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Amt Dahme
14 Feuerwehren im Brautschatz

Karsten Schmidt ist Feuerwehrchef in einem Riesenamt, das ein Viertel der Fläche von Teltow-Fläming einnimmt.
Karsten Schmidt ist Feuerwehrchef in einem Riesenamt, das ein Viertel der Fläche von Teltow-Fläming einnimmt. FOTO: Carmen Berg / LR
Dahme. Nach Ehe mit dem Niederen Fläming stellen sich im größten Amt Brandenburgs Retter neu auf. Von Carmen Berg

Mit dem Beitritt der Gemeinde Niederer Fläming ist das Amt Dahme das größte Amt im Land geworden. 450 Quadratkilometer umfasst das neue Gebilde. In etwa verdoppelt hat sich die Zahl der Feuerwehren. Zu 15 Ortswehren im alten Amt kommen 14 dazu, die nun zusammenwachsen müssen. Erste Schritte seien gemacht, sagt Amtsbrandmeister Karsten Schmidt.

Die Freiwilligen haben bereits eine neue Führung. Dem Amtsbrandmeister aus Dahme steht als erster Stellvertreter Nico Rudolph zur Seite, der frühere Feuerwehrchef des Niederen Fläming. Zweiter Stellvertreter ist Nico Richter, Ortswehrführer in der Kernstadt. Zudem habe der Partner mit André Jurk einen kompetenten Feuerwehrmann in die Verwaltung eingebracht, sagt Karsten Schmidt. Jurk ist Zugführer in der Brandschutzeinheit von Teltow-Fläming.

Eine Herausforderung wird es, künftig alle Ortswehrführer zur Beratung an einen Tisch zu bekommen, räumt der Amtsbrandmeister ein. Immerhin müssten sich statt 15 jetzt fast 30 Ortschefs und deren Vertreter versammeln. Vorgeschlagen wird die Aufgliederung in drei Wirkungsbereiche. In diesem Monat sollen die Strukturen mit allen Ortswehrführern beraten werden, kündigt Karsten Schmidt an. Stimmt die Basis zu, könnten Dahme, Hohenseefeld und Werbig die drei Zentren werden. Die Bereichsleiter würden Brücke zwischen Ortswehren und Führung sein. „Einmal im Jahr soll es eine Jahreshauptversammlung mit allen Kameraden aus dem Amt geben“, sagt Karsten Schmidt.

Es wird dafür ein großer Saal gebraucht. Das alte Amt Dahme bringt rund 350 Kameraden, davon 250 Aktive, mit. „Diese Zahl wird sich nun verdoppeln“, schätzt der Amtsbrandmeister ein.

Neben dem Personal müssen die Haushalte beider Partner verschmolzen und der Gefahrenabwehr-Bedarfsplan angepasst werden, der für das alte Amt bis zum Jahr 2022 vorliegt. Der Plan beschreibt, was an Fahrzeugen, Ausstattung und Gerätehäusern notwendig ist. Ab März sollen die Wehren des Niederen Fläming daraufhin abgeklopft werden.

In Sachen Technik hat eine Drehleiter für den Amtsbrandmeister Priorität. Karsten Schmidt hofft auf eine Lösung möglichst vor 2020. „Unser Amt nimmt ein Viertel der Fläche von Teltow-Fläming ein, das ist eine neue Dimension“, sagt er. Zudem steige die Zahl der Einsätze. Schon im Januar mussten bei zwei von zwölf Einsätzen in Dahme Drehleitern von Nachbarn angefordert werden. „Bis die Leiter aus Jüterbog da ist, dauert es 30 Minuten. Aus Luckau geht es etwas schneller. Aber 17 Minuten beträgt statistisch die Überlebenschance bei einem Feuer“, so der Amtsbrandmeister.

Er verteidigt die Strategie im Amt, dort in die Wehren zu investieren, wo die Einsatzbereitschaft gegeben ist. Von ehemals 22 Ortswehren sind im alten Amt 15 übrig, die anderen sind größtenteils Traditionswehren geworden. Die jüngste Wehr ist die der Kernstadt mit einem Durchschnittsalter von 33 Jahren, dem stehen kleine Ortswehren mit durchschnittlich 46 Jahren gegenüber. Etwa 90 Prozent der Freiwilligen arbeiten nicht am Wohnort.

Neben dem demografischen Wandel macht die sinkende Bereitschaft zur Ausbildung Sorgen, ergänzt der Amtsbrandmeister. Die Analyse für das Alt-Amt ergab, dass von 350 Aktiven nur 250 die erforderliche Grundausbildung hatten. Um gegenzusteuern, wird im dritten Jahr die Truppmannausbildung, die jeder Aktive durchlaufen muss, vor Ort in Dahme organisiert. Seit zwei Jahren nehmen daran auch Kameraden aus dem Niederen Fläming teil. Momentan läuft ein Kurs inklusive Funkausbildung und Erster Hilfe für 22 Feuerwehrmänner und -frauen, so der Amtsbrandmeister.

Die Personaldecke wird dünner, die Aufgabenfelder werden größer, beschreibt er den Spagat. Zunehmend müssten die Freiwilligen helfen, wo es nicht ihre ureigene Aufgabe ist. Als Beispiel nennt er Tragehilfe, wenn Rettungssanitäter allein nicht zurechtkommen. Lösungen zu finden, damit Feuerwehr auch künftig funktioniert, könne nicht allein Aufgabe der Kommunen sein. „Wir brauchen ein Brand- und Katastrophenschutzgesetz, das den veränderten Bedingungen Rechnung trägt“, fordert Dahmes Feuerwehrchef.