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Ziegenmelker muss vergrault werden

Hoyerswerda/Bergen. Das Naturschutzgroßprojekt Lausitzer Seenland, dem durch die großflächigen Rutschungen auf Kippenland vor nunmehr sechs Jahren fast der Boden entzogen worden war, arbeitet zwar noch immer auf zu locker gelagertem Sand. Die bergmännische Nachsanierung der Innenkippenflächen aber soll im nächsten Jahr nun starten. Kathleen Weser

Das Verfahren: die leichte Sprengverdichtung. Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) verfügt mit dem frischen Braunkohleverwaltungsabkommen wieder über die finanzielle Kraft, die Sanierung zum Abschluss zu bringen. Alexander Harter, der die Flächen mit der Wildnis aus zweiter Hand in der Bergbaufolgelandschaft im Herzen des Lausitzer Seenlandes seit Jahren federführend betreut, bestätigt: Das Unternehmen Naturschutz ist "in der Handlungsfähigkeit stark eingeschränkt durch die temporären Sperrungen". Große Teile der Flächen aber können unter Auflagen trotzdem bewirtschaftet werden.

Das hat die schmale Kasse im vergangenen Jahr lauter klingeln lassen. Die maschinelle Holzernte hat für deutliche Mehreinnahmen gesorgt. Die ursprünglich avisierten Erträge sind aber trotzdem ausgeblieben. Denn die Lausitzer Seenland-Gesellschaft ist mit der ökologischen Begleitung der Bergbausanierung nicht zum Zuge gekommen. Die Arbeiten stehen seit 2015 aus. Sie sollen nun verzögert beginnen und ganze zwölf Monate andauern. Auch dafür muss Wald fallen und Holz verwertet werden. Der Marktpreis stimmt die Gesellschaft aber derzeit weniger froh.

Mit Bedauern betrachtet Alexander Harter auch die Folgen des erneuten bergmännischen Eingriffes in die Landschaft, die die Natur - gezielt unterstützt - bereits zurückerobert hat. "Wir haben viel geleistet, um beispielsweise den Ziegenmelker hier anzusiedeln. Jetzt müssen wir die Nachtschwalbe wieder vergrämen", nennt er ein Beispiel.

Harter geht davon aus, dass das Unternehmen in der Arbeit wegen gesperrter Kippenflächen noch etwa zehn Jahre gebremst wird. Den Verlust aber gleicht die Bergbausaniererin mit Entschädigungszahlungen auch aus. Das sorgt für ein Grundrauschen in der Kasse der gemeinnützigen Seenland-Gesellschaft, die auch als ökologischer Dienstleister für Dritte tätig wird.

Zum Thema:
Repräsentative Flächen in der Lausitzer Bergbaufolgelandschaft bleiben der Natur überlassen. Dazu gehören mehr als 5000 Hektar Land im Kerngebiet des Lausitzer Seenlandes.