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Zum Feiern wird Geld gebraucht

Hoyerswerda. Ein ganzes Jahr lang möchte Hoyerswerda 2018 sein "750 Jahre Stadtjubiläum" feiern. Die ersten Vorstellungen von einem Kulturjahr mit 75 Veranstaltungen im Festkalender und einem speziellen Marketingkonzept hatte das Rathaus unlängst bereits öffentlich gemacht. Catrin Würz

Und nun sind auch noch die strukturellen Voraussetzungen dafür geschaffen, wer den Hut bei der Umsetzung aufgesetzt bekommt. Der Stadtrat hat dazu kürzlich den ersten Beschluss gefasst: Demnach bekommt die Zoo, Kultur und Bildung Hoyerswerda gGmbH über einen Dienstleistungsvertrag die Fäden bei der Vorbereitung und Durchführung des Jubiläums in die Hände gedrückt.

Nicht ganz ohne Bauchschmerzen und einer gewissen Portion Skepsis haben die Fraktionen dem zugestimmt - wie sechs Stimmenthaltungen zum Beschluss vorwiegend aus der CDU-Fraktion belegen. CDU-Fraktionschef Frank Hirche benannte dann auch das aus seiner Sicht größte Problem: Für die Finanzieung der ehrgeizigen Jubiläumspläne sei jetzt - genau ein Jahr vor dem avisierten großen Festwochenende im September 2018 - noch viel zu viel unklar. Er monierte das noch fehlende Sponsoringkonzept, das eine wesentliche Stütze für den Erfolg sein solle. Er kritisierte auch, dass bisher noch keine Äußerungen gemacht wurden, ob Vereine für ein außergewöhnliches Event unter dem Dach von "750 Jahre" mit einem finanziellen Zuschuss rechnen können. "Die Vereine sollen jetzt melden, was sie im nächsten Jahr planen. Aber ob sich ein Sportverein vielleicht mal eine besondere Mannschaft oder jemand einen prominenten Gast einlädt, hängt doch davon ab, ob man prinzipiell mit Unterstützung rechnen kann?", erklärte Hirche.

Bürgermeister Thomas Delling (SPD) wies die Vorwürfe allerdings zurück. Die Stadt wolle jetzt erstmal die Ideen und Vorstellungen der Vereine sammeln, um im Anschluss sagen zu können, welche Ideen man möglicherweise konkret unterstützten möchte.

Die Finanzplanung für das "750 Jahre"-Jubiläum im nächsten Jahr sieht ein Gesamtbudget von 200 000 Euro vor. Knapp die Hälfte - also 90 000 Euro - wird die Stadt Hoyerswerda aus dem eigenen Stadtsäckel berappen. Circa 80 000 Euro sollen bei Sponsoren eingeworben werden. "Und wir haben dabei nicht nur die städtischen Wirtschaftsgesellschaften im Blick, sondern alle wichtigen Unternehmen in unserer Stadt von Yados bis Globus", stellte Oberbürgermeister Stefan Skora (CDU) klar.

Weitere 30 000 Euro erhofft man sich aus dem Verkauf von Werbe- und Marketingartikeln. Dafür gibt es bereits eine Reihe von Ideen, die die Werbeagentur Stil-Etage GmbH im Rahmen eines PR- und Marketingkonzeptes vorgelegt hat. Das einheitliche Jubiläums-Logo ist seit Kurzem in Gebrauch - und soll im nächsten Jahr auch diverse Sonderanfertigungen, Imageprojekte und Produkte zieren. Vorstellbar sind laut Geschäftsführer Nick Jantschke von Stil-Etage zum Beispiel Jubiläums-Abfüllungen der Lausitzer Ölmühle, besonderes Jubiläumsbrot einer Bäckerei, Sonderabfüllungen eines Festbieres oder die Abfüllung eines Jubiläumsweines. Auch der Verkauf von Chroniken zur Stadtgeschichte oder eines Imagefilms sei neben üblichen Souvenirs und Werbeartikeln denkbar.

Dass all diese Konzepte und Pläne jetzt vor allem schnelles und beherztes Handeln brauchen, um nicht zu scheitern, machte auch Stadtrat Martin Schmidt (CDU) klar. "Wir haben überhaupt keine Zeit zu verlieren, denn die Zeit läuft ab jetzt gegen uns." Man sollte ganz schnell die Dinge anpacken. Er appelierte dafür, dass sich die Stadt für ihre Pläne um Gelder auch vom Freistaat oder von bekannten Kulturstiftungen bemüht.