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Zukunft von Polysax ist gefährdet

Das Polysax-Bildungszentrum hat schon manch hohen Besuch gesehen. So war 2013 die damalige Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen zu Gast.
Das Polysax-Bildungszentrum hat schon manch hohen Besuch gesehen. So war 2013 die damalige Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen zu Gast. FOTO: Uwe Menschner/ume1
Bautzen. Das Bildungszentrum bedarf der wirtschaftlichen Sanierung. Die Umsätze der mehrheitlich in Kreisbesitz befindlichen Gesellschaft sind auf ein Existenz bedrohendes Maß zurückgegangen. Uwe Menschner / ume1

Die Polysax Bildungszentrum Kunststoffe GmbH befindet sich in einem schwierigen wirtschaftlichen Fahrwasser. Einst als großer Hoffnungsträger für die Nachwuchsgewinnung in der Kunststoffbranche gestartet, kämpft das Unternehmen mit akutem Auftragsmangel. Doch wie konnte es - gerade angesichts des hohen Ausbildungsbedarfs zur Bekämpfung des viel beschworenen Fachkräftemangels - dazu kommen?

Die Antwort gibt Geschäftsführer Achim Wassner in einem für den Bautzener Kreistag ausgearbeiteten Sicherungskonzept, das der RUNDSCHAU vorliegt. (Die Zuständigkeit des Gremiums ergibt sich daraus, dass der Landkreis mit 55 Prozent Hauptanteilseigner der Polysax GmbH ist.) "Obwohl die Bedarfe an Arbeits- und Fachkräften im Bereich der kunststoffverarbeitenden Industrie seit 2010 ansteigen, ist die Zahl der von Arbeitsagentur und Jobcenter geförderten Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen eingebrochen." Die entsprechenden Umsätze seien von 233 440 Euro (2012) auf 150 600 Euro (2016) zurückgegangen. Ähnliches gelte für berufsbegleitende Seminare.

Gescheitert sei das Konzept, die Verantwortung für Aus- und Weiterbildung auf externe Dienstleister zu übertragen: "Die Kontakte zu den Leistungsträgern wurden offenbar nicht im erforderlichen Maß gepflegt", muss Achim Wassner konstatieren. Für Maßnahmen zur Ausbildung von Flüchtlingen seien im Jahr 2016 Umsätze von 70 000 Euro eingeplant gewesen; stattgefunden habe keine einzige. Letztlich türmten sich auch bürokratische Hürden auf: Eine fest vereinbarte Schulung von Vietnamesen für ein Dippoldiswalder Unternehmen musste ausfallen, weil die Teilnehmer keine Visa erhielten.

Auf der anderen Seite wuchsen die Kosten - allein für den Dienstleistungsvertrag wurden monatlich 15 000 Euro fällig. Auch der Kapitaldienst belastet das Unternehmen. "Insofern ist die Situation, in der sich die Polysax Bildungszentrum Kunststoffe GmbH befindet, aktuell durchaus bestandsgefährdend", resümiert der Geschäftsführer.

Für den Landkreis Bautzen steht es außer Frage, dass Polysax erhalten bleiben muss. Schließlich sind in seinen Ausbau erhebliche Mittel geflossen (auch Förderzuschüsse), die bei einer Aufgabe verloren wären oder gar zurückgezahlt werden müssten. Die Investitionssumme für die Errichtung belief sich auf circa 4,3 Millionen Euro, für die Ausstattung kamen noch 1,7 Millionen Euro dazu. Fördermittel flossen in Höhe von 3,6 Millionen Euro.

An mangelndem Interesse der Kunststoff verarbeitenden Industrie sollte es nicht scheitern - so wurde bis 2018 ein Bedarf von 200 zusätzlichen Arbeitskräften festgestellt. Durch eine verbesserte Zusammenarbeit mit Arbeitsagentur und Jobcenter sollen die entsprechenden Kurse - und das zu auskömmlichen Bedingungen - abgesichert werden. Erhöht werden die Tagessätze für die Ausbildung von Lehrlingen innerhalb des dualen Systems der Berufsausbildung, ebenso für berufsbegleitende Schulungen und Seminare.

Schließlich will das Polysax auch sein Dienstleistungsangebot ausbauen: Dazu zählen unter anderem 3D-Druckaufträge, das Recycling von Abprodukten oder die Nutzung des Mess- und Prüflabors. Unter diesen Prämissen rechnet Geschäftsführer Achim Wassner bereits für 2017 mit einem Überschuss in Höhe von 2100 Euro, der in den Folgejahren kontinuierlich auf bis zu 41 500 Euro wachsen soll. "Die Geschäftsführung ist der Überzeugung, dass nach Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen die Polysax GmbH eine solide Basis für die Fortführung des Geschäftszwecks haben wird und auch weiterhin eine qualifizierte Aus- und Weiterbildung für die Kunststoffindustrie ausführen kann", unterstreicht er.