| 18:06 Uhr

Wölfe
Eine unheimliche Begegnung mit dem Wolf

Die Jäger Sven Schulz und Sven Peschel bei Lohsa.
Die Jäger Sven Schulz und Sven Peschel bei Lohsa. FOTO: gbk1 / Henry Gburek
Hoyerswerda/Lohsa. Der Wolf rückt den Lausitzern zu Leibe. Die Sorge der Jäger wächst. Denn die Raubtiere verlieren die Scheu. Den Revierförstern Sven Schulz und Sven Peschel, deren Dienstweg die Wölfe schon vielfach kreuzten, sind am Speicherbecken Lohsa jetzt zwei sehr zutrauliche Wölfe bis auf etwa zehn Meter nahe gekommen. Kathleen Weser

Der Instinkt, die Flucht zu ergreifen, hat bei dieser Begegnung keine Seite ergriffen. Zumindest für das Raubtier, das betonen Biologen und Lausitzer Wolfsbetreuer immer wieder hartnäckig, soll das ausgeschlossen sein.

Der Video-Beweis der Jäger aber zeigt: Die beiden Wölfe bei Lohsa lassen jede Scheu vermissen. Eines der Tiere schnappt sich sogar einen Schutzhelm der Förster und eilt damit davon. Die Handy-Aufzeichnung hat zweifelsfrei Unterhaltungswert, macht aber auch den Ernst der Lage klar: Vom Wolf geht Gefahr für den Menschen aus. Den Beweis sieht Prof. Wolfgang Reichert, der Vorsitzende des Jagdverbandes Hoyerswerda, längst erbracht. Die am Donnerstag zudem durch einen Gerichtsmediziner bestätigte Tatsache, dass eine Frau in Griechenland von einem Wolf getötet wurde, überrascht ihn nicht.

Auch Dorfbewohner um die Königsbrücker Heide, in der ein Wolfsrudel nachgewiesen lebt, haben es dieser Tage wieder mit der Angst zu tun bekommen. Zumindest ein einzelner Wolf, vermutet wird ein Rüde, kommt den Wohnsiedlungen im südbrandenburgischen Frauendorf, Kroppen und Jannowitz sogar zu belebten Tageszeiten sehr nah. In der Gegend ergreifen Wölfe auch angesichts sich nähernder Fahrzeuge schon längst nicht mehr – wie erwartet werden sollte – die Flucht.

Die Population der Wölfe ist in der Lausitz deutlich stärker, als offiziell zugegeben wird. Das stellt Wolfgang Reichert fest. Und er behauptet: Die Befürchtung, dass sich das Raubtier ohne natürliche Feinde der Kulturlandschaft stark anpasst und der Nachwuchs nicht naturgemäß nach Lehrbuch abwandert, ist längst Realität. „Der Wolf wird als Teil des heimischen Wildes auch von uns akzeptiert“, versichert Wolfgang Reichert. Nur der einseitige Naturschutz sei das Problem. Werde der Bestand nicht reduziert, sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis Menschen auch in der Lausitz Opfer würden. Dass das offizielle Wolfsmanagement die Realität sachlich korrekt wiedergibt, bezweifelt der Jagdverband-Vorsitzende. Die Weidmänner sichteten weit mehr der Raubtiere, als die Statistik ausweise. Und der Informationsaustausch zum Wolfsbüro sei schon deshalb gestört und daher auch teilweise unterbrochen, weil kritische Beobachtungen einfach nicht gefragt seien. Der Blick der Naturschützer auf das Tier sei völlig verklärt.

Das Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ in Rietschen erklärt „das ungewöhnliche Interesse“ der Wolfswelpen des Milkeler Rudels „an Menschen“ mit der natürlichen Neugier des Wolfsnachwuchses und „weniger vorsichtiger“ Reaktion als der erwachsener Wölfe. Das Verhalten lasse vermuten, dass sich die Tiere in den letzten Wochen an anwesende Menschen gewöhnt hätten oder sogar positive Erfahrungen mit ihnen machten. Experten würden nun Ursachen klären, um „dem unerwünschten Verhalten der Wölfe entgegenzuwirken“. Bürger sollten Abstand nehmen.

Reichert indes bezweifelt stark, dass Wölfe dieser antiautoritären Erziehungsmethode folgen.

Wolfswelpen sind neugierig und reagieren weniger vorsichtig auf den Menschen, erklären die Experten des Kontaktbüros Wölfe in Sachsen. Archivfoto: Nabu