesen, dass Presenchen 1589 nachweislich dem Herr von Minckwitz und Söhnen gehörte, bis es ab 1667 als Vorwerk zur Standesherrschaft Drehna gezählt wurde. Der Name Karl von Wätjen konnte von 1921 bis zur Enteignung 1946 als Besitzer in die Chronik eingetragen werden.
In Presenchen befanden sich ein Gutshaus und Stallanlagen. Ebenso eine Schäferei, in der bis zu 15 Personen wohnten. In den 60-er Jahren wurde die Schäferei zu Rinderstallungen umgebaut. Das zum Gut gehörende Vorwerk bestand aus 104 Hektar Acker und Wiesen sowie 14 Hektar Wald. Die Fischwirtschaft Drehna betrieb in den Presenchener Teichen intensive Fischzucht.
Der gesellschaftliche Mittelpunkt war unter anderem das „Gasthaus zur Linde“ . Es war 1927 eröffnet worden und hatte bis zu seiner Schließung im Jahre 1956 als Dorf-Treffpunkt gedient. Ab 1960, nach dem Umbau zum Konsum, traf sich die Bürger dann in den Gasträumen zum Einkauf wieder. Geselliges Leben in der Dorfgemeinschaft ist bei den traditionellen Ereignissen, wie Zampern, Fastnacht und der Kirmes gepflegt worden.
In Presenchen hatten die 111 Bewohner, Stand 1965, ihre Arbeit im Ackerbau und in der Viehzucht. Auch für die Kinder war gesorgt. So erhielten die Jüngsten während der Erntezeit im Kindergarten liebevolle Betreuung. Eingerichtet war er in den Nebenräumen der einstigen Gaststätte. Dadurch konnten die Eltern während der Ernte auf den Feldern der 1953 gegründeten LPG ungestört arbeiten.
Der Ort hatte auch seine eigene Freiwillige Feuerwehr. Kirche und Schule waren nicht in Presenchen, diese mussten in Schlabendorf besucht werden.