ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:37 Uhr

Was Jugendliche von Politik erwarten
Zwölftklässler quetschen Direktkandidaten aus

 Alina (18), Philipp (17) und ihre Mitschüler diskutieren mit Hoyerswerdas Direktkandidaten Ralph Büchner (57, Linke), Lukas Mosler (22, Grüne), Frank Hirche (57, CDU), Kevin Stanulla (45, SPD), Dirk Nasdala (53, Freie Wähler) und Karsten Hilse (54, AfD), der nicht im Bild ist.
Alina (18), Philipp (17) und ihre Mitschüler diskutieren mit Hoyerswerdas Direktkandidaten Ralph Büchner (57, Linke), Lukas Mosler (22, Grüne), Frank Hirche (57, CDU), Kevin Stanulla (45, SPD), Dirk Nasdala (53, Freie Wähler) und Karsten Hilse (54, AfD), der nicht im Bild ist. FOTO: LR / Rita Seyfert
Hoyerswerda. Alina (18) vom Lessing-Gymnasium macht am kommenden Wahlsonntag das erste Mal ihr Kreuz. Bei der Podiumsdiskussion zur Landtagswahl stellen sich Hoyerswerdas Direktkandidaten den Fragen der Erstwähler. Von Rita Seyfert

Ihre Porträts und Slogans prangen dieser Tage überall von den Laternen. Beim Jugendwahlforum am 22. August saßen Hoyerswerdas Direktkandidaten dafür ganz in Fleisch und Blut vorm Publikum. Es war also die Gelegenheit, die Politiker eine Woche vor der Landtagswahl mal in die Mangel zu nehmen. Und die jungen Leute nutzten ihre Chance.

Fürs Erste war aber Zuhören angesagt. Eine Sanduhr in die Luft haltend, brachte zunächst nur Moderator Christian Völker-Kieschnick seine Fragen an den Mann, oder besser gesagt, die Politiker: Lukas Mosler (22, Grüne) als Vertretung für den abwesenden Tom Vetter (24, Grüne), Frank Hirche (57, CDU), Ralph Büchner (57, Linke), Dirk Nasdala (53, Freie Wähler), Karsten Hilse (54, AfD), Kevin Stanulla (45, SPD) vorne auf dem Podium hatten jeweils 30 Sekunden Zeit, um sich vorzustellen.

 Hoyerswerdas Direktkandidaten stellen sich vor: Lukas Mosler (22, Grüne), Frank Hirche (57, CDU), Ralph Büchner (57, Linke), Dirk Nasdala (53, Freie Wähler), Karsten Hilse (54, AfD) und Kevin Stanulla (45, SPD).
Hoyerswerdas Direktkandidaten stellen sich vor: Lukas Mosler (22, Grüne), Frank Hirche (57, CDU), Ralph Büchner (57, Linke), Dirk Nasdala (53, Freie Wähler), Karsten Hilse (54, AfD) und Kevin Stanulla (45, SPD). FOTO: LR / Rita Seyfert

Und wie im Wahlkampf üblich, spulten sie nicht nur ihren Politik-Sprech ab, sondern es wurde auch rhetorisch eloquent gedisst, geschmäht und ausgegrenzt. Die Vorstellungsrunde traf den Nerv der Jugendlichen nur teils. Zumindest fanden die Zwölftklässler vom Lessing-Gymnasium den Auftakt zwar gut. Viele blieben aber erst mal auf ihren Fragen sitzen.

Das Ziel war es, dass die jungen Erstwähler selber auf die Politiker zugehen. Sozialarbeiterin Nancy Hauke, Mitarbeiterin beim Internationalen Bund, hat die Veranstaltung gemeinsam mit dem Jugendstadtrat organisiert: „Die Podiumsrunde sollte einen Anstoß liefern, um die Sache ins Rollen zu bringen“, erklärt sie. Und so dauerte es keine 15 Minuten, bis sich zwischen den Schülern und Direktkandidaten ein lockeres Gespräch entspann.

Philipp (17) ist einer derjenigen, der die Initiative ergriff. „Mich interessiert, was die verschiedenen Politiker speziell für die Region machen wollen“, sagt er. Vor allem wolle er wissen, ob und wie sie das Schulsystem verändern wollen. „Der Unterricht ist viel zu lebensfremd“, findet er. So würde er beispielsweise auch gerne lernen, wie man eine Steuererklärung macht oder eine Wohnung mietet und mit seinem Haushalt klar kommt.

 Alina (18, links) und ihre Mitschüler diskutieren mit Hoyerswerdas Direktkandidaten Ralph Büchner (57, Linke), Lukas Mosler (22, Grüne), Frank Hirche (57, CDU), Kevin Stanulla (45, SPD), Dirk Nasdala (53, Freie Wähler). Karsten Hilse (54, AfD) ist nicht im Bild.
Alina (18, links) und ihre Mitschüler diskutieren mit Hoyerswerdas Direktkandidaten Ralph Büchner (57, Linke), Lukas Mosler (22, Grüne), Frank Hirche (57, CDU), Kevin Stanulla (45, SPD), Dirk Nasdala (53, Freie Wähler). Karsten Hilse (54, AfD) ist nicht im Bild. FOTO: LR / Rita Seyfert

Auch Alina (18) hat viele Fragen. Schließlich darf sie am 1. September das erste Mal ihre beiden Kreuzchen machen. Sie selbst tendiere derzeit zu den Grünen. Trotzdem möchte sie sich über die Wahlprogramme der anderen Parteien informieren. „Von Herrn Hilse würde ich gerne wissen, ob er den Anstieg der AfD als Chance oder temporäre Laune begreift“, sagt sie. Interessieren würde sie auch, ob er auf der ganzen Linie mit der AfD konform geht oder von welchen Inhalten er sich beispielsweise distanziert.

Doch im lockeren Gesprächskreis glänzt Politiker Hilse zunächst mit Abwesenheit. Während Lukas Mosler fast so wirkt, als würde er ein Nickerchen halten und sich die Direktkandidaten Büchner, Hirche, Stanulla und Nasdala mit den Fragen der Schüler auseinandersetzen, gesellt sich Karsten Hilse erst eine Dreiviertelstunde später dazu.

Am Ende ist Alina genauso schlau wie vorher, dafür aber um eine Erfahrung reicher. „Herr Hilse redet drumherum und kommt nicht auf den Punkt“, sagt sie. Seine Erklärungen über die Ideale der AfD empfand sie widersprüchlich, seine Informationen zu speziell und nicht ausreichend. Schade finde sie, dass es sich mit seinen Antworten nur bei gleichgesinnten Schülern Mühe gibt und vermutet ihre gegensätzliche Meinung als Ursache.

Einen klaren Favoriten für den kommenden Wahlsonntag hat sie am Ende nicht. Deswegen will sie mit ihren Eltern noch weitere Wahlveranstaltungen in Dresden und Leipzig besuchen. Auch Philipp wüsste noch nicht, welcher Partei er den Vorzug geben sollte. „Jeder hat für mich eine Antwort gegeben, die mich überzeugt hat.“

Unterm Strich empfinden die Schüler das Wahlforum „sinnvoller als Unterricht“, wie sie sagen. Der Zeitaufwand sei zwar höher als die Unterrichtsstunde, die dafür in der kommenden Woche ausfällt. Dafür haben sie aber viele neue Einblicke gewonnen. Die größte Erkenntnis des Abends: Mit einem Direktkandidaten kann man auch mal ein Bier trinken.