ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:03 Uhr

Justiz in Cottbus
Prozess gegen rechten Kampfsportler verschoben

 Aus dem Gericht
Aus dem Gericht FOTO: LR / René Wappler
Cottbus/Spremberg. Weil das Gericht einen Fehler gemacht hat, wird das Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung erst im August fortgesetzt.

Brille und Bart, schwarzes Hemd und Jeans. So steht der Spremberger am Mittwochmorgen vor dem Eingang des Cottbuser Amtsgericht und wartet auf den Beginn seines Prozesses. Andy S. ist wegen schwerer Körperverletzung angeklagt. Er gehört zum harten Kern der rechten Kampfsportszene in der Lausitz.

Das Opfer der Tat wartet seit zweieinhalb Jahren auf diesen Tag. Der Mann aus Afghanistan möchte endlich abschließen und das Geschehen verarbeiten. Doch es kommt anders.

Der Beginn des Prozesses ist für 9.30 Uhr angesetzt. Die geladenen Zeugen und der Angeklagte werden allerdings nicht aufgerufen, Unruhe macht sich breit. Schließlich gibt eine Anwältin bekannt: „Es ist zu versehentlichen Fehlern gekommen, heute kann nicht verhandelt werden.“

Das Warten geht weiter. Zahlreiche Vertreter der Beratungsvereins Opferperspektive und anderer Organisationen sind angereist, um dem Opfer Beistand zu leisten. Der Mann hatte sich am 26. Dezember 2016 in Spremberg im Citybowling aufgehalten. Die Atmosphäre sei schon dort unangenehm gewesen, berichten Unterstützer. Er habe mit seinem Schwager das Bowling verlassen. Auf der Straße dann habe ein Auto hinter ihm und seinem Schwager gehalten. Ein Mann sei ausgestiegen und habe ihn geschlagen. Die Folge: Ein Kieferbruch, der bis heute Beschwerden bereitet.

„Das Opfer ist sich sicher, Andy S. als Täter erkannt zu haben“, sagt ein Vertreter der Opferperspektive. Er ist überrascht, dass nicht auch der Schwager des Opfers vor Gericht erscheinen soll. „Er ist der einzige wirkliche Tatzeuge, wurde aber wieder ausgeladen.“ Die Begründung ist offenbar der starke Hörfehler des Mannes – er kann nur von den Lippen seiner Frau ablesen.

„Trotzdem darf das doch kein Hindernis sein, ihn anzuhören“, so die Opferperspektive. Gehört wird an diesem Tag allerdings niemand. Um kurz vor 10 Uhr ruft das Gericht alle Beteiligten zusammen. Die Richterin verkündet: „Das Gericht hatte sich entschlossen, zwei Verfahren miteinander zu verbinden.“ Eine Verteidigerin des Angeklagten habe diesen Verbindungsbeschluss offenbar nicht erhalten. Die Folge: Der Prozess muss verschoben werden. Angesetzt ist dafür der 22. August.

Ein Vertreter der Opferperspektive sagt dazu: „Leider passiert es in Cottbus immer wieder, das Verhandlungen verschoben werden oder sich schlicht ewig hinziehen.“ Für die Opfer rechter Gewalt sei es belastend, wenn sie mit ihren Erlebnissen nicht abschließen können und den Tätern bei immer neuen Terminen begegnen müssen. „Außerdem profitieren die Täter von den langen Verfahrensdauern.“ Je mehr Zeit zwischen der eigentlichen Tat und dem Urteil vergeht, umso niedriger die Strafe.

„Durch die lange Verfahrensdauer werden die Täter bestätigt, die nur milde oder gar keine Strafen zu erwarten haben.“

Vor einem Monat war ein Prozess vor dem Cottbuser Landgericht mit einer Bewährungsstrafe zu Ende gegangen. Der Täter hatte unter anderem eine 70-jährige Frau und ihren Enkel mit Heil-Hitler-Rufen angepöbelt und sie dann geschlagen. Der Enkel erlitt dabei eine Platzwunde am Ohr, die Frau musste wegen ihrer Verletzungen fünf Tage ins Krankenhaus.

Die Justiz benötigte zur Sanktionierung der Tat über sieben Jahre.

(hil)