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Zwei Doppelkorn kosten die Freiheit

Hoyerswerda. Andreas S. sitzt an diesem Morgen nicht zum ersten Mal auf der Anklagebank im Amtsgericht Hoyerswerda. Wegen Diebstahls muss sich der Anfang 20-Jährige, hoch verschuldete Hartz IV-Empfänger in diesem Fall vor Gericht verantworten. Jens Dettlaff

Fast auf den Tag genau vor fünf Monaten hatte ihn das Landgericht Bautzen zu einer mehrjährigen Bewährungsstrafe wegen versuchter räuberischer Erpressung verurteilt.

Zwei Flaschen Doppelkorn hat Andreas S. in einer Discounter-Filiale in Lauta mitgehen lassen. Der Wert: rund zehn Euro.

Die Flaschen habe ihn ein Bekannter in den Rucksack gesteckt. Er habe dies zwar registriert, trinke diesen "Scheiß" jedoch nicht selbst, sondern habe die Flaschen für den Kumpel geklaut, sagt Andreas S. in der Verhandlung. An der Supermarkt-Kasse war der Diebstahl aufgefallen.

Knapp 20 Minuten dauert die Verhandlung. Andreas S. gesteht umfassend. Er räumt außerdem ein, der Diebstahl sei ein Fehler gewesen. Er habe sich zu leicht zu der Tat überreden lassen.

Auch in den Aussagen seines Bewährungshelfers wird dem Angeklagten, der bereits zwei Ausbildungen abgebrochen hat und mehrfach vorbestraft ist, ein Veränderungswillen zugesprochen. Die Anklageschrift, die Staatsanwalt Dietmar Illigen im Gerichtssaal verliest, zeigt allerdings, wie häufig der Angeklagte die Chance zur Veränderung nicht genutzt hat, sondern wiederholt straffällig geworden ist. Aus diesem Grund fordert der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von vier Monaten ohne Bewährung. Verteidigerin Heidrun Braun widerspricht der Forderung des Staatsanwaltes und schlägt eine dreimonatige Freiheitsstrafe vor, die erneut auf Bewährung ausgesetzt werden solle.

Richter Bosco Näther folgte bei seiner Urteilsfindung weder Verteidiger noch Staatsanwalt. Er befand zwei Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung für angemessen. Der Richter begründet das Urteil mit den zahlreichen Vorstrafen und dem Verstoß gegen die Bewährungsauflagen.

Immer wieder ist Andreas S. straffällig geworden. Er hat gestohlen, betrogen und auch Körperverletzung sowie räuberische Erpressung wurden ihm bereits zur Last gelegt.

"Das mit der Bewährungsstrafe im letzten Jahr sollte ein Warnschuss für Sie sein. Sie haben die Chance leichtfertig vertan", gab Richter Bosco Näther dem Verurteilten mit auf den Weg. Die Strafe ist noch nicht rechtskräftig.