Der Cottbuser Energieexperte Prof. Harald Schwarz warnt vor den Folgen eines gleichzeitigen Kohle- und Atomausstiegs. Auch unter besten Bedingungen, so der BTU-Professor, sei der wachsende Energiebedarf des Landes nicht zu decken. Dennoch, so sagt Schwarz, müsse es gelingen, den Ausstoß an Kohlendioxid deutlich zu senken.

Engpässe werden spürbar sein

Im Rahmen einer Ringvorlesung an der Cottbuser Universität sagte der Lehrstuhlinhaber: „Noch ist es zu früh, aber in einem, zwei oder drei Jahren werden die Engpässe spürbar.“ Dann könne man die Diskussion um eine weitere Braunkohleverstromung wieder aufgreifen und nach neuen Wegen der CO2-Abscheidung sowie der Speicherung oder Umwandlung des klimaschädlichen Gases suchen.

Schwarz warnt vor den Folgen von regenerativen Überschüssen aus Windkraft und Photovoltaik. „Wir reden von Phasen mit einer Überspeisung von hunderten Gigawattstunden.“ Im Vergleich dazu könne die Big Batterie der Leag nur 0,05 Gigawattstunden bringen.

Wasserstoff und Methan statt Windkraft

Er schlägt die verstärkte Nutzung von Wasserstoff und Methanisierung vor, um die Überkapazitäten sinnvoll zu nutzen. „Aber das hat die Wissenschaft schon vor 15, 20 Jahren vorgeschlagen und passiert ist seitdem nichts.“ Der notwendige Prozess der Elektrolyse sei immens teuer und müsste dringend vorangetrieben werden.

Massive Auswirkungen auf den Strompreis

Die Kosten dieser Entwicklungen würden sich nach seiner Einschätzung massiv auf den Strompreis auswirken. „Wenn wir 50 Cent für die Kilowattstunde zahlen wollen, ist dafür schon eine Menge machbar“, sagt der Energieexperte.

Trotz aller Bemühungen sieht Schwarz für die kommenden Jahre große Probleme, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Auch die oft als Lösung genannten Power to X-Anlagen, die einen stärkeren Beitrag zur gesicherten Stromversorgung leisten könnten, werden seiner Einschätzung nach erst in Jahrzehnten tatsächlich so einsetzbar, dass sie einen wirklichen Beitrag zur Energieversorgung leisten können.