ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:25 Uhr

Finanzen
Kulturstiftung soll für Einigung mit Christ zahlen

Der frühere Cottbuser Generalmusikdirektor Evan Christ.
Der frühere Cottbuser Generalmusikdirektor Evan Christ. FOTO: Marlies Kross
Cottbus. Hinter den Kulissen von Theater und Museum rumort es.

Ende November kommt der Stiftungsrat der Brandenburgischen Kulturstiftung Cottbus-Frankfurt (Oder) zusammen. Schon im Vorfeld wird dabei vor allem eine Frage heiß diskutiert: Wer zahlt für die Konsequenzen aus dem großen Theaterkrach.

Bisher ist nämlich ungeklärt, wer die finanziellen Folgen der Einigung im Streit zwischen der Stiftung und dem früheren Generalmusikdirektor Evan Christ trägt. Über die Details der Einigung hatten beide Parteien Stillschweigen vereinbart, in der Stadt ist gerüchtehalber die Rede von 600 000 Euro, die Evan Christ für sein vorzeitiges Ausscheiden zugesprochen wurden. Ursprünglich hatte Christ einen Vertrag bis 2024 in Cottbus.

Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD) hatte stets zugesichert, dass keine Kürzungen am Etat des Staatstheaters geplant seien, niemand also wegen der Einigung mit Christ Angst um seinen Job haben müsse. Auf RUNDSCHAU-Nachfrage erklärt das Ministerium, dass der Stiftung für das laufende Geschäft im kommenden Jahr sogar mehr Mittel zur Verfügung stünden als zuvor: Im aktuellen Haushaltsjahr gibt es aus öffentlichen Zuwendungen aus Landes-, kommunalen und Mitteln des Brandenburgischen Finanzausgleichsgesetzes 22 765 600 Euro. Für das Haushaltsjahr 2019 liegt die Summe, inklusive der Zuwendungen der Städte Cottbus und Frankfurt (Oder) voraussichtlich bei 24 749 400 Euro.

Klingt gut, hat aber einen Haken. „Da die Stiftung nächstes Jahr im laufenden Geschäft entlastet wird, bietet es sich an, die Kosten für die Abfindung aus den gebildeten Rück­lagen zu nehmen“, so ein Ministeriumssprecher. Über die Höhe der gebildeten Rücklagen macht er keine Angaben. In Cottbus aber sorgt dieser Plan für Missstimmung: Das Geld, das Landesmuseum und Theater in den vergangenen Jahren eingespart haben, würde ihnen jetzt als Konsequenz der Personalquerelen verlorengehen.

Im Zuge der Auseinandersetzung um den Führungsstil des Generalmusikdirektors Evan Christ hatte auch der Geschäftsführende Verwaltungsdirektor Martin Roeder seinen Hut nehmen müssen. Der Grund dafür sei „das zerstörte Vertrauensverhältnis zwischen dem Stiftungsrat und Martin Roeder nach den Vorgängen der vergangenen Wochen am Staatstheater Cottbus“, so die damalige Erklärung des Kulturministeriums. Über finanzielle Konsequenzen aus seinem Rauswurf schweigt sich das Ministerium bis heute aus. „In der Angelegenheit ist ein Bühnenschiedsgerichtsverfahren anhängig. Im Hinblick auf dieses laufende Verfahren können wir dazu keine weiteren Auskünfte geben“, so ein Ministeriumssprecher.

Hinter den Kulissen des Theaters brodelt es allerdings: Dort fürchtet man, dass eine gerichtliche Einigung mit Roeder ebenfalls viel Geld kosten wird, schlimmstenfalls wieder zulasten der Stiftung.

Das letzte große Fragezeichen steht hinter dem Rücktritt des langjährigen Intendanten Martin Schüler, der das Staatstheater zum Ende der Spielzeit verlassen hat. Zu welchen Konditionen er seinen Stuhl geräumt hat, wird in Theater und Museum heiß debattiert, offizielle Aussagen dazu fehlen.

In der nächsten Stiftungsratssitzung werden diese Fragen wie auch die Finanzierungsvorschläge des Ministeriums diskutiert. In dem Gremium sitzen Vertreter der Städte Cottbus und Frankfurt (Oder), ein Mitglied des Landtages Brandenburg, jeweils ein Mitglied der Stadtverordnetenversammlungen Cottbus und Frankfurt (Oder) sowie Vertreter von Kultur- und Finanzministerium.