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Zwei Herzen für die Altstadt

Yvonne Zschornack-Lubner und Frank Graumüller organisieren in Hoyerswerda das Citymanagement in der Altstadt. In ihrem Verfügungsfonds stehen pro Jahr etwa 50 000 Euro für Projekte bereit. Für ihr eigenes Marketing haben sie im Jahr 2017 jedoch nur 1000 Euro übrig.
Yvonne Zschornack-Lubner und Frank Graumüller organisieren in Hoyerswerda das Citymanagement in der Altstadt. In ihrem Verfügungsfonds stehen pro Jahr etwa 50 000 Euro für Projekte bereit. Für ihr eigenes Marketing haben sie im Jahr 2017 jedoch nur 1000 Euro übrig. FOTO: Ulrike Herzger/uhz1
Hoyerswerda. Sie sollen der Hoyerswerdaer Altstadt Ideen bringen, Projekte anschieben, gemeinsame Aktionen starten und die Händler noch stärker miteinander vernetzen: die Citymanager der Stadt Hoyerswerda. Yvonne Zschornack-Lubner und Frank Graumüller sind seit März und Mai 2016 am Start. Sascha Klein

Von ihnen wird eine Menge verlangt, denn: Die Altstadt befindet sich seit Jahren im Dornröschenschlaf. "Alle, die ich hier hinführe, sind begeistert. Da heißt es immer: ‚Ihr habt aber eine schöne Altstadt'", sagt Frank Graumüller. Der Unternehmer kennt die Stadt gut, lebt seit 1975 dort. Aber eine schöne Altstadt allein reiche nicht. Es müssen auch Angebot und Vermarktung stimmen.

An der Vermarktung arbeiten die beiden Citymanager seit mehr als einem Jahr. Erste Erfolge sind bereits zu sehen. Ein Werbeflyer mit Angeboten von acht Altstadt-Händlern ist durch Unternehmer-Engagement im Weihnachtsgeschäft 2016 auf den Markt gekommen. In diesem Jahr nehmen bereits 19 Unternehmen teil, sagt Yvonne Zschornack-Lubner.

Ein weiterer Erfolg: die Ausstellung der Schauspielerin Suzanne von Borsody mit dem Starfotografen Mirko Jörg Kellner, die Ende 2016 in der Kirchstraße 11 zu sehen gewesen ist. Ein Glücksfall: Frank Graumüller hat das Angebot erhalten - und zugegriffen. So hat die Altstadt in der Weihnachtszeit eine Attraktion mehr gehabt.

Auch bei Ansiedlungen helfen die Citymanager. Im August hat das Café Rosalie an der Kirchstraße eröffnet. Schon weit vorher ist Frank Graumüller mit der Inhaberin die Straße abgelaufen und hat jede leere Immobilie - davon gibt es wenige in der Altstadt - angesehen. Jetzt ist das Café am Start und bereichert das Angebot.

Im Büro des Citymanagements in der Spremberger Straße 11, einer Querstraße zum historischen Marktplatz, dem Rathaus und der Kulturfabrik, hängt eine große Tafel an der Wand. Darauf stehen viele Schlagworte. Das ist die Ideenbörse von Yvonne Zschornack-Lubner und Frank Graumüller. Unter anderem steht darauf: Testladen. Das ist eine Vision. Unternehmer, die ihr Angebot testen wollen, sollen in der Altstadt Ladenflächen zum günstigen Preis bekommen können. Bewährt sich ihre Idee, machen sie weiter. Schlägt sie fehl, können sie ohne großen Verlust wieder ausziehen. Eine andere Idee: bewegte Schaufenster. Das heißt: Wenn viele Händler in der Altstadt einen Monitor im Schaufenster hätten und dort ihre Angebote und die anderer Händler darstellen würden, hätten sie sogar nach Ladenschluss die Möglichkeit, auf das Sortiment hinzuweisen und womöglich über einen Online-Shop weitere Umsätze zu akquirieren, sagt Yvonne Zschornack-Lubner. Viel Arbeitszeit gehe zudem dafür drauf, Aktionen abzusprechen, Partner zu kontaktieren und weitere Schritte abzustimmen. "Da sind ganz schnell mehrere Tage weg, ohne dass wir ein Ergebnis vorweisen können", sagt Yvonne Zschornack-Lubner.

Bei einigen Vorstellungen haben die Citymanager jedoch auch mit der Bürokratie zu kämpfen. Kaum jemand weiß, dass es im Rathaus eine öffentliche Toilette gibt. Ein Schild dafür fehlt bislang. Internet-Hotspots am Markt und am Bahnhofsvorplatz sind in Arbeit. Wann sie genutzt werden können, ist offen.

Yvonne Zschornack-Lubner wollte sogar tschechische Händler gewinnen, ihre Waren in Hoyerswerda zu verkaufen. Aber: Oftmals stocken die Projekte an Mentalität, deutscher Bürokratie und der Sprachbarriere. Wenn ein tschechischer Unternehmer kein Deutsch spricht, kommt er in der Lausitz so gut wie nicht voran.

Das Hoyerswerdaer Citymanagement ist noch bis Ende 2019 durchfinanziert. Bis dahin wollen Frank Graumüller und Yvonne Zschornack-Lubner noch einige Ideen von ihrer großen Liste im Büro umgesetzt haben.

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Am kommenden Samstag lesen Sie, welche besonderen Gastro- und Serviceangebote über das Jahr verteilt mehr Gäste in die Einkaufsstraßen ziehen sollen.