ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:57 Uhr

Zwischen Carnegie-Hall und der Berliner Philharmonie liegt der Schloss-Saal

Ein klanglicher Höhepunkt der 48. Musikfesttage war zweifellos das Klavierkonzert des kanadischen Pianisten Avan Yu.
Ein klanglicher Höhepunkt der 48. Musikfesttage war zweifellos das Klavierkonzert des kanadischen Pianisten Avan Yu. FOTO: Katrin Demczenko/dcz1
Hoyerswerda. Ein klanglicher Höhepunkt der 48. Musikfesttage ist das Klavierkonzert des kanadischen Pianisten Avan Yu gewesen. Katrin Demczenko/dcz1

Mit 137 Musikliebhabern war der Schloss-Saal mehr als gut besetzt. Der aus Hongkong stammende 25-Jährige ist schon in berühmten Konzertsälen wie der Carnegie Hall oder der Berliner Philharmonie aufgetreten, spielt aber auch gern kleine Konzerte wie in Hoyerswerda, wo er mit Werken der europäischen Klassik und Romantik auftrat.

Schon in der D-Dur Sonate KV 576, einem Spätwerk von Mozart, präsentierte er komplizierte Läufe und Harmonien in überzeugender Leichtigkeit. Mit der Fantasie op. 17 von Schumann verwandelte Avan Yu den Schloss-Saal dann endgültig in ein Wunderland der Musik. In dem dreisätzigen Werk, das zum Grundbestand romantischer Klavierliteratur gehört, zeigte er die ganze Farbigkeit Schumannschen Schaffens. Der erste Satz war geprägt von vielen, kurz aufblitzenden Motiven und häufigen Tempowechseln, die eine suchende Unruhe des Komponisten widerspiegelten. Im zweiten Satz zog vorläufig Ruhe ein, die über einen ansteigenden Spannungsbogen in einen fulminanten Schlussakkord mündete. Hier begeisterte der Pianist die Zuhörer mit seiner virtuosen Technik. Im dritten langsamen Satz spielte er das sich aufbauende choralartige Thema mit viel Ausdrucksstärke, was die Zuhörer mit großem Beifall honorierten. Christina Fiedler aus Kamenz konnte für sich eine neue Seite an Schumann entdecken: "Ich bewundere die tollen Harmonien und das Geborstene der Musik."

Nach der Pause stellte Avan Yu Werke von Chopin und Liszt vor. Das Andante spianato and Grande Polonaise op. 22 hatte Chopin während seiner Pariser Zeit geschrieben. Er gab darin seinem Heimweh nach seiner Familie und dem polnischen Heimatland Ausdruck. Mit tänzerisch-verspielten Melodien und grandiosen Läufen, die ihren Ursprung in polnischer Volksmusik hatten, forderte das Stück das technische Können und die Expressivität des Pianisten heraus. Sein Lohn für das wunderbare Spiel war das rhythmische Klatschen des Publikums.

Mit der ungarischen Rhapsodie Nr. 12 von Liszt setzte Avan Yu dann noch das Sahnehäubchen auf ein gelungenes Konzert. Die Musik dieses Komponisten bewegte sich im Spannungsfeld zwischen Melancholie und kleinen, tänzerischen Melodien mit filigranen Trillern, deren Herkunft aus der Volksmusik unverkennbar war. Bei diesem Stück wie den beiden Zugaben, zu denen auch die Träumerei von Schumann gehörte, ließ Avan Yu seiner Spielfreude freien Lauf.