Ich finde, Herr Lütke-Schwienhorst äußert sich zur Lage der Landwirtschaft infolge des Klimawandels noch äußerst zurückhaltend.

Es ist doch unverständlich, wie sorglos die Menschen und Kinder und auch viele Politiker auf die bereits deutlich sich abzeichnenden Folgen allein für die Landwirtschaft und gar für die Existenz der Menschheit reagieren.

Ein Beispiel: Da lehnt der Verkehrspolitiker Oliver Wittke (CDU) ein Tempolimit ab („Gegenwind für Tempo-130-Idee“, LR vom 28. Dezember 2019), weil damit die Freiheit der Menschen eingeschränkt würde. Wie vernagelt muss dieser Mensch sein?!

Was ist für ihn Freiheit? Die Freiheit wegen immer höherer Co2-Emissionen die Welt zu Grunde zurichten, oder dass wegen Verkehrsraserei immer wieder viele Menschen auf den Autobahnen sterben?

Freiheit kann letztlich doch nur realisiert werden, wenn auch zielgerichtet Gebote oder Verbote erlassen werden.

Die Beispiele, wie Politiker wegen Ignoranz oder weil sie sich gegenüber anderen Parteien profilieren wollen, oder was noch schlimmer ist, weil sie sich den Konzernen anbiedern, ließe sich beliebig fortsetzen.

Um bei den Gebieten zu bleiben: Dem Landwirt werden aus Brüssel zum Teil mit Recht, zum Teil aber auch aus übertriebener und unwissenschaftlicher Bürokratie Verbote und Vorschriften erteilt, die eine rentable Landwirtschaft immer schwieriger machen.

Die Preise, die die Bauern für ihre Produkte erhalten, werden durch die Preisunterbietung der großen Handelsketten immer geringer. Wenn der landwirtschaftliche Betrieb rentabel bleiben soll, muss das unter anderem über die Masse realisiert werden, was unter Umständen zu den bekannten negativen Auswirkungen führt (Gülle, Nitrat).

Mit dem Slogan „Hin zu Bio“ ist das Problem nicht zu lösen, solange die Menschen billig einkaufen wollen.

Ein sicher nicht ganz realistischer Gedanke meinerseits: So wie deutsche Bürger Hartz IV und Mindestlohn erhalten, müssten die Bauern (...) einen Mindestpreis erhalten, der an die Verbraucher weitergegeben wird.

Aber das ist wohl unmöglich?! Wir leben im Kapitalismus und die Konzerne haben das Sagen und nicht unsere Politiker – egal ob CDU, SPD oder eine andere Partei –, die meist nur gegeneinander und nicht miteinander agieren.

Also sägen wir weiter an dem Ast, auf dem wir sitzen.

Helga Salk, Cottbus