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| 16:31 Uhr

Schulanfang
Zuckertüte mit Torwart-Handschuhen

Der Erstklässler Nils, sein Bruder Erik, Maik Petzold und Yvonne Krahl posieren vor der Schule zum Fototermin.
Der Erstklässler Nils, sein Bruder Erik, Maik Petzold und Yvonne Krahl posieren vor der Schule zum Fototermin. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Ein neuer Lebensabschnitt hat für über 60 Kinder an der Adler-Grundschule in Hoyerswerda begonnen. Von Katrin Demczenko

Den ersten Schultag erwartet wohl jedes Kind sehnsüchtig, weil es dann seine große Zuckertüte bekommt und mit dem neuen Ranzen erstmals ein Klassenzimmer betritt. Auf diese und andere Ereignisse des Tages wartet auch Nils Krahl aus Michalken gespannt, der mit über 60 weiteren Kindern in die Grundschule Am Adler Handrij Zejler in Hoyerswerda aufgenommen wird.

Die erste Überraschung ist ein Kulturprogramm mit Musik, Tänzen und Gedichten in der bunt geschmückten Turnhalle. Wie immer hat sich Ralf Thielicke ehrenamtlich eine Geschichte ausgedacht, mit Drittklässlern der Schule erarbeitet und nun aufgeführt. In dieser Stunde lernen die Sechsjährigen alle Fächer von Deutsch über Mathe bis zu Sport, Kunst und Sorbisch kennen, in denen sie unterrichtet werden, sagt Grundschullehrerin Regina Kummer.

Sie ist jetzt Nils’ Klassenleiterin und führt den Jungen und seine Mitschüler in die Klasse. In diesem ruhigen Moment erinnert sich Nils’ Mutti Yvonne Krahl an ihren ersten Schultag im Jahr 1984 in der Polytechnischen Oberschule Albert Schweitzer im Wohnkomplex V, die heute nicht mehr steht. „Ich hatte einen roten Lederranzen, auf den ich sehr stolz war.“ An den Inhalt ihrer Zuckertüte erinnere sie sich jedoch nicht mehr.

Mandy Pötsch, die das Gespräch mitgehört hat und einen Mitschüler von Nils zum ersten Schultag begleitet, berichtet von ihrem Schulanfang. Ein Kulturprogramm hatte damals nicht stattgefunden, aber natürlich die erste Schulstunde mit der Lehrerin und der neuen Fibel. „Am Schulhof gab es die Zuckertüten, und die Lehrerin sagte: Jedes Kind kann sich eine nehmen. Ich stürzte sofort auf die mit dem Plüschpanda los und wurde gleich zurückgehalten, denn das war nicht meine“, erzählt Mandy Pötsch noch heute enttäuscht.

Doch nun kommen die Kinder aus der Klasse, und Nils sagt: „Wir haben Hefte und Bücher bekommen, den Rucksack geöffnet und alles reingetan. Ich werde Sorbisch lernen, das kenne ich schon aus dem Kindergarten.“ „Er kann auch schon rechnen bis zur Zehn“, erzählt Erik, Nils’ älterer Bruder. Erik hat auch die Grundschule Am Adler besucht und ebenfalls bei Regina Kummer Sorbisch im 2plus-Konzept gelernt, berichtet Vater Maik Petzold. Weil die Familie gute Erfahrungen mit der Grundschule und dem Sorbischlernen gemacht hat, geht nun auch Nils in diese bewährte Bildungseinrichtung.

Aber nach so vielen neuen Eindrücken und Gesprächen wird der Erstklässler zapplig. „Ich will auch meine Zuckertüte“, sagt er und läuft zu seinen Mitschülern, die schon im Kreis um die vielen großen, von den Eltern liebevoll geschmückten Schultüten stehen. Regina Kummer übergibt jedem Kind die jeweilige Tüte, verbunden mit guten Wünschen für die kommende Schulzeit. Erik entdeckt sofort obenauf ein paar Torwart-Handschuhe und einen bunten Ball. „Ich spiele doch so gern Fußball“, erklärt er voller Freude. Und als der Junge die Zuckertüte von außen betrachtet, ist da auf dunkelblauem Grund mit goldenen Sternen ein Raumschiff aufgeklebt. „Das habe ich mir gewünscht, ich liebe Astronauten“, jubelt Nils, dessen erster Schultag am Nachmittag mit einer Feier im Garten der Familie weitergeht.