Pläneschmied Egon Olson würde Beifall klatschen. Auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände von Lübbenau Autokino anzubieten, verspricht schon dank der Standortwahl ein großer Coup zu werden. Allein die Anfahrt hat Schauwert.
Es geht tief hinein ins ehemalige Kraftwerksgelände und damit auch in die jüngere Geschichte einer Stadt nahe des einstigen Tagebaugebiets. Das Tageslicht reicht am Abend, um die noch vorhandenen Industrieanlagen, die besondere Atmosphäre auf sich wirken zu lassen.
Wie in weiser Voraussicht hat das Team der Bunten Bühne Mitschnitte vergangener Sommertheater-Aufführungen anfertigen lassen sowie „Making-ofs“, die zeigen, wie die Theaterstücke produziert wurden. Es gibt also Vorzeigenswertes, mit dessen Vorführung die langjährige Sommertheater-Tradition auch im Jahr der Pandemie fortgesetzt werden kann.
Rechtzeitig genug hat sich die Mannschaft um Theaterleiter Matthias Härtig so entschieden und sich gekümmert. Dabei beeindruckt auch die dahinter stehende künstlerische Haltung: Theater vor Publikum, das mit Atemschutzbehelfsmaske nur jeden dritten Platz einnehmen darf, ist sinnlos.
Gerade das Lübbenauer Sommertheater ist das Gegenteil von Abstandhalten, die Nähe von Schauspielern und Besuchern ganz wichtig, auch die Nähe der Besucher untereinander, die nonverbale Kommunikation während der Aufführung.
Es ist ein wenig so wie in der Schule. Auch hier setzt sich die Erkenntnis durch, dass der Unterrichtsbetrieb nur gut funktioniert, wenn zwischen Lehrer und Schüler die Distanz nicht zu groß ist, Interaktion möglich ist.
Klar scheint aber auch: Autokino in Lübbenau dürfte keine allzu lange Zukunft haben. Regelmäßig Top-Filme von Verleihern zu bekommen und sie täglich zu zeigen, ist noch mal etwas ganz anderes als Sommertheater im Autokino an ein paar Wochenenden. Es würde auf lange Sicht wohl auch am Publikumsinteresse fehlen für Autokino. Wofür es aber wohl noch Interesse geben würde, wäre gerade an diesem Standort Filmmaterial zu sehen über die Kraftwerksgeschichte.