ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:04 Uhr

Zuverlässigkeit und Präzision werden groß geschrieben

Wo findet man in Hoyerswerda und Umgebung noch einen Betrieb mit 400 Beschäftigten? Nicht von ungefähr sind die Lausitzer Werkstätten für behinderte Menschen gGmbH der drittgrößte Arbeitgeber der Stadt. Um zu zeigen, was hinter den Kulissen des Betriebes vor sich geht, aber auch um Vorurteile abzubauen, luden die Lausitzer Werkstätten am Samstag zum Tag der offenen Tür ein. „Um von der Öffentlichkeit entsprechend wahrgenommen zu werden, müssen wir größere Anstrengungen unternehmen als andere Firmen“ , sagt Michael Dorn. Er leitet den zweitgrößten Standort der gemeinnützigen GmbH im Gewerbegebiet Nardt und ist gleichzeitig für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. Von Uwe Menschner

„Viele Leute denken, dass unsere Beschäftigten größtenteils anspruchslose Arbeiten verrichten“ , erklärt Michael Dorn. Dies trifft nach seiner Aussage jedoch ganz und gar nicht zu. „Wir agieren mit unseren Produkten und Dienstleistungen am Markt, wie jedes andere Unternehmen auch“ , betont er. Dabei komme es auf Zuverlässigkeit genauso an wie auf äußerste Präzision. Nicht so stark ausgeprägt wie in der freien Wirtschaft sei jedoch der Leistungsdruck auf die Mitarbeiter. „Bei uns arbeiten Menschen mit allen denkbaren Formen der Behinderung, ob körperlicher, geistiger oder seelischer Art“ , erklärt der Standortleiter. Insgesamt 320 Behinderte werden in den Lausitzer Werkstätten von 80 Angestellten angeleitet und betreut - wobei auf letzteren Aspekt mindestens genauso viel Wert gelegt wird.
„Die behinderten Mitarbeiter werden im Rahmen der gesetzlich festgelegten Eingliederung von der Agentur für Arbeit oder von den Rententrägern zu uns vermittelt“ , erläutert Karl-Heinz Mücke. Er leitet die Abteilung für Berufsbildung, die jeder neue Mitarbeiter zunächst durchläuft. Hier absolvieren die Behinderten eine Art Probezeit, in der festgestellt wird, welche Arbeit für sie besonders gut geeignet ist. „Dabei spielen die eigenen Neigungen und Interessen natürlich eine große Rolle“ , betont Karl-Heinz Mücke. Die Mitarbeiter haben ein Mitspracherecht, wenn es darum geht, in welcher Abteilung sie später einmal arbeiten sollen.
Die Auswahlmöglichkeiten sind groß: Am Standort Nardt beispielsweise sind die Bereiche Holz- und Metallverarbeitung, die Druckerei sowie die Fahrradwerkstatt untergebracht. Am Hauptsitz der Lausitzer Werkstätten für Behinderte im Gewerbegebiet Seidewinkel befinden sich die Teilemontage, in der vor allem Teile und Baugruppen für elektrische Geräte montiert werden, die Wäscherei, die Aktenvernichtung und der Bereich Garten- und Landschaftspflege. Ein weiterer Standort, an dem schwerst mehrfach behinderte Menschen arbeiten, befindet sich auf der Schöpsdorfer Straße.
Die Resonanz auf den Tag der offenen Tür, so schätzen Michael Dorn und Karl-Heinz Mücke übereinstimmend ein, war sehr gut: „Viele Besucher haben sich umgesehen oder auch die Gelegenheit genutzt, schon ein Weihnachtsgeschenk aus unserer Holzwerkstatt zu kaufen.“ Die behinderten Mitarbeiter selbst standen allerdings nicht an den Werkbänken, sie waren an diesem Tag allenfalls als Besucher mit ihren Angehörigen oder Freunden vor Ort. Einen äußerst positiven Eindruck von seinem Besuch am Tag der offenen Tür nahm Gerhard Probst aus Bernsdorf mit nach Hause: „Ich wollte einmal hinter die Kulissen der Behindertenwerkstatt schauen und bin sehr erfreut über das, was ich gesehen habe“ , erklärte er. „Mich haben die Ordnung und Sauberkeit beeindruckt, aber auch die Art, wie man sich hier um die schwächeren Mitbürger kümmert. Dies ist ja in unserer Gesellschaft leider kaum noch üblich.“