„Konrad Zuse schaut über die Grenzen“, so heißt das deutsch-tschechische Projekt, über das der Museumspädagoge Zdenek Dytrt (30) die Besucher dieser Tage beim Gang durchs Zuse-Computer-Museum informiert. Die Endstation seiner aktuellen Führung („Rechnen wie die Großmeister“) ist das neue Rechenlabor.

Doch bevor es zur Rechenstunde geht, wird die Biografie von Hoyerswerdas Ehrenbürger aufgefrischt.Der obligatorische Zuse-Pflichtteil beginnt vor Konrad Zuses Selbstporträt, das der weltbekannte Computer-Erfinder als Schüler einst von sich zeichnete. Im Hintergrund sind Abraumförderbrücken zu sehen. Die Bergbautechnik soll Zuse technisch inspiriert haben, so Museumspädagoge Dytrt.

Die Geschichte über die eineinhalb Jahre, in denen der begabte Junge mit seinen Eltern über der ehemaligen Post in der heutigen Kirchstraße/Ecke Friedrichstraße wohnte, dürfte oft erzählt worden sein. Trotzdem zieht das Leben des bahnbrechenden Erfinders die Zuhörer auch diesmal in den Bann.

Weiter geht es mit dem Foto von Zuses erstem Rechner, den er im Wohnzimmer seiner Eltern in Berlin baute – und zwar aus „Faulheit“, wie Museumspädagoge Dytrt sagt. Die ungenaue Arbeit mit Rechenschiebern soll Zuse zu mühevoll und vor allem ungenau gewesen sein.

Also besorgte er sich Magnetbandstreifen aus dem Kino und kodierte sie mit Löchern. Der Z3, wie Zuse seinen elektromechanischen, programmgesteuerten und mit Gleitpunktrechnung arbeitenden Rechner nannte, funktionierte als erster weltweit. Als Zuse in die Geschichtsbücher einging, wollte auch Hoyerswerda ein Stückchen von der Torte abhaben. 1995, zwei Monate bevor er im Alter von 85 Jahren starb, wurde Zuse als „Kind der Stadt“ zum Ehrenbürger ernannt.

Zuse selbst gab zu diesem Anlass die Erlaubnis, seinen Namen zu benutzen. Das ließ man sich in der Zuse-Stadt nicht zweimal sagen. Man benannte eine Straße nach Konrad Zuse, ließ das Zuse-Hochhaus nachts leuchten wie einen Computer, gründete eine Zuse-Akademie und das Zuse-Computer-Museum.

Und da stehen wir nun vor der Vitrine mit dem Digitalrechner Z22R, der in den 1950er-Jahren noch so groß war wie eine Schrankwand. Unglaublich, dass der nur 38 Kilobyte schwache Speicher allein schon über 300 Kilogramm wog. Einen Glasschrank weiter der erste „Schlepptop“ war mit elf Kilogramm zwar auch noch kein Federgewicht. Dafür konnte man das 6000 D-Mark teure Gerät unterm Flugsitz verstauen, hieß es damals in der Werbung.

Ein Zuse-Computer, der sogar bis nach Japan verkauft worden sein soll, ist der elektromechanische Z11. Insgesamt 48 Stück wurden davon ab 1955 gebaut, und einer davon steht hier im Ausstellungsraum. Unglaublich, dass der nur wenige Jahre später gebaute erste deutsche Röhrenrechner Z22 schon tausendmal schneller gewesen sein soll.

Zuses Firma, die 1949 in Hessen gegründete Zuse Kommanditgesellschaft (KG), verband auch Kunst mit Technik. So konnte beispielsweise der für die Textilindustrie produzierte Graphomat Z64 Schnittmuster malen und ausschneiden.

Wer weiß, wie es weitergegangen wäre, hätte Zuse 1964 nicht Insolvenz anmelden müssen. Seine Mitarbeiter hatten die Transistoren mit falscher Technik angelötet. Nichts funktionierte. Die Abnehmer wollten ihr Geld zurück. Seine kleine Firma bekam keine Kredite. 1964 wurde die Zuse KG von der Siemens KG geschluckt.

Der Kopf schwirrt. Wir stehen im Rechenlabor. Die Ideen dafür lieferten deutsche Schüler vom Léon-Foucault-Gymnasium aus Hoyerswerda und tschechische Schüler der Berufsschule Chomutov (Komotau/Nordböhmen) im Rahmen eines EU-Projektes. Ende Januar 2019 wurde der Raum fertiggestellt und soll die Schau dauerhaft ergänzen.

Museumspädagoge Dytrt kennt kein Erbarmen. Er erzählt vom Fingerrechnen und Adam Riese, demonstriert das Rechnen mit den Napierschen Stäbchen und teilt die Rechenaufgaben aus.

Zwei weitere Mitmach-Ausstellungen sind in Arbeit. Die für dieses Jahr geplante „Memory“-Exposition dreht sich rund ums Speichern; und „Input-Output“ beschäftigt sich mit der Eingabe- und Ausgabe-Technik.
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