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| 17:39 Uhr

Europäische Löschflugzeugstaffel
Die Löschflieger hätten Landerecht

 Senftenbergs Bürgermeister Andreas Fedrich erlärt seiner Welzower Amtskollegin Birgit Zuchold (l.), dem Landtagsabgeordneten Ingo Senftleben (2.v.l.), dem EU-Parlamentarier Christian Ehler (2.v.r.) und THW-Präsident Albrecht Broemme (r.), was im Gewerbegebiet am Sedlitzer See geplant ist.
Senftenbergs Bürgermeister Andreas Fedrich erlärt seiner Welzower Amtskollegin Birgit Zuchold (l.), dem Landtagsabgeordneten Ingo Senftleben (2.v.l.), dem EU-Parlamentarier Christian Ehler (2.v.r.) und THW-Präsident Albrecht Broemme (r.), was im Gewerbegebiet am Sedlitzer See geplant ist. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Senftenberg/Welzow. THW-Präsident Albrecht Broemme bestärkt Senftenberg und Welzow in ihrer Idee. Von Annett Igel-Allzeit

In Brüssel wird am Aufbau von Reserven zur europaweiten Waldbrandbekämpfung gearbeitet. Neue Löschflugzeuge sind im Gespräch. Die Städte Welzow und Senftenberg dürfen hoffen, dass die Löschflugzeugstaffel, die nördlich der Alpen fehlt, am Sedlitzer See und am Verkehrslandeplatz Welzow stationiert wird.

An einem aufgerollten Plan vorm See erläutert Senftenbergs Bürgermeister Andreas Fedrich (SPD), was er im Gewerbegebiet Nordufer Sedlitzer See plant. Auf 30 Hektar sollen sich wasseraffine Dienstleister und Produktionen ansiedeln. Das Ufer ist abgesperrt, ein Betreten verboten. Radsportler sprinten am Schotterplatz vorbei. Fünf bis sechs Meter soll das Wasser noch steigen. Das werde weitere fünf Jahre dauern. 2018 musste der Zulauf ausfallen. Die Zahl der ansiedlungswilligen Firmen schwanke zwischen zehn und 15. Die Stadt Senftenberg ist Eigentümer des Geländes.

Löschfahrzeugstaffel als Vorhaben zur Bewältigung des Strukturwandels

Womit Fredrich den EU-Parlamentarier Christian Ehler (CDU) und Albrecht Broemme, Präsident der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW), am Freitagmittag locken kann, ist das Flug- und Landerecht, das sich Senftenberg neben dem Planungsrecht bereits 2004 gesichert hat. Das wirft Welzow/Senftenberg in der Liste geeigneter Standorte für eine europäische Löschflugzeugstaffel ganz nach vorn. Dabei war in der jüngsten Welzower Stadtverordnetenversammlung missmutig zur Kenntnis genommen worden, dass das Bekanntwerden der Idee Begehrlichkeiten in westdeutschen Bundesländern weckt.

Die Welzower Stadtverordnete Hannelore Wodtke (Grüne Zukunft Welzow) hatte als Mitglied der Kommission Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung (Kohlekommission) die Löschflugzeugstaffel als ein Vorhaben zur Bewältigung des Strukturwandels in die Bundeskommission eingebracht.  Beim Treffen mit dem EU-Abgeordneten Ehler hält sich die grüne Politikerin im Hintergrund. Im Januar hatte sie als „einzige Gegenstimme“ zum Abschlussbericht der Kohlekommission für Wirbel gesorgt. Sie will nicht, dass Proschim und Teile Welzows abgebaggert werden. Für ihre Idee mit der Löschflugzeugstaffel hat sie Mitstreiter gefunden. „Es war gut, dass ich sie als Maßnahme eingebracht habe“, sagt sie. Und Welzows Bürgermeisterin Birgit Zuchold (SPD) hielt Ausschau nach Partnern auf der Bundesebene und findet bei Ehler ein offenes Ohr.

 THW-Präsident Albrecht Broemme schaut anerkennend über den Sedlitzer See. Aus Hessen stammt er und ist nicht fremd in der Lausitz: Hochwassereinsätze in Elbe-Elster, zählt er auf, den Besuch der Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule Sachsen in Nardt in der Gemeinde Elsterheide, Verwandtschaft in Lauchhammer. „Ich bin jemand, der sich ein Bild machen muss. Deshalb folgte ich Ehler nach Welzow. Was ich hier sehe und höre, überzeugt mich. Dass sogar das Landerecht vorliegt, ist ein großer Vorteil.“ Und der Verkehrslandeplatz Welzow ist nur wenige 100 Meter entfernt.

Gute Erfahrungen mit Brandbekämpfung aus der Luft

In Italien, Frankreich und Griechenland gibt es Löschflugzeugstaffeln. „Zwar haben wir bei uns noch keine Waldbrände in Größenordnungen wie in Spanien oder Portugal, aber im Klimawandel müssen wir damit rechnen. Je schneller und wirkungsvoller ein Feuer bekämpft wird, desto größer sind die Chancen, Schäden von Menschen, Natur, Infrastruktur und Wirtschaftsgütern abzuwenden.“

Dass in der DDR gute Erfahrungen mit der Brandbekämpfung aus der Luft gemacht wurden – Welzows Stadtbrandmeister Bernd Aßmus erinnert gern daran – weiß Broemme. „Die Agrarflugzeuge damals sind zwar kleiner gewesen, aber das Prinzip hat funktioniert.“ Bei den modernen Löschfliegern unterscheide man Flugzeuge, die an Land Wasser tanken, und Wasserflugzeuge, die im Tiefflug aus einem Gewässer Wasser aufnehmen. „Letztere haben Löschwassertankvolumen von bis zu zwölf und gar bis zu 20 Kubikmeter“, sagt Broemme.

„Aber beschaffen muss sie Europa.“ Er rät Fredrich, fürs Gewerbegebiet Firmen anzusprechen, die gelegentlich Flieger brauchen. Bürgermeisterin Zuchold nickt. „Für autonome Mobilität könnte hier ein Testgebiet entstehen“, schlägt sie vor. Erforscht wird neben dem autonomen Fahren längst autonomes Fliegen und Schippern. Und Forschungseinrichtungen will Fredrich ohnehin an den Sedlitzer See holen.

 Am Sedlitzer See wäre Platz für die Löschflugzeugstaffel: Birgit Zuchold (l.), Ingo Senftleben (2.v.l.), Andreas Fredrich (3.v.l.), Christian Ehler (2.v.r.), Albrecht Broemme (r.)
Am Sedlitzer See wäre Platz für die Löschflugzeugstaffel: Birgit Zuchold (l.), Ingo Senftleben (2.v.l.), Andreas Fredrich (3.v.l.), Christian Ehler (2.v.r.), Albrecht Broemme (r.) FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit