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| 02:39 Uhr

Zuschuss für Eltern – Witz oder echte Hilfe?

Großfamilie Zimmermann: Romy, Jule, Papa Mario, Theo, Franka und Mama Manuela (v.l.) sind zu Besuch bei Freunden in Hoyerswerda. Die Eltern stammen aus der Zusestadt, jetzt wohnen sie in Niedersachsen.
Großfamilie Zimmermann: Romy, Jule, Papa Mario, Theo, Franka und Mama Manuela (v.l.) sind zu Besuch bei Freunden in Hoyerswerda. Die Eltern stammen aus der Zusestadt, jetzt wohnen sie in Niedersachsen. FOTO: Anja Hummel
Hoyerswerda. Zwei Euro mehr im Monat pro Kind: Eltern bekommen ab 2017 mehr Geld für ihre Sprösslinge. Das hat das Bundeskabinett beschlossen. Die Rundschau hat deshalb bei jungen Eltern nachgefragt: Ist die Kindergelderhöhung lächerlich oder besser als nichts? Und wie kinderfreundlich ist Hoyerswerda eigentlich? Anja Hummel

Pauline und Florian grinsen bis über beide Ohren. Gerade haben die Geschwister erfahren, dass sie demnächst mehr Taschengeld bekommen. Keine Geringere als Mama Daniela Kulling hat die frohe Botschaft soeben verkündet. Für die 40-Jährige ist das spontan die sinnvollste Variante, um das aufgestockte Kindergeld zu nutzen. "Sonst würden wir von den zwei Euro pro Kind wahrscheinlich gar nichts merken", sagt die Bankkaufwirtin. "Trotzdem sollten wir schon dankbar dafür sein." Zwar sei die Erhöhung sehr gering, aber der stetige Anstieg bringe der Familienkasse durchaus etwas und "ist zumindest besser als gar nichts".

Eine weitere Aufstockung ist laut Bundeskabinettsbeschluss auch ab dem kommenden Jahr 2018 geplant: Das Kindergeld soll um weitere zwei Euro monatlich erhöht werden. Das spült dann insgesamt 48 Euro mehr im Jahr pro Kind in das Portemonnaie von Mama und Papa.

Doch nicht nur bei der Aussicht auf ein wenig mehr Taschengeld leuchten die Augen von Pauline und Florian. Die beiden Schüler finden auch die Stadt Hoyerswerda spitze. Vom großen Spielplatz an der Bonhoeffer Straße über die Schwimmhalle bis zum Tierpark gefällt ihnen alles. Sich in der Stadt austoben können sie allerdings nur, wenn sie wie jetzt bei ihren Hoyerswerdaer Großeltern zu Besuch sind. "Wir wohnen jetzt in Stuttgart", sagt Mutter Daniela, die aus der Zusestadt stammt. "Wenn wir hier sind, finden wir immer etwas zu tun", lobt sie die familienfreundliche Seite Hoyerswerdas.

Auch die 23-jährige Anne Herrmann hat als junge Mutter bis jetzt gute Erfahrungen in der Stadt gemacht. "Nur ein Fachgeschäft für Babysachen fehlt mir hier", sagt die Hoyerswerdaerin. "Und außerdem", fügt sie hinzu, "gibt es zu wenig Spielplätze." Über die Kinderfreundlichkeit auf Ämtern oder bei Ärzten kann sie nicht klagen. Auch die Erhöhung des Kindergeldes findet sie super. "Es ist zwar nicht viel, aber für Essen, Windeln und Kleidung können wir es gebrauchen."

Extra zum Kindersachen-Shoppen ist auch Annika Perge mit ihrem kleinen Wilhelm ins Lausitzcenter Hoyerswerda gekommen. Die Sprembergerin findet das Angebot besser als in der Heimatstadt. "Die Geschäfte sind alle beieinander, ich kann gut parken, mir einen Kinder-Einkaufswagen leihen und ganz praktisch einkaufen", sagt die 26-Jährige, während sie zwei hellblaue Strampler für ihren einjährigen Sohn im Visier hat. Mit ihm war sie auch schon im Hoyerswerdaer Spielhaus "Tobix" oder in der Schwimmhalle. Die Kindergelderhöhung findet auch sie nicht "wahnsinnig hoch". "Aber mein Mann und ich sind berufstätig und kommen gut mit dem Geld hin, auch dank Unterstützung der Großeltern", erzählt Annika Perge. Mit dem Kindergeld können Kita-Platz, Essen und zum Teil Kleidung finanziert werden.

Für die Familie rund um Mama Yvonne Schramm aus Lohsa ist die Erhöhung des Kindergeldes jedoch "ein Witz". Schließlich werden Essen und Kleidung immer teurer. "Woanders wird das Geld sowieso wieder abgezogen", sagt die 44-Jährige. Mit Kita und Spielplatz in ihrem Wohnort ist die Familie aber zufrieden. "Spontan fällt mir nichts ein, was für uns als Familie negativ ist", sagt die Mutter der anderthalbjährigen Lilly.

Nur als Gast hingegen kann der aus Hoyerswerda stammende Mario Zimmermann die Kinderfreundlichkeit bewerten. Der vierfache Vater hat bisher keine öffentlich zugänglichen Spielplätze in der Zusestadt gesehen. "Aber wir sind auch erst seit einem Tag da", sagt der 39-Jährige, der mit seiner Familie in Niedersachsen wohnt. "Und Kinderfreundlichkeit bedeutet auch mehr als das." Für ihn sei die Infrastruktur ebenfalls entscheidend. Aber von besonders breiten Radwegen oder sicheren Möglichkeiten der Straßenüberquerung kann er hier auch nicht sprechen. Und das Kindergeld? "Die zwei Euro sind mir Wurst", sagt er frei heraus. Für alle vier Kinder sind das 96 Euro mehr im Jahr. "Dafür bekommen wir gerade mal zwei Paar Schuhe. Wenn überhaupt."

Zum Thema:
Die Stadt Hoyerswerda hat 20 Spielplätze in ihrem Eigentum, die alle öffentlich zugänglich sind. Des Weiteren gibt es 22 Kitas und Horte sowie 13 Schulen. Aus Sicht der Stadt ist Hoyerswerda nicht zuletzt wegen des vielschichtigen Kita- und Schulangebotes kinder- und familienfreundlich. Es gibt vielfältige Freizeitmöglichkeiten wie Musikschulen, Kinder- und Jugendfarm, Zoo, Bibliothek, Kino. Hoyerswerda hält auch an der freiwilligen Förderung von Jugendhilfeprojekten, Vereinen und Verbänden im sozialen, kulturellen und sportlichen Bereich fest.