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| 13:36 Uhr

Lohsa
Zejler-Büste ziert jetzt Lohsaer Begegnungsstätte

Reinhardt Schneider, Elke Nagel und Jörg Tausch vor der Büste von Handrij Zejler.
Reinhardt Schneider, Elke Nagel und Jörg Tausch vor der Büste von Handrij Zejler. FOTO: Reinhard Hoffmann
Lohsa. Bei dem sorbischen Abend in Lohsa sind zwei Menschen gewürdigt worden, die in der Lausitz unvergessen sind: die Dichter Agnes Buder und Handrij Zejler. Von Reinhard Hoffmann

Der Förderverein Begegnungsstätte Zejler– Smoler- Haus ist Gastgeber des sorbischen Abends am Freitag in Lohsa gewesen. Er hatte Hanka Sarodnik aus Groß Zeißig eingeladen, die mit ihren gefühlvollen sorbischen Liedern, gespielt auf den traditionellen Musikinstrumenten Dudelsack, Blockflöte und Geige, die Besucher begeisterte. Andreas Kirschke moderierte sorbisch und deutsch vor einem sprach- und kunstinteressierten Publikum.

Das Programm erinnerte an die sorbische Volksdichterin Agnes Buder (1860 bis 1937), deren Todestag sich im Dezember des vorigen Jahres zum 80. Mal jährte. Agnes Buder stammt aus Neu Lohsa. Sie hat etwa 180 Gedichte in ihrer Muttersprache geschrieben, die das harte Leben der sorbischen Menschen auf dem Lande erlebbar machten. Ihr werden auch 86 Choräle und andere Musikstücke zugeschrieben. Am Freitagbend trugen Elke Nagel, Edith Kraus und Sabine Knothe ihre Gedichte auf Deutsch und Sorbisch vor.

Agnes Buder erlebte in ihrer Kindheit den Lehrer, Pfarrer und Dichter Handrij Zejler, deutsch Andreas Seiler (1804-1872). Er gilt als Vordenker einer sorbisch-nationalen Wiedergeburt und bildete in den bewegten Jahren um 1848 auch einen Verein in Lohsa. Zejler gilt als Begründer der modernen sorbischen Dichtung. Viele seiner vertonten Texte wurden zu sorbischen Volksliedern.

Agnes Buder und ihr Mann waren aktive Mitglieder des 1911 gegründeten Vereins Handrij Zejler, der sich 1912 mit anderen Vereinen zum Dachverband Domowina zusammenschloss. Auch die Grundschule „Am Adler“ in Hoyerswerda wurde nach ihm benannt. Zejler wirkte 37 Jahre bis zu seinem Tod in Lohsa. Sein Grabmal steht an der Seitenmauer am ehemaligen Friedhof, direkt am Markt.

Der Vorsitzende des Fördervereins Zejler-Smoler-Haus Reinhardt Schneider erinnerte in einem Vortrag an das Denkmal und seine wechselvolle Geschichte. Ursprünglich aus Sandstein gefertigt, verwitterte es, sodass Lohsaer Bürger und Vereine sich 1931 um seine Erneuerung und die Anschaffung einer Bronzebüste kümmerten. Im Winter 1941/1942 wurden viele Metallgegenstände, so auch die die Büste Handrij Zejler und die Kirchenglocken von der Metall-sammelstelle Hoyerswerda für Rüstungszwecke eingezogen.

Schneider präsentierte den interessierten Besuchern zahlreiche Fotos und Postkarten und berichtete von der Pflege und Umgestaltung des Grabmals. Lohsaer brachten Spenden auf und 1949 konnte das Grabdenkmal in Lohsa mit einer neuen Bronzebüste eingeweiht werden. Im Vortrag wurde an viele Verschönerungsarbeiten durch Feierabendbrigaden des Ortes und Vereine wie 1993 eine Restaurierung in der Kunstgießerei Lauchhammer erinnert.

Im Jahr 2000 entdeckte Reinhardt Schneider im Sorbischen Museum Bautzen eine beschädigte Gipsbüste von Handrij Zejler, die wohl die Vorlage für den Bronzeguss von 1931 bildete. Also bemühten sich die Lohsaer um eine Nachbildung für ihre Begegnungsstätte. Nach der erforderlichen Ausschreibung bekam der Künstler Jörg Tausch aus Rohne/ Schleife den Auftrag, eine bronzierte Gipsbüste nach dem Vorbild des in Bautzen gefundenen Kunstwerkes anzufertigen.

Jörg Tausch ist als gebürtiger Hoyerswerdaer und Schüler Kurt Klinkerts gern dabei, wenn es gilt, Kulturgüter der Lausitz wiederzubeleben. Davon zeugen seine Farbzeichnungen zu sorbischen Märchen, ein Bild von Krabat in jungen Jahren oder die Krabat-Figur für das Reiterstandbild des Obristen Schadowitz alias Janko Sajatovic im Sorbischen Museum Bautzen.

Zum sorbischen Abend waren zahlreiche Gäste, unter ihnen der Bürgermeister von Lohsa, Thomas Leberecht und der Domowina – Vorsitzende David Statnik erschienen. Beide enthüllten die Büste Handrij Zejlers. Zum Ende sang Hanka Sarodnik das bekannte Lied „Hanka budz wjesola - Hanka sei fröhlich“. Viele der Besucher sangen im Anschluss die sorbische Hymne, die von Zejler stammt. Die von Jörg Tausch angefertigte Nachbildung der Büste von 1931 wird nun ihren Platz im Vereinshaus finden.