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Zusammen geht es leichter

Mitten auf dem Land: die Spreewitzer Fachwerkkirche. Damit die Gemeinschaft weiter bestehen kann, muss sie aktiv gestaltet werden.
Mitten auf dem Land: die Spreewitzer Fachwerkkirche. Damit die Gemeinschaft weiter bestehen kann, muss sie aktiv gestaltet werden. FOTO: ang1
Spreewitz. Die Kirche im ländlichen Raum wie beispielsweise die Kirchengemeinde Spreewitz ist zahlreichen Veränderungen ausgesetzt, auf die künftig reagiert werden sollte. Für Pfarrer Jörg Michel wird die Kirche der Zukunft eine Beteiligungskirche sein. Eine Kirche von unten, die durch das Mitgestalten der Bürger und Gemeindemitglieder lebt. Anja Guhlan / ang 1

Etwa 48 Prozent der Sachsen leben laut dem Freistaat im ländlichen Raum in rund 3000 Dörfern. Probleme wie das seit Jahren anhaltende Geburtendefizit, die fortdauernde Abwanderung und die daraus resultierende Überalterung treffen Dörfer besonders hart. Das spürt auch die Kirche. So ist beispielsweise auch die Zahl der Gemeindemitglieder von Jahr zu Jahr rückläufig. Dementsprechend gibt es weniger Kirchensteuereinnahmen, die die ohnehin schon knappen Finanzmittel schmälern. Dörfer mit früher eigenständigen Pfarrstellen werden in immer größere Verbünde aufgenommen. So wird die Kirchengemeinde Spreewitz seit Oktober 2010 von Pfarrern aus Hoyerswerda mit betreut. Seit September 2013 bildet sie mit der Kirchengemeinde Hoyerswerda-Neustadt einen sogenannten Pfarrsprengel, um die kirchliche Arbeit gemeinsam zu organisieren.

"Die aktuelle Situation ist nun so, wie sie ist. Auch die Kirche im ländlichen Raum wird durch den demografischen Wandel verändert. Nun können wir entweder resignieren oder diese Veränderungen offensiv annehmen", meint Pfarrer Jörg Michel, der die Kirchengemeinde Spreewitz betreut. Denn eine Trendwende des demografischen Wandels ist nirgends zu erkennen. Damit sie geschehen kann, sind wohl tiefer gehende Veränderungen der menschlichen Selbst-, Welt- und Gotteserkenntnis nötig.

Die Evangelische Kirche in Deutschland beschäftigt sich schon seit einigen Jahren mit der Perspektive für die Kirche im ländlichen Raum. So gibt es seit dem Jahr 2006 ein Impulspapier, dass Veränderungsperspektiven für solche Kirchen beschreibt. Jedoch sehen Möglichkeiten zur Veränderung unter den jeweiligen regionalen, sozialen und kirchlichen Bedingungen höchst unterschiedlich aus.

Für die Kirchengemeinde Spreewitz gibt es laut Pfarrer Michel kein fertiges Konzeptpapier. Der Pfarrer sieht es als langwierigen Prozess an, sowohl gläubige als auch nicht-gläubige Menschen bei den Veränderungen zu begleiten. "Viele der Einschnitte werden noch nicht so empfunden, dass nun auch Veränderungen nötig sind. Da müssen wir behutsam vorangehen und vor allem mit den Menschen über ihre Zukunftssorgen und Einstellungen sprechen", so Michel.

So amtiert in Spreewitz nach fast 500 Jahren direkt kein Pfarrer mehr. Mit über 30 Jahren Dienstzeit war der letzte, Pfarrer Manfred Hornich, eine prägende Person im Dorf. Vor allem für Gläubige ist somit ein wichtiger Ansprechpartner und auch ein Stück weit prägende Institution weggefallen. "Das Aufgeben der Allgegenwärtigkeit eines Pfarrers in Spreewitz beschleunigt den Wandel von einer Betreuungskirche zu einer Beteiligungskirche", meint der Pfarrer. Er erklärt, dass sich vor Ort auch die Sozialgestalt verändert. Viele Ehrenamtliche sind aktiv, die sich in die Kirchenarbeit einbringen - zum Beispiel in den Chören, bei der Betreuung der Senioren, in der Jugendarbeit oder bei den Kindergottesdiensten. Diese Vielfalt ist nur möglich, weil insgesamt rund 62 Ehrenamtliche (Stand bei der Visitation 2012) mitwirken. Die Aufgabe zur Erfüllung des Gemeinwohls tritt künftig auch stärker hervor. "Die Kirche sollte für alle, vor allem für Schwächere da sein. Kirchliche Arbeit und Institutionen sollten mehr dem Gemeinwohl dienen", so Michel. So ist das umgebaute Gemeindezentrum in Spreewitz zwar als Stätte für Gemeindemitglieder bekannt, doch auch Radtouristen sollen künftig das Zentrum als Übernachtungsmöglichkeit nutzen können. Ein öffentliches Haus, das für jedermann zugänglich ist.

Pfarrer Michel appelliert nochmal:" Es wird künftig an den Menschen vor Ort selber liegen Kirche zu gestalten. Dazu sollten sie nicht nur an Bewährtem festhalten, sondern auch den Mut haben, Gewohntes aufzugeben und neue Wege zu beschreiten."

Die Kirchengemeinde Spreewitz, zu der die Dörfer Zerre, Spreewitz, Spreetal, Burgneudorf, Neustadt und Burghammer gehören, wird seit Oktober 2010 von Hoyerswerda aus betreut.

Jörg Michel, Pfarrer in Spreewitz.
Jörg Michel, Pfarrer in Spreewitz. FOTO: mdr