| 14:00 Uhr

Weltmeister aus Luckau verführt Süddeutschland
Spitzenkonditor mit Genuss-Botschaft

Luckau/Weinheim. René Klinkmüllers Wissen über die Kunst der süßen Feinbäcker-Verführung ist erstmals in Weihnheim gefragt. Im Januar plaudert er an der Akademie des deutschen Bäckerhandwerks in Baden-Württemberg aus dem Nähkästchen. Beate Möschl

Er ist Chefpatissier der deutschen Nationalmannschaft der Köche und hat schon zwei Weltmeistertitel mit der Mannschaft geholt. Das Wissen und Können des Luckauer Konditormeisters René Klinkmüller ist gefragt. Im Januar weiht er erstmals in Weinheim Fachkollegen aus dem süddeutschen Raum in die Kunst der süßen Verführung ein, bei einem Zwei-Tage-Seminar an der Akademie des deutschen Bäcker-Handwerks. Am 17. und 18. Januar wird der Luckauer dort Grundlagen der französischen Patisserie, die Herstellung von Tortelettes und Cremeuxe, Kuvertüre Dekor und der Herstellung von Desserts vermitteln, Tipps geben, wie sie die süße Passion in die eigene Produktion integrieren können und die Ergebnisse gut in Szene setzen. Die Kenntnisse hat er sich während seiner Lehrzeit in Luxemburg, Frankreich und Deutschland angeeignet und seitdem mit Passion vervollkommnet, immer wieder Preise bei nationalen und internationalen Wettbewerben abgeräumt und vor allem viele köstliche Kreationen und Esprit in die elterliche Backstube in Luckau einziehen lassen, wo jeder Kunde den Feinschmecker in sich entdecken kann.

Der 33jährige gelernte Bäcker, Konditor, Konditormeister und Betriebswirt des Handwerks gibt sein Wissen und seine Erfahrungen gerne weiter. Auch an Hobby-Bäcker.

In Weinheim geht es darum, Fachkollegen nicht einfach nur Tricks und Kniffe zu vermitteln, sondern sie zu inspirieren, wie der Luckauer sagt, der trotz seines fast schon Promi-Status’ sehr bodenständig und bescheiden bleibt. Die Bäcker-Akademie schlägt da schon lautere Töne an. Wenn sie auf ihrer Internet-Seite für das Seminar „Sweet Passion II - Next Generation“ mit René Klinkmüller wirbt, dann liest sich das so: „Französische Patisserie auf höchstem Niveau. Durch die Erfahrung von zehn Jahren Wanderschaft bringt René Klinkmüller sehr viel Know-how und Sehenswertes mit. Durch seine Aufgabe als Chefpatissier der deutschen Nationalmannschaft der Köche sieht er ständig neue Trends auf der Welt.“ Für das Seminar sind nur noch wenige Plätze frei.

Noch steckt der Luckauer Spitzenkonditor gemeinsam mit seinem Vater und Gründer des Luckauer Familienbetriebes, Werner Klinkmüller, und den elf Beschäftigten mitten im Weihnachtsgeschäft. Die letzten Weihnachtsstollen sind pünktlich verschickt worden. „Bestellungen kommen aus Berlin, Stuttgart, dem Hamburger Raum und Dresden. Dass unser Stollen auch in Sachsens Landeshauptstadt begehrt ist, macht mich besonder stolz“, sagt er.

Nach dem Fest ist vor dem Fest in Klinkmüllers Back-Café. Eine Jahresendpause gibt es nicht. „Silvester ist bei uns ein ganz heißes Thema geworden über die Jahre. Da ist bei uns die ganze Theke voll mit Dessertörtchen, so wie am 24. Dezember, und mit 15 bis 20 Sorten Pfannkuchen, die wir schön bunt verzieren“, erzählt er. Vor vier Jahren haben die Klinkmüllers damit angefangen und prompt den Nerv der Kunden getroffen. Die stehen Schlange nach diesen ganz besonderen Genüssen. „Das gibt es bei uns nur zwei Mal im Jahr, am 11.11. und am 31.12.“, sagt René Klinkmüller und lässt beim Aufzählen der Silvester-Pfannkuchen-Variationen schon mal den Zahn tropfen: Prosecco-Erdbeer, Eierlikör-Birne, Bratapfel, Tiramisu, Topfenstrudel... „Der einzige traditionelle Pfannkuchen dazwischen ist der mit Pflaumenmus“, so René Klinkmüller. Und er wäre nicht der Kreative, wenn er nicht auch bei den Silvester-Pfannkuchen jedes Jahr eine Neuheit in petto hätte. Diesmal sind es gleich zwei: die Variationen .Haselnuss-Himbeer und Kirsch-Nugat.

Inspirationen und kreative Ideen holt sich der Luckauer auf seiner „Wanderschaft“ bei Wettbewerben, Weltmeisterschaften, bei Seminaren der Handwerksorganisation vor Fachkollegen, die er bereits in Chemnitz, Dresden, Nürnberg und Berlin gehalten hat, durch sein ehrenamtliches Engagement und natürlich beim Backen und Plausch mit Kunden zu Hause in Luckau.

Probleme damit, dass ihm jemand etwas abschauen könnte, wenn er sogar die Rezepturen offen legt, hat der Luckauer nicht. „Ich rate in meinen Seminaren immer, nicht einfach nachzumachen, sondern Anregungen aufzunehmen und daraus eine ganz eigenen Stil zu entwickeln, eine eigene Handschrift“, sagt er. Nach Weinheim im Januar ist Chemnitz die nächste Seminar-Station. Dort dreht sich im Februar dann alles um Zucker.

René Klinkmüller belegte 2008 den achten Platz bei der Konditoren-Weltmeisterschaft in Lissabon. 2014 holte er mit der Nationalmannschaft des Verbandes der Köche Deutschlands in Luxemburg Doppelgold. Seine Aufgabe bestand damals in der Kreation von Pralinen und Petit Fours für kalte Platten. 2016 holte er mit der Mannschaft Doppelgold bei der Olympiade der Köche in Erfurt. Seine Stadt hat ihn dafür gefeiert. René Klinkmüller ist ein besonderer Genuss-Botschafter seiner Stadt und des Bäcker- und Konditoren-Handwerks.

Mit seinem Faible hat er längst die junge Generation angesteckt. Azubis des Familienbetriebes gehören zu den Besten bei Landes- und Bundeswettbewerben. Seit 2012 ist René Klinkmüller Vorsitzender des Prüfungsausschusses der Handwerkskammer Cottbus. 2009 trat er einer speziellen Vereinigung kreativer junger Menschen seines Fachs bei, dem CondiCreativClub. Seit 2014 ist er Vorsitzender des Vereins mit 60 Mitgliedern aus ganz Europa. Dem Luckauer kann man getrost zutrauen, in einem traditionellen Handwerk, in dem schon alles ausgereizt zu sein scheint, noch etwas Neues zu erfinden. „Ausgeschlossen ist nichts“, sagt er mit einem spitzbübischen Lächeln.