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| 18:46 Uhr

Kuba
Familie Kroko stellt sich vor

Kurz nach ihrem Einzug in ihre Kinderstube: Zwei der vier im Juni geschlüpften Rauten-Krokodile.
Kurz nach ihrem Einzug in ihre Kinderstube: Zwei der vier im Juni geschlüpften Rauten-Krokodile. FOTO: Zoo Hoyerswerda
Hoyerswerda. Sensation im Zoo Hoyerswerda: Vier männliche Kubakrokodile sind geschlüpft. Vielleicht bekommen sie bald Schwesterchen. Maximal ein dreiviertel Jahr wird das Jungs-Quartett zu bestaunen sein. Von Anja Hummel

Wer kann schon sagen, einen Biss vom Kubakrokodil überlebt zu haben? Eugène Bruins dürfte einer der wenigen sein. Entspannt wackelt der Hoyerswerdaer Zooleiter mit seinem Zeigefinger vor dem Schlund der kleinen Panzerechse herum. Und plötzlich macht es „schnapp“. „Noch tut’s nicht weh, aber bald kann ich das nicht mehr machen“, streckt er seinen unversehrten Finger in die Höhe. Der Übeltäter liegt auf seiner Handfläche: „Two Point“ ist sein vorläufiger Name, nur wenige Zentimeter lang, höchstens 80 Gramm schwer. Ende Juni ist er – so wie drei seiner Brüder – im Zoo Hoyerswerda aus dem Ei geschlüpft.

So klein, dass er auf eine Handfläche passt, und trotzdem zeigt dieser Winzling schon aggressiv seine spitzen Zähne.
So klein, dass er auf eine Handfläche passt, und trotzdem zeigt dieser Winzling schon aggressiv seine spitzen Zähne. FOTO: LR / Anja Hummel

„Wir sind ganz stolz und sehr froh, dass wir die Baby-Krokos der Welt zeigen können“, strahlt Bruins in die Kameras. Und tatsächlich: Die gelungene Nachzucht ist eine Besonderheit. 2013 gelang dem Zoo Hoyerswerda zum ersten Mal in ganz Deutschland die Nachzucht von Kubakrokodilen. Die Eltern: Primus und Jaco. Letzterer ist der Papa und mit seinen drei Metern Länge das größte in Europa lebende Kubakrokodil. Was die Art so besonders macht? „Sie gilt als die aggressivste Krokodilart, ist sehr aktiv und am schönsten gefärbt“, schwärmt Eugène Bruins. Ab sofort gibt es nun im Tropenhaus des Zoos nicht nur die „großen Gefährlichen“ zu sehen, sondern auch die vier Sohnemänner im Miniaturformat. Natürlich nicht in ein und demselben Gewässer.

Die Kleinen sind gerade erst in ihre „Kinderstube“ gezogen. Das Terrarium ist mit einem Wasserbecken ausgestattet. Bisher fressen die drei Wochen alten Krokodile noch nichts, bald aber werden Grillen auf ihrem Speiseplan stehen. „Sie haben noch Reste vom Dottersack im Bauch und ernähren sich davon“, erklärt Bruins. Eine harte Zeit haben er und sein Team hinter sich. Schließlich mussten sie seit Ende Juni dicht halten und konnten niemandem vom „Kroko-Geheimnis“ erzählen. Mittlerweile sind die Babys gesundheitlich stabil. „Einer der vier ist ein bisschen kleiner und schwächer, die Bauchdecke ist noch nicht ganz verheilt“, so der Zoochef. Dank Extra-Fürsorge dürfte er aber bald aufholen.

Mit dem einzigartigen Erfolg der Neulinge nicht genug: „Wir haben noch mehr Eier bei niedrigerer Temperatur liegen. Das sollen Weibchen werden“, erzählt Bruins. Denn das Geschlecht der Tiere lässt sich mittels Bruttemperatur beeinflussen. Es könnte bald also noch mehr Kroko-Nachwuchs geben? „Na sicher“, sagt der Zooleiter überzeugt. Gleichzeitig wirft er ein: „Es ist gar nicht einfach, die Krokos schlüpfen zu lassen.“

Warum also gelingt es ausgerechnet in Hoyerswerda? „Erstmal muss man ein gutes Zuchtpaar haben. Und Jaco und Primus verstehen sich ganz gut“, sagt Bruins. Im Januar war Paarungszeit. „Die können hier ihre Eier gut eingraben, wir beobachten alles ganz genau und haben auch ein bisschen Erfahrung mit dem Ausbrüten“, erzählt der gebürtige Niederländer weiter. Bereits im vergangenen Jahr habe man eine Nachzucht versucht und aus Fehlern gelernt. „Wir werden immer besser“, so Bruins. Er wirft ein großes Aber hinterher: „Wir möchten natürlich keine Krokodile züchten, die wir nicht weggeben können.“ Überall habe er vor dem Zuchtversuch nach Interessenten gefragt. Nun sollen zwei der Jungs nach England und einer in die Niederlande gehen. Nachwuchs Nummer vier zieht in den TerraZoo in Rheinberg.

Im Zoo Hoyerswerda lebt das mit drei Metern Länge größte Kuba-Krokodil Europas. Das Männchen namens Jaco ist im Juni 2018 zum zweiten Mal Vater geworden.
Im Zoo Hoyerswerda lebt das mit drei Metern Länge größte Kuba-Krokodil Europas. Das Männchen namens Jaco ist im Juni 2018 zum zweiten Mal Vater geworden. FOTO: LR / Anja Hummel

„Ich habe auch in Kuba nachgefragt, ob Interesse besteht, die Babys auszuwildern“, verrät Eugène Bruins. Schließlich wäre es doch mal was, wenn die Hoyerswerdschen Kubakrokodile dort „rumkriechen“ könnten. Denn: Laut Schätzungen gibt es mittlerweile nur noch 3000 Exemplare in freier Wildbahn. „Das sind nicht viele. Es wird immer noch gewildert und sie vermischen sich auch mit anderen Krokodilarten“, sagt der Zoochef.

Was der Zoo für die Weggabe der Babys bekommt? „Nichts“, so die Antwort von Bruins. „Ich bin froh, dass ich einen guten Platz gefunden habe. Die Zoos helfen einander, es ist nicht mehr wie früher.“ Maximal ein dreiviertel Jahr werden sie nun im Hoyerswerdaer Zoo zu bestaunen sein. Direkt neben dem „Kinder-Terrarium“ platziert: Eine Box, viele Zettel und ein Stift. „Wir suchen noch nach Namen für die Krokodile“, ruft Bruins zum Mitmachen auf. Dass die Besucherzahl in nächster Zeit ansteigen wird, davon geht er fest aus. Schließlich, das weiß er aus erster Hand, sehe man kaum noch Baby-Krokos in deutschen Zoos. Und wer weiß – vielleicht gesellen sich bald noch ein paar Schwesterchen zum Jungs-Quartett hinzu.