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Kritik an Wolfsmanagement
Verderben viele Köche den Brei?

Haben ein eigenes Management - Wölfe in der Lausitz.
Haben ein eigenes Management - Wölfe in der Lausitz. FOTO: Alexander Heinl / dpa
Weißwasser/Hoyerswerda. Der Landesrechnungshof kritisiert das Wolfsmanagement des Freistaates Sachsen. Das zuständige Ministerium räumt Optimierungspotenzial ein. Von Uwe Menschner

Der Sächsische Landesrechnungshof bemängelt in seinem Prüfbericht des Jahrgangs 2017 die gegenwärtige Struktur des Wolfsmanagements im Freistaat Sachsen. Nach Auffassung der Prüfbehörde sind zu viele – nämlich elf – Beteiligte mit den Aufgaben zur Überwachung und zum Schutz der Wolfspopulationen im Freistaat befasst.

Das sächsische Wolfsmanagement teilt sich in drei Kernbereiche auf: Monitoring/Forschung, Öffentlichkeitsarbeit sowie Schadensprävention, -begutachtung und -ausgleich. Insbesondere bei Letzterem zeigt sich die Aufsplitterung der Verantwortlichkeiten: Für die Begutachtung sind die Wolfsbeauftragten der Landratsämter zuständig. Die Bewertung der Schadenshöhe nimmt das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) vor. Die Regulierung erfolgt über die Landesdirektion. Zusätzlich kommen – unter anderem – der Staatsbetrieb Sachsenforst als Jagdbehörde, das Wildbiologische Büro Lupus, das Kontaktbüro Wolfsregion und das Senckenberg-Museum für Naturkunde Görlitz ins Spiel.

Mehr Aufgaben bündeln

Der Landesrechnungshof regt in seinem Bericht an, mehr Aufgaben des Wolfsmanagements beim LfULG zu bündeln. Dazu zählen die Förderung von Nutztierhaltern bei Schutzmaßnahmen gegen den Wolf, die Gewährung des Schadensausgleichs und die Öffentlichkeitsarbeit einschließlich der Beratung, Information der Nutztierhalter sowie die Abstimmung mit den Landkreisen/Kreisfreien Städten bei der Erteilung von Befreiungen im Vollzug artenschutzrechtlicher Bestimmungen – im Klartext Abschussgenehmigungen. Das Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) erhalte dadurch mehr Kapazitäten für die „strategische Steuerung.“ Darüber hinaus regt die Prüfbehörde an, das Wildmonitoring, zu dem die Jäger gesetzlich verpflichtet sind, enger mit dem Wolfsmonitoring zu verknüpfen. Derzeit fehlten dafür noch die geeigneten Schnittstellen. Insgesamt wurden laut Prüfbericht zwischen 2010 und 2015 mindestens 2,2 Millionen Euro für Maßnahmen des Wolfsmanagements ausgegeben.

Zu stark auf Ostsachsen fixiert

Das SMUL räumt in seiner Stellungnahme ein, dass es Optimierungspotenzial gibt. So sei „die bisherige Struktur zu stark auf Ostsachsen fixiert. Mit der weiteren Ausbreitung der Wölfe in Sachsen stößt die gegenwärtige Struktur des Wolfsmanagements an ihre Grenzen.“ Zur künftigen Ausrichtung gebe es jedoch noch keine Entscheidung. Es werde geprüft, „Aufgaben und Mitarbeiter beim LfULG zu bündeln.“ Dies könnte einen Bedeutungsverlust für das Kontaktbüro Wolfsregion in Rietschen zur Folge haben, welches derzeit laut Managementplan die „Kernkompetenz“ für die Öffentlichkeitsarbeit inne hat und sich in Trägerschaft des Landkreises Görlitz befindet.

Das SMUL weist weiterhin darauf hin, dass Sachsen als erstes Bundesland „ein praxisnahes Wolfsmanagement“ habe entwickeln müssen, für das es kein Vorbild gab. Das Ministerium stellt in Aussicht, dass die Zuständigkeit für die Erteilung von Abschussgenehmigungen künftig von ihm auf die Landkreise und kreisfreien Städte übergehen könne. Dann könnte beispielsweise der Landkreis Bautzen in Fällen wie dem des Rosenthaler Rudels selbst über die „Entnahme aus der Natur“ entscheiden. Vorerst wolle man jedoch „aufgrund der politischen Bedeutung“ an der Zustimmungspflicht des SMUL festhalten.