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| 16:45 Uhr

Raul Krauthausen
Zug-Odyssee von Hoyerswerda nach Berlin

Raul Krauthausen (37) hat sich am Mittwoch nach seiner Rede in Hoyerswerda mit der Deutschen Bahn auf den Weg nach Berlin gemacht – und hatte dabei zahlreiche Hürden zu überwinden.
Raul Krauthausen (37) hat sich am Mittwoch nach seiner Rede in Hoyerswerda mit der Deutschen Bahn auf den Weg nach Berlin gemacht – und hatte dabei zahlreiche Hürden zu überwinden. FOTO: LR / Anja Hummel
Hoyerswerda/Lübben. Welche Barrieren auf den Bahnhöfen im Umland herrscht, musste Inklusions-Aktivist Raul Krauthausen selbst erleben. Von Anja Hummel

Am späten Mittwochnachmittag steigt Raul Krauthausen am Hoyerswerdaer Bahnhof in den Regionalexpress nach Lübbenau. Als er dort wegen eines Ausfalls mit dem Schienenersatzverkehr weiterfährt, um in Brand den Zug nach Berlin zu bekommen, beginnt für den 37-jährigen Aktivisten und Moderatoren eine hürdenreiche Odyssee. Kurz zuvor hat er noch auf der Jubiläumsveranstaltung der Freizeitsportgemeinschaft Medizin im Hoyerswerdaer Sparkassensaal über Barrierefreiheit und Inklusion gesprochen.

„Der Regionalexpress nach Berlin hält an einem nicht barrierefreien Gleis. Scheiße sowas“, richtet er sich auf dem Online-Kurznachrichtendienst Twitter öffentlich an die Deutsche Bahn, während er auf dem Bahnhof festhängt. Raul Krauthausen ist auf Barrierefreiheit angewiesen. Er hat die Glasknochenkrankheit und sitzt im Rollstuhl. Seine Odyssee geht weiter. Er fährt zurück auf den Lübbener Bahnhof, verpasst wegen zu kurzer Umstiegszeit den Anschluss nach Berlin. Krauthausen muss zwei Stunden, bis 22.30 Uhr, auf die nächste Verbindung warten. Und dann: „Der letzte Zug ist auch ausgefallen. Fahre jetzt mit einem rollstuhlgerechten Taxi, das eine Stunde Anfahrt hierher braucht“, schreibt der Grimme Online Award-Gewinner auf seinem Twitter-Profil. Was ihn ärgert: Das Callcenter der Deutschen Bahn gab ihm eine Abfuhr, als er um Hilfe bei der Taxibestellung bat. Vier Stunden später als geplant und mit 160 Euro weniger im Portemonnaie kommt er zu Hause in Berlin an.

Von der Deutschen Bahn heißt es auf RUNDSCHAU-Nachfrage dazu: „Wir bedauern das unschöne Erlebnis von Herrn Krauthausen sehr.“ Wie ein Bahn-Sprecher mitteilt, müsse jedoch zunächst die genaue Verbindung, die Raul Krauthausen diese Odyssee bescherte, überprüft werden. Erst dann könne nachvollzogen werden, was genau schief gelaufen ist. Weil Krauthausen auch mit der ODEG, also einem anderen Bahn-Unternehmen gefahren ist, läuft die Recherche noch, teilt ein Bahn-Sprecher mit. Raul Krauthausen hat dem Unternehmen auf seinem Twitter-Profil angekündigt: „Die Rechnung folgt.“ Seit vielen Jahren setzt sich der Berliner besonders für die Belange von Menschen mit Behinderungen ein.